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Kinderdorf Pestalozzi Trogen: Noch heute sind die Häuser kindgerecht

Der Schweizer Architekt Hans Fischli dachte ökonomisch und liebte es, für Kinder zu bauen. Beides kommt in seinen Plänen für das Kinderdorf Pestalozzi in Trogen zusammen. Das 1946 eingeweihte Kinderdorf ist trotz Sanierungen bis heute Original.
Valeria Heintges
Die Häuser von Hans Fischli in Trogen. (Bild: Regina Kühne/KEY)

Die Häuser von Hans Fischli in Trogen. (Bild: Regina Kühne/KEY)

Das Kinderdorf Pestalozzi sei für Hans Fischli ein «Herzensprojekt» gewesen, sagt Sebastian Holzhausen. Der Architekt zeigte in seinem Vortrag am Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft in Zürich auf, wo er in Fischlis Nachlass forschte, wie gerne dieser für Kinder baute.

Als der Zürcher Architekt Hans Fischli auf Walter Robert Corti, den Gründer des Kinderdorfes Pestalozzi stiess, hatte er bereits Bauten für Kinder entworfen. Als Schüler von Hans Hofmann, der die Schweizerische Landesausstellung 1939 in Zürich leitete, realisierte er das «Palais des attractions» und das Kinderparadies, das nur Kinder betreten durften.

Fischli setzte in Trogen Cortis Idee um, jedem Kind eine Ecke mit Truhe, Tisch, Stuhl und Bett zu entwerfen, in dem es seine Heimat haben könnte. Nur zwei Kinder und Gasteltern sah er pro Zimmer vor, zwölf pro Haus, und plante diese rustikal, beinahe spartanisch, aber gemütlich.

Hans Fischli bei der Grundsteinlegung in Trogen, 1946. (Bild: Theo Frey, Zürich)

Hans Fischli bei der Grundsteinlegung in Trogen, 1946. (Bild: Theo Frey, Zürich)

Er nahm Bezug auf den Appenzeller Stil, «eine konventionelle Konstruktion, wie sie in der Region allseits bekannt war», so Holzhausen. Betonierter Sockel, Holzskelett-Oberbau mit einfacher Zangenkonstruktion, geneigtes Dach mit Ziegeldeckung, «Fenster wie sie jeder Fensterbauer in der Umgebung zu Dutzenden herstellte».

Bezug auf den Appenzeller Stil, modern interpretiert

Diese Vorgehensweise hatte viele Vorteile: Sie passte sich in die Region ein, wurde von der Bevölkerung akzeptiert. Auch war das Projekt auf Spenden angewiesen, durfte also nicht teuer werden. Spenden kamen auch in Form von ehrenamtlicher Tätigkeit, etwa ETH-Studenten, die mithelfen wollten.

So nahmen die Häuser Bezug auf den Appenzeller Stil, interpretierten ihn aber zeitgenössisch. Am Dessauer Bauhaus, so Holzhausen, hatte Fischli in einem Vorkurs bei Josef Albers gelernt, «aus Nichts mit Nichts etwas zu machen». Oder, wie es der Bauhaus-Leiter Hannes Meyer in einer Zeitschrift schrieb: «alle dinge dieser welt sind ein produkt der formel: funktion mal ökonomie».

Doch eine Frage überschattete sein Werk: Baute Hans Fischli nur «rustikale Holzhäuser» oder war er ein moderner Architekt? Als Fischli in die renommierte Architektengruppe CIAM aufgenommen werden wollte, wurde er abgelehnt. «Fischli malt zwar abstrakt, aber er baut rustikale Holzhäuser», soll Generalsekretär Sigfried Giedion gesagt haben.

«Hans Fischli würde alles wiedererkennen»

Der 1909 in Zürich geborene Fischli war aber doch ein zeitgenössischer, ökonomisch denkender Architekt. Das ökonomische Denken hat Fischli so sehr geprägt, dass er nach der Fertigstellung des Kinderdorfes mit dem Vorwurf leben musste, er würde seine Ambitionen zu schnell den Wünschen der Bauherrschaft opfern. Er selbst gab zu, dass er ursprünglich andere Ambitionen gehabt hätte. «Letztlich überwog jedoch seine Überzeugung, mit der gewählten architektonischen Gestaltung und Ausformulierung der richtigeren Gesamtauffassung gefolgt zu sein», so Holzhausen.

Luftbild des Kinderdorf Pestalozzi in Trogen, 1962. (Bild: Schweizerisches Militär, Flugdienst)

Luftbild des Kinderdorf Pestalozzi in Trogen, 1962. (Bild: Schweizerisches Militär, Flugdienst)

Dem stimmen auch die zu, die heute in den Gebäuden mit Kindern leben und arbeiten. Die Häuser seien kindgerecht, sagt Karianne Christensen, als Leiterin Liegenschaften im Kinderdorf für die Häuser zuständig. Sie seien aber natürlich nicht mehr normenkonform gewesen und nicht barrierefrei. Trotz dem Schulhaus von 1959 und dem Andachtshaus von 1969, die Fischlis Plänen zuwiderliefen, und allen nötigen Sanierungen sei das Kinderdorf immer noch Original. «Hans Fischli würde alles wiedererkennen», sagt Christensen.

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