Kimberly Brockman lässt in der Kathedrale St.Gallen Schlager der Kirchenmusik erklingen

Die Konzertsängerin organisiert seit 2006 eine Feier mit Carols – kirchlichen Weihnachtsliedern aus England. Diese erinnern sie an ihre Kindheit.

Urs-Peter Zwingli
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Die Carols bedeuten für Kimberly Brockman ein Stück Heimat.

Die Carols bedeuten für Kimberly Brockman ein Stück Heimat.

Bild: Lisa Jenny

«Es ist eine unserer Aufgaben, Inseln der Stille und Besinnung in der hektischen Adventszeit zu schaffen», sagt Kimberly Brockman. Die studierte Konzertsängerin leitet die Diözesane Kirchenmusikschule des katholischen Konfessionsteil des Kantons St.Gallen.

Eine Insel der gemeinschaftlichen Besinnung soll die musikalisch-liturgische Feier «Lessons and Carols» sein, die Brockman kurz vor Weihnachten in der St.Galler Kathedrale organisiert. Dabei singt ein 24-köpfiges Vokalensemble der Dommusik St.Gallen klassische Kirchenlieder aus dem englischen Sprachraum. Die 56-jährige Brockman, die in New Jersey und Pennsylvania an der US-Ostküste aufgewachsen ist, sagt:

«Für mich sind diese Lieder ein Stück Heimat. Bereits während meiner Kindheit habe ich sie im Kirchenchor gesungen.»

Seit 1994 arbeitet Brockman im deutschen Sprachraum, unter anderem sang sie an der Kölner Oper und im Ensemble von Konzert und Theater St.Gallen.

Die Besucherinnen und Besucher der «Lessons and Carols» dürfen im Chorgestühl Platz nehmen.

Die Besucherinnen und Besucher der «Lessons and Carols» dürfen im Chorgestühl Platz nehmen.

(Bild: Paul Joos, 2018)

Gemeinschaftserlebnis im Chorraum

Etwas Heimweh war es auch, das Brockman 2006 dazu brachte, die «Carols» – so heissen die kirchlichen Weihnachtslieder auf Englisch – in St.Gallen einzuführen. «Damals gab es hier nur wenige spirituelle Angebote in englischer Sprache. Ich wollte diese Lücke füllen.»

Am Anfang sei es ein Wagnis gewesen, und bei der ersten Durchführung kamen nur einige Dutzend Menschen in die Kathedrale. «Mittlerweile ist ‹Lessons and Carols› aber für viele ein Fixpunkt vor Weihnachten», sagt Brockman. Die rund 350 Plätze, die für die Feier zur Verfügung stehen, sind jeweils voll besetzt.

Der Chorraum der Kathedrale: Intime Atmosphäre und hervorragende Akustik.

Der Chorraum der Kathedrale: Intime Atmosphäre und hervorragende Akustik.

(Bild: Paul Joos, 2018)

Gefeiert wird im prachtvollen Chor der Kathedrale. Dort sei die Atmosphäre intimer und die Akustik hervorragend, sagt Brockman. Sie betont, dass «Lessons and Carols» kein Konzert, sondern ein Gemeinschaftserlebnis sei: Es werden Noten und Texte abgegeben, und viele Leute singen mit.

Das liege auch daran, dass die Gesänge eingängig und teils sehr populär seien. «Das Lied «Hark! The Herald Angels sing» etwa ist fast schon ein Schlager der Kirchenmusik», sagt Brockman lachend. Dazu kommen weitere Klassiker wie «What Child is this?» oder «Once in Royal David’s City».

Der Chorraum der Kathedrale ist bis auf den letzten Platz gefüllt.

Der Chorraum der Kathedrale ist bis auf den letzten Platz gefüllt.

(Bild: Paul Joss, 2018)

Texte voller Licht und Liebe

Letzterer eröffnet traditionell die «Lessons and Carols»-Feier. Diese wurde erstmals um 1880 in England durchgeführt. Weihnachten beginnt dort bis heute mit diesem «Carol service». Der Ablauf der Feier, in der sich die neun Carols jeweils mit «Lessons» (Lesungen von Bibeltexten) abwechseln, ist weltweit gleich. Brockman sagt:

«Ich mag auch diese lange Tradition, die hinter der Feier steht.»

Zu den Bibelstellen, die an der Feier vorgelesen werden, werden deutsche Übersetzungen im Programmheft abgegeben. Der Auftakt der Lesungen ist mit dem Sündenfall von Adam und Eva schwere Kost.

Danach dominieren aber Texte, die sich um die Weihnachtsgeschichte und die Geburt von Jesus drehen. «Es sind Texte, die von Licht und Liebe handeln. Sie passen gut in den Advent und in die Stille», sagt Brockman.

Samstag, 21.12., 19.15 Uhr, Chorraum der Kathedrale St.Gallen.

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