Keine Zürcher Rückendeckung für Hartmann

Die Finanz- und Führungskrise am Wiener Burgtheater spitzt sich zu. Nach einem Misstrauensvotum des Ensembles gibt es Stimmen, die einen Rücktritt von Intendant Matthias Hartmann für angemessen halten. Anlass sind Fragen zur Verantwortung für das Millionen-Loch im Etat.

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Die Finanz- und Führungskrise am Wiener Burgtheater spitzt sich zu. Nach einem Misstrauensvotum des Ensembles gibt es Stimmen, die einen Rücktritt von Intendant Matthias Hartmann für angemessen halten. Anlass sind Fragen zur Verantwortung für das Millionen-Loch im Etat. Das Haus rechnet für die Spielzeit 2012/2013 mit einem Verlust von 8,3 Millionen Euro. Ausserdem drohen Steuernachzahlungen von rund fünf Millionen Euro.

Misstrauen gegen Hartmann

Der Aufsichtsrat und Hartmann sehen schwere Versäumnisse bei der inzwischen entlassenen Vizedirektorin Silvia Stantejsky. Sie soll durch undurchsichtige Buchführung die bedrängte Lage des Hauses verschleiert haben. Stantejsky bestreitet die Vorwürfe. Der Lesart von der Alleinschuld der im Haus angesehenen und beliebten Vizedirektorin will das Ensemble nicht folgen. Mit 83 zu 31 Stimmen sprach es Hartmann sein Misstrauen aus.

Hartmann ist seit 2009 Chef des renommierten Hauses. Sein Vertrag in Wien läuft bis 2019. Bevor er nach Wien kam, war er während vierer Jahre Intendant am Zürcher Schauspielhaus. Mit Rückendeckung aus Zürich kann Hartmann aber kaum rechnen. Dass Hartmann das Schauspielhaus Zürich als Sanierungsfall übernommen und saniert habe, weist der ehemalige Direktor der Kulturabteilung der Stadt Zürich, Jean-Pierre Hoby, empört zurück. Diese Behauptung von Hartmann sei eine «mutwillige Beleidigung».

«Erfolgreiche Arbeit»

Schon bei Hartmanns Weggang aus Zürich fiel die Bilanz zwiespältig aus. So habe das technische Personal gestreikt, und es habe Beschuldigungen gegeben. In Wien hat sich Hartmann ein anderes Klima als an der Limmat versprochen. Hier betrachte man das Theater als zwar angenehme, aber nicht so unabdingbare zentrale Institution – so seine Einschätzung.

Der Aufsichtsrat des Burgtheaters hat sich hinter Hartmann und dessen «erfolgreiche Arbeit» gestellt. Das Burgtheater, das als eine der bedeutendsten Bühnen Europas gilt, erhält Subventionen in Höhe von 46,3 Millionen Euro. (sda)