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Keine Heldentaten, dafür eine berührende Freundschaft in Jona Ostfelds neuem Roman

«Nenn mich nicht Grossmutter», der zweite Roman des Aargauer Autors Jona Ostfeld, erzählt von einer aussergewöhnlichen Beziehung.
Kelly Spielmann
Jona Ostfeld in der Kajüte beim Tränenbrünneli, seinem liebsten Platz zum Schreiben. (Bild: Alex Spichale, 20. August 2019)

Jona Ostfeld in der Kajüte beim Tränenbrünneli, seinem liebsten Platz zum Schreiben. (Bild: Alex Spichale, 20. August 2019)

Die Beschreibung im Klappentext könnte kaum zutreffender sein. Jona Ostfeld erzählt keine spektakuläre Geschichte, es wird keiner umgebracht, es kommt auch keine furchtbar traurige Liebe vor, niemand vollbringt eine Heldentat. Das klingt zwar erst nicht einladend, es könnte sogar dazu führen, das Buch schnell wieder wegzulegen. Doch gibt man dem neuen Roman des Ennetbadeners eine Chance, kommt bereits beim ersten Satz unerwartete Neugier auf: «Aaron Goldberg war kein Jude.»

Aaron ist als Sohn eines Juden und einer Atheistin katholisch getauft. Ihn macht das im Internat, in das er nach dem Tod seines Vaters gesteckt wird, zur Zielscheibe für die Hänseleien seiner Mitschüler.

Zehnjährig lernt der Junge dann seine Grossmutter Annie kennen. Er verbringt seine Ferien bei ihr, weil seine Mutter, eine Schauspielerin, keine Zeit für ihn hat. Annie wirkt anfangs abweisend und kühl - bei ihrem ersten Treffen faucht sie Aaron an, er solle sie Annie nennen, nicht Grossmutter. Und doch entwickelt sich zwischen Annie und ihrem Enkel Aaron im Verlauf der Jahre eine innige Freundschaft. Die Geschichte, deren Figuren laut Ostfeld keine realen Personen darstellen, erzählt der Autor auf 144 Seiten, unterteilt in die Jahre von 1997 bis 2009. Die einzelnen Jahre sind ebenfalls unterteilt - in Szenen. Ostfeld nennt sie bewusst nicht Kapitel. Die Szenen sind kurz, sie dauern nur selten länger als zwei Seiten.

Es wird gelesen, nicht geredet

Das führt einerseits dazu, dass der Leser das Buch in kleinen Häppchen zu sich nehmen kann - es ist aber auch an einem einzelnen Abend ohne grosse Anstrengung schnell gelesen. Andererseits könnte an einigen Stellen kritisiert werden, dass die Handlung dadurch zu stark komprimiert wird.

Obwohl man sich bei einigen Szenen mehr Information und Hintergrund wünschen könnte, gelingt es Jona Ostfeld, die Beziehung zwischen Annie und Aaron in den meisten wichtigen Punkten aufzuzeigen. Wie nahe sich die beiden sind, lernen sie über eine gemeinsame Leidenschaft, das Lesen - Annie möchte nicht sterben, bevor der letzte Harry Potter-Band erscheint. Es wird immer gelesen und nur selten geredet. Kommt es doch mal zu einem Gespräch, zeigt sich Annie wortkarg. Sie ist, im Gegensatz zu Aaron, Jüdin. Doch über ihre Vergangenheit gibt sie nur wenig preis. Sie erzählt Aaron, dass sie rechtzeitig vor dem Holocaust flüchten konnte und in Lausanne eine Hotelfachschule besuchte. Doch Aaron ist skeptisch: Weshalb liest Annie nur Kinder- und Fantasyromane? Und wieso trägt sie immer Armstulpen? Erst nach ihrem Tod erfährt Aaron die ganze Wahrheit über seine Grossmutter - und lernt, sie zu verstehen.

Es ist richtig, dass es in «Nenn mich nicht Grossmutter» keine spektakuläre Heldentat oder traurige Liebe gibt. Aber auch der zweite Teil des Klappentexts trifft zu: «Es ist die Geschichte von Unausgesprochenem. Und es ist die Geschichte einer aussergewöhnlichen Freundschaft. Es ist die Geschichte von Aaron und Annie.»

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