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Keine Angst vor Hotzenplötzchen

Im St. Galler Figurentheater steht Räuber Hotzenplotz auf der Bühne: Als Puppe, Marionette und von einer Schauspielerin verkörpert. Die Eigenproduktion wechselt geschickt zwischen Spielformen und verwandelt ein Buffet unter anderem in ein Zauberschloss.
Hansruedi Kugler
Hotzenplotz von Kasper und Seppli im Vogelkäfig gefangen: Sara Franchini, Lisa Bögli und Sabrina Michel. (Bild: Benjamin Manser)

Hotzenplotz von Kasper und Seppli im Vogelkäfig gefangen: Sara Franchini, Lisa Bögli und Sabrina Michel. (Bild: Benjamin Manser)

ST. GALLEN. «Spielen sie das so wie in meinem Buch?», hört man neben sich im Publikum. Die Antwort: Ja und nein. Zumindest der Hotzenplotz trägt im Figurentheater denselben hohen Hut mit roter Schlaufe, denselben grimmigen Stoppelbart und in seinem Gurt stecken die gleichen langen Messer wie auf den Illustrationen in Otfried Preusslers Buch. Aber ein Hotzenplotz wäre zu wenig. Im Figurentheater gibt es ihn in Fleisch und Blut, als Handpuppe, als kleine Marionette und am Ende sogar als in ein winziges Vögelchen geschrumpftes Hotzenplötzchen. Schon die Kleinsten wissen ja: Am Ende ist er gefangen und die Helden Kasper und Seppli dürfen Grosis Schoggikuchen mit Schlagrahm geniessen. Und gar so gefährlich wie Hotzenplotz zu Beginn des Stücks in der Tagblatt-Schlagzeile «Ein Räuber treibt sein Unwesen» aufgebauscht wird, ist er ja nicht. In der Figurenbühne braucht sich kein Kind vor ihm zu fürchten.

Kasper tanzt Hip-Hop

Auf der Bühne steht ein prächtiges, grosses, im Grosi-Stil mit Blumen bemaltes Buffet. Das verwandelt sich – Türchen auf, Türchen zu – in Hotzenplotz' Räuberhöhle und in Zwackelmanns Zauberschloss.

Verwandeln tun sich auch die Figuren: Die drei jungen Schauspielerinnen Lisa Bögli, Sara Franchini und Sabrina Michel kommen als singende Erzählerinnen auf die Bühne, das St. Galler Tagblatt und Hotzenplotz mit Bild auf der Front in den Händen. Kaum auf der Bühne verwandeln sie sich dank rosa Hut ins Grosi, dank roter Dächlikappe und blauer Mütze in ziemlich coole, Hip-Hop-tanzende Kasper und Seppli. Dann verschwinden sie hinter dem Buffet. Als Handpuppen erscheinen die Figuren auf und neben dem Buffet, öffnen Türchen und zaubern ganze Wälder aus dem Buffet hervor. Das ist bezaubernd gemacht, verdeutlicht den Erzählcharakter der Inszenierung und schafft durch die Verniedlichung jene Distanz zu realen Räubermessern und Zaubergewalt, die den Kindern Angst und Schrecken erspart. Die Eigenproduktion des Figurentheaters in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für Künste kann man darum auch mit den Kleinsten besuchen.

«Plotzenhotz, Lottenplotz»

Einzig bei Kaspers Gang in den dunklen Keller von Zwackelmanns Zauberschloss hört man im Saal ein paar ängstliche Kinderrufe. Die Szene wird als Schattenspiel im Buffettürchen gezeigt. Schnell löst sich die Gefahr auf. Die Fee Amaryllis wird ja bald alles zum Besten wenden. Bis zum Happy End kommen Querflöte, Geige und Gitarre zum Einsatz: «Ho ho ho, der Hotzenplotz», oder «Wir sind die allerbesten Freunde», wird gesungen. Und weil zudem der Wortwitz «Lottenplotz, Potzenlotz» und «Wackelzahn, Daggelmann» den Kindern Spass macht, weil das die Bösewichte hilflos lässt, ist diese turbulente, abwechslungsreiche Inszenierung ein Vergnügen.

Figurentheater St. Gallen, bis 23.3., empfohlen ab 5 Jahren

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