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Keine Angst vor grossen Stoffen

Vier griechische Tragödien auf einen Streich inszeniert Katja Langenbach mit John von Düffels Dramen-Montage «Ödipus Stadt» für das Theater St. Gallen. Am Mittwoch ist Premiere im Grossen Haus.
Bettina Kugler
Die ewig neuen Griechen: Katja Langenbach bringt sie auf die Bühne. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die ewig neuen Griechen: Katja Langenbach bringt sie auf die Bühne. (Bild: Hanspeter Schiess)

Otto Normalmensch kommt in ihren Inszenierungen selten vor. Wenn Katja Langenbach am Regiepult sitzt, hat sie mit Helden zu tun, mit Rebellen und Aussteigern. Mit Männern, die Macht haben, ihr Leben an entscheidenden Punkten umzuschreiben; mit Menschen, die wie Marionetten an unsichtbaren Fäden hängen und sie zu zerreissen versuchen. Oft auch vergeblich.

Unbeugsame und Idealisten

Ob Kleists Michael Kohlhaas und Prinz Friedrich von Homburg auf die Bühne kommen, ob Ödipus, Antigone oder Jugendliche, die in einem Rausch von Hass und Grössenwahn ihre Schule mit Waffen stürmen: Gewalt, Willkür und Schicksal sind wiederkehrende Leitmotive bei der Auswahl der Stücke.

Figuren, die aufbegehren, die sich notfalls mit Renitenz für Gerechtigkeit oder eine andere Idee einsetzen, haben auf Regisseurin Katja Langenbach eine starke Anziehungskraft. Dabei ist sie selbst ruhig und reflektiert; auf die sprachliche Qualität eines Textes legt die 1976 in Köln geborene Regisseurin ebenso grossen Wert wie auf auf die Genauigkeit ihrer eigenen Formulierungen. Dafür verändert sie ihre Vorlagen wenn nötig, passt sie den eigenen Rahmenbedingungen an.

Während John von Düffel in «Ödipus Stadt» die für griechische Tragödien essenziellen Chorpassagen gestrichen hat, um vier Stücke zu einem zu verdichten, hat sich Katja Langenbach entschieden, hier einen Schritt zurück zu gehen. An vier Stellen holt sie den «Chor» zurück in die geraffte Königschronik der Labdakiden, «weil man bei diesem Tempo kaum mehr mitkommt», wie sie findet.

Spielfreundlicher Text

Gleichwohl reizt es sie, den Mythos als Familienchronik zu erzählen, den Fluch des Schicksals über mehrere Generationen zu verfolgen und psychologisch zu vertiefen, näher heranzuholen an Bilder unserer Zeit. «Wir glauben uns gern frei und selbstbestimmt. Dabei spielen Prägungen eine grosse Rolle; vieles ist in der Kindheit angelegt und treibt später Blüten.»

«Ödipus Stadt» entstand auf der Basis einer Interlinearübersetzung der vier Tragödien von Sophokles, Aischylos und Euripides im Auftrag des Deutschen Theaters Berlin. «Der Text ist sehr spielfreundlich», sagt Katja Langenbach; «von Düffel hält fest an Versmass und Musikalität der Originale, aber die Sprache ist gut verständlich und spielfreundlich.»

Gefangen im Familienschicksal

Verständlich, dass die Schauspieler Feuer und Flamme waren – zumal mehr als zehn Jahre vergangen sind, seit zuletzt ein tragischer Stoff der Antike im Grossen Haus des Theaters St. Gallen zu sehen war. Weshalb diese Zurückhaltung? Katja Langenbach kann es sich nicht recht erklären. «Die Konflikte in diesen Stücken sind unvergänglich, sie bleiben aktuell. Aber natürlich sind diese Stoffe sperrig, sie sind einfach riesengross.»

Auf Livemusik als Teil des antiken Gesamtkunstwerks aus Tanz, Gesang und Sprache wollte Katja Langenbach nicht verzichten. Also werden die Schauspieler zu E-Gitarre und Mikrophon greifen – oder das Bühnengerüst aus Stahl zum Klingen bringen. Eine Konstruktion, die sich am «Proszenium» des griechischen Theaters orientiert, aber auch für das Gefängnis Familie stehen kann: das Schicksal, aus dem es kein Entrinnen gibt. Die Verhältnisse, in die ein Mensch geboren ist, die Verhaltensmuster, die er nicht einfach abstreifen kann.

Mit Bühnenbildnerin Hella Prokoph verbindet Katja Langenbach eine langjährige Zusammenarbeit, mit Schauspieler Oliver Losehand, der den Ödipus spielen wird, noch mehr: Die beiden sind ein Paar. Nach langen Probentagen führt zu Hause ein Kleinkind Regie. «Da kommt man schnell auf andere Gedanken», sagt sie und lächelt.

Sandalen vom Moderiesen

Tragödien wie «Ödipus Stadt» finden bei ihr lange «am Tisch» statt. Während der Leseproben nimmt sie sich Zeit, die Schauspieler kennenzulernen, zu sehen, was sie schon mitbringen – und das in ihr Konzept einzubeziehen. «Ich sage nicht gern: Mach dies oder mach das. Stattdessen versuchen wir, uns schon früh intensiv auszutauschen; diese Gedanken gehen dann in den szenischen Proben oft automatisch in den Körper über.» So werden aus mythischen Figuren Menschen. Mit «H & M»-Sandalen an den Füssen.

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