Kein Ruhestand für den Starregisseur

BERLIN. Volker Schlöndorff gehörte zu den «jungen Wilden» des deutschen Nachkriegsfilms. Von Ruhestand will der Oscar-Preisträger («Die Blechtrommel»), der heute, seinen 70. Geburtstag feiert, auch heute nichts wissen.

Wilfried Mommert, sda/dpa
Drucken
Teilen
Volker Schlöndorff 2005 bei seinem Besuch in St.Gallen. (Bild: Hannes Thalmann)

Volker Schlöndorff 2005 bei seinem Besuch in St.Gallen. (Bild: Hannes Thalmann)

Sein nächster Kinofilm ist eine Zusammenarbeit mit dem Berliner Schriftsteller Peter Schneider über einen Mittvierziger, der sich überflüssig vorkommt und einen neuen Lebensinhalt findet in der Zuwendung zu einem elfjährigen Jungen mit Lernschwierigkeiten.

Noch nicht spruchreif ist die Verfilmung des Theaterstücks «Rock'n'Roll» von Tom Stoppard über eine Prager Rockband, die 1976 verhaftet wurde und deren Prozess zur Charta 77 von Vaclav Havel mit ihrer Anklage der Menschenrechtsverletzungen führte.

Es ist das Lebensthema von Schlöndorff: Der Zusammenhang von Kultur und Politik, der Gegensatz von Zivilcourage und Untertanengeist. Dies zeigte sich schon beim «Jungen Törless», seinem Debütfilm und für viele eines seiner besten Werke, bis zum «Unhold», eine seiner grössten Pleiten im Filmgeschäft.

Grosskoalitionäre Ehre
Ein zentrales Thema war für den Regisseur immer auch die Frage nach dem «Warum» in der deutschen Vergangenheit mit ihren Nazi-Verbrechen - «Wie war das möglich?»

Bei Schlöndorff gehe es immer um Menschen, die zu Aussenseitern würden, die durch soziale, gesellschaftliche oder politische Umstände benachteiligt und im Leben schlecht weggekommen seien, meinte der frühere SPD-Vorsitzende Kurt Beck bei der Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille im vergangenen Herbst.

Die CDU wollte nicht nachstehen und widmete Schlöndorff noch vor seinem 70. Geburtstag eine Hommage in der Berliner Konrad-Adenauer-Stiftung - ihm, der einst Drehverbot bei einem CDU-Parteitag hatte. Schlöndorff sei heute «fast schon ein Klassiker», erklärte Kulturminister Bernd Neumann (CDU).

Frühe Filmschule Paris
Über den «Abenteuerspielplatz» seines Lebens hat der 1939 in Wiesbaden geborene Arztsohn Bericht erstattet mit seinen Memoiren «Licht, Schatten und Bewegung - Mein Leben und meine Filme».

Dabei überrascht Schlöndorff mit einer Mischung aus ironischer Leichtigkeit und Nachdenklichkeit bei seinem Rückblick auf Niederlagen und Triumphe. Noch mehr als der Oscar-Erfolg mit der «Blechtrommel» von 1980 bedeutete dem Regisseur ein Jahr zuvor die Goldene Palme in Cannes für die Grass-Verfilmung.

Schlöndorff hat viel zu erzählen: vom deutschen Nachkriegsfilm, seinem fünfjährigem Aufenthalt in Amerika und von Paris, wo er sich in den frühen 60er Jahren als junger Filmstudent aufhielt.

Die Ablehnung des Vaters
Privat war Schlöndorff von 1971 bis 1991 mit der Schauspielerin und Regisseurin Margarethe von Trotta verheiratet. Seit 1992 lebt er in zweiter Ehe mit Angelika Gruber, mit der er eine Tochter hat.

Womit Schlöndorff nicht zurecht kam, war die Ablehnung seines Vaters, der die «Blechtrommel» einfach nur «scheusslich» fand und der auch versucht hatte, seinen Erstling «Der junge Törless» 1966 nach Robert Musil als «reine Arschfickerei» zu verunglimpfen.

Der Streifen wurde dann aber zum ersten internationalen Erfolg des jungen deutschen Films. Dass Schlöndorff eine Liebesszene zwischen den beiden Internatszöglingen nicht gedreht hat, verzeiht er sich bis heute nicht. «Es war auch Angst vor dem Vater und der ganzen bürgerlichen Gesellschaft, die er vertrat.»

Aktuelle Nachrichten