Kein Kinderspiel

Filmfestival Viele Filme über Kinder in Extremsituationen und zwei Altstars als Publikumsmagneten. Die Bilanz zur 27. Ausgabe des Filmfestivals Fribourg.

Geri Krebs
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Sie würde gerne Fahrrad fahren; «Wadjda» erzählt die Gesichte eines Mädchens aus Saudi Arabien. (Bild: Praesens Film)

Sie würde gerne Fahrrad fahren; «Wadjda» erzählt die Gesichte eines Mädchens aus Saudi Arabien. (Bild: Praesens Film)

Im zweiten Jahr unter der künstlerischen Leitung des Westschweizer Filmkritikers Thierry Jobin konnte das Festival ein Rekordergebnis von 36 000 Zuschauern verbuchen – und bot 2013 für jeden etwas.

Mit nicht weniger als 15 verschiedenen Sektionen wartete das diesjährige Festival international de Films de Fribourg (Fiff) auf, es dominierte eine selten gesehene thematische und stilistische Vielfalt. Eine der umfangreichsten thematischen Reihen war der Kindheit gewidmet. Als bekanntestes aktuelles Beispiel durfte der vor Monatsfrist Oscar-gekrönte «Beasts of the Southern Wild» nicht fehlen, einziger bereits bekannter Film in einem Programm, das sonst voller Überraschungen war.

Aus einem verbotenen Land

Die Schwierigkeiten der Kindheit zogen sich thematisch durch diverse Sektionen. Aber nur ein Film schaffte es, alle Klischeeklippen gekonnt zu umschiffen. Es war der wohl schönste Film über Kinder, die sich in einer feindlichen Umwelt behaupten müssen, und er kommt aus einem Land, wo noch nie ein Film gedreht wurde. Die Rede ist von «Wadjda» aus Saudi Arabien. Die 1974 geborene Haifa al Mansour schaffte das Unmögliche: Mit Koproduzenten aus den Golfstaaten und aus Deutschland hat die zierliche Frau aus dem Land, in dem Frauen so ziemlich alles verboten ist, einen Film realisiert. Er erzählt die Geschichte von einem Mädchen, das Fahrrad fahren möchte, sich auflehnt gegen absurde Einschränkungen, denen schon kleine Mädchen unterworfen sind.

Es ist eine schlichte Geschichte, die «Wadjda» in sorgfältig komponierten Bildern auf die Leinwand bringt, doch darin steckt ein ungeheurer Reichtum, und so war es nicht verwunderlich, dass dieser Film den Publikumspreis erhielt. Im Gegensatz zu «Wadjda», der in Kürze auch in die Kinos kommt, wird es der Gewinner des Hauptpreises der internationalen Jury – und gleich auch noch von drei Nebenjurys – wohl nie ins Kino schaffen. Zu spröde und zu ereignisarm scheint auf den ersten Blick der zweieinhalbstündige Dokumentarfilm «Three Sisters» des Chinesen Wang Bing.

Drei Mädchen ohne Eltern

Doch der Regisseur, international eine der wichtigsten Stimmen chinesischen Independent-Kinos, hat mit seinem Film über drei kleine Mädchen, die in einem auf 3200 Metern hoch gelegenen Dorf in Zentralchina ohne Eltern aufwachsen, ein stilles Werk geschaffen, das genau hinschaut und Einblick gibt in die Kehrseite des Wirtschaftswunderlandes China.

Fussballer als Publikumsmagnet

Einen grösstmöglichen Gegensatz zu dieser Welt bildeten denn am Donnerstag und Freitag die umjubelten Auftritte von zwei Stars am Fiff: Charles Aznavour (88) und Eric Cantona (46) – einst Sänger und heute Botschafter Armeniens und Repräsentant einer Filmreihe über armenische Diaspora der eine, einstiger Fussballrebell und heute Schauspieler und Filmproduzent der andere, vermochten ein Publikum ans Fiff zu locken, die mit Sicherheit zuvor noch nie dort gewesen waren. Das Fiff 2013 bot für jeden etwas.

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