Ukraine-Krieg
Hollywood und Streaming-Gigant reihen sich in den Boykott ein: Kein Batman und kein Netflix für Russland

Die internationale Filmbranche und mehrere Filmfestivals reagieren mit Boykotten auf den Ukraine-Krieg.

Dieter Osswald
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Hollywood boykottiert Russland: Auf den neuen «Batman» müssen die russischen Filmfans verzichten.

Hollywood boykottiert Russland: Auf den neuen «Batman» müssen die russischen Filmfans verzichten.

Warner/Imago

Njet von Netflix hiess es vor wenigen Tagen auf die staatliche Anordnung, zwanzig russische Sender in das Programm aufzunehmen und sie kostenfrei auszustrahlen. Nun geht der Streaminganbieter weiter: «Angesichts der Umstände vor Ort haben wir uns entschlossen, unseren Dienst in Russland einzustellen», zitiert das Branchenblatt «Variety» einen Netflix-Sprecher. Knapp eine Million Abonnenten sind betroffen, im Vergleich zu den weltweit 222 Millionen Kunden ist der russische Markt relativ klein.

Auch Hollywood boykottiert Russland

Der Boykott gilt jedoch auch geplanten Produktionen und aktuellen Dreharbeiten. Vier Serien sind auf Eis gelegt, darunter eine Version des Tolstoi-Klassikers «Anna Karenina». Hollywood reiht sich gleichfalls ein in den Boykott: «The Batman» sowie alle anderen aktuellen US-Blockbuster werden in russischen Kinos nicht zu sehen sein.

Umgekehrt werden russische Produktionen, die mit staatlicher Unterstützung entstanden, von immer mehr Festivals und Branchenkongressen verbannt. Der Verleih Central Partnership, seit 2014 im Eigentum des Staatskonzerns Gazprom, darf im Juni nicht mehr beim wichtigen Kongress CineEurope in Barcelona teilnehmen.

Die Festivals von Cannes, Venedig, Karlovy Vary, Stockholm und Toronto verzichten auf Filme und Vertreter der russischen Filmbranche, die mit staatlichen Stellen verbunden sind. Ausdrücklich ausgenommen vom Boykott sind unabhängige Regisseure des Landes. Nach anfänglichem Zögern stellt sich die European Film Academy mittlerweile ebenfalls hinter den Ausschluss aller russischen (Co-)Produktionen von Festivals und will diese Filme bei den European Film Awards verbannen.

Russische Filmverleiher protestieren gegen Krieg

Kurzfristig ausgeladen vom renommierten Serienfestival Series Mania in Lille wurde das PR-Unternehmen Roskino, das in staatlichem Auftrag weltweit Werbung für russische Produktionen macht. Stattdessen wurde als solidarischer Akt die ukrainische Produzentin Julia Sinkevych zur Jurypräsidentin gekürt.

Unterdessen fordern laut Branchenblatt «Blickpunkt Film» 40 russische Filmverleiher in einem Social-Media-Post das sofortige Ende des Ukraine-Krieges: «Unsere Mission ist es, dem Publikum in Russland zu ermöglichen, Filme über das Leben in anderen Kulturen zu sehen und dem weltweiten Publikum zu ermöglichen, Filme über Russland und sein Volk zu sehen. In jedem guten Film, ganz egal welches Thema er hat und aus welchem Land er kommt, geht es darum, dass das Leben eines jeden ein unbezahlbares Geschenk ist. Wir fordern beide Parteien zu konstruktiven Gesprächen auf, denn es gibt keine andere Alternative zur Gewalt.»