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Tanztheater in der Grabenhalle:
Keine Auswege aus dem eigenen Gefängnis

Cecilia Wretemark tanzt sich in die Angst hinein: Mit «Feeding Crocodiles» gelingt ihr beklemmendes Tanztheater.
Martin Preisser
Starke Sololeistung: Tänzerin Cecilia Wretemark. Bild: Tanja Dorendorf

Starke Sololeistung: Tänzerin Cecilia Wretemark. Bild: Tanja Dorendorf

Wenn die Tänzerin zu hyperventilieren anfängt, sich in die Enge hineinatmet, sich hineinschreit, in der Absicht, dieser Enge eigentlich zu entfliehen, dann stockt einem schon fast das Blut. Ein mutiger performativer Akt auf der St.Galler Grabenhalle-Bühne! Überhaupt mutig, das Thema Angst, so allgegenwärtig wie stets verdrängt, als fast reines Ein-Frau-Stück ganz unverstellt, ja tabulos zu zeigen.

Tänzerin Cecilia Wretemark von der St.Galler Kompagnie «House of Pain» changiert tänzerisch kraftvoll und präsent, aber auch in elegantem, luftigem Fluss zwischen der Angst und den Strategien, ihr immer wieder zu entkommen. Aus dieser Polarität entwickelt das Stück «Feeding Crocodiles», choreografiert von Wretemark selbst und ihrer Partnerin Jasmin Hauck, seine beklemmende Intensität.

Spätestens in der Mitte des einstündigen Abends bleibt der Zuschauer nicht der Voyeur der Angst, sondern wird in die Thematik hineingezwungen, ins Nachdenken über eigene, vielleicht verborgene oder nicht akzeptierte Ängste. Cecilia Wretemark geht ganz hinein ins Thema, nicht nur tänzerisch variationsreich, sondern auch performativ stark. Berührende, aber auch verstörende und sehr direkte Tanzbilder entstehen.

Schutz suchen hinter vieldeutigen Gipsteilen

Gutes Tanztheater lebt auch von gekonnter Integration anderer Kunstformen. Entscheidend zum Erfolg dieses Tanzabends trägt das Bühnenbild der Salemer Künstlerin Johanna Knöpfle bei. An Seilen hängen Gipsteile, wie an Galgen festgebunden von der Decke herab. Gipsteile, die Fragmentierung andeuten, Masken, Persönlichkeitsreste.

Auf den Gipsscherben bewegt sich die Tänzerin vorsichtig, lässt sich aber auch von den hängenden Skulpturen einnehmen, wird Teil von ihnen, sucht Schutz zwischen ihnen. Cecilia Wretemark wechselt virtuos zwischen der Enge und der Suche nach offeneren, weniger angstbesetzten Räumen, zwischen Gefangensein und Befreiungsversuch - ein anstrengender Weg, im Tanzstück letztlich aber ohne Ausweg.

Videos zoomen die Tänzerin ganz nah heran

Zu Bühnenbild und Tanz­solo gesellt sich in «Feeding Crocodiles» eine spannende Videoperformance von Kristian Breitenbach, der auch von der Tanzszene herkommt. Die Videos zoomen die Angst der Tänzerin noch näher heran, Tanz wird so auch zum Spiel mit Mimik. Gekonnt wird das Videoequipment Teil der Inszenierung; Laptop, Kamera, Stativ, Mikrofon und Lampe werden zu kleinen Anhaltspunkten im angsterfüllten Raum. Im Feld von Licht, Skulptur und Sound wird so das Tänzerische intensiviert; Videoperformer Kristian Breitenbach wird zum still agierenden Gegenüber, zum ruhigen Bühnenelement.

Zurücklehnen kann sich der Zuschauer nicht, nur schauen und geniessen schon gar nicht. Man muss ein Stück Beklemmung aushalten. Auch akustisch (Sounddesgin: Joel Gilardini) geht «Feeding Crocodiles» zumindest einmal an die Schmerzgrenze. Applaudieren geht auch nicht: Cecilia Wretemark verschwindet in den plötzlich surreal tönenden Verkehrslärm der Stadt, lässt die Bühne und die Besucher sich selbst überlassen zurück. Ein offenes Ende.

Hinweis

Nochmals Mi, 18.9., 20 Uhr, Grabenhalle, St.Gallen;
www.houseofpain-physicaldancetheatre.com

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