Kassette: Zierliche Dame, dreckiger Rock

Erst am Schluss wird es reduziert und intim. Laure Betris alias Kassette spielt allein, die Gitarre zupfend, ihr letztes Lied. «Es gibt viele, viele, viele, viele Männer. Aber ich gehöre nur dir allein», singt die zierliche Freiburgerin an diesem Donnerstagabend.

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Laure Betris alias Kassette. (Bild: pd)

Laure Betris alias Kassette. (Bild: pd)

Erst am Schluss wird es reduziert und intim. Laure Betris alias Kassette spielt allein, die Gitarre zupfend, ihr letztes Lied. «Es gibt viele, viele, viele, viele Männer. Aber ich gehöre nur dir allein», singt die zierliche Freiburgerin an diesem Donnerstagabend. Es ist die zweite Zugabe, «exklusiv für euch». Also für all jene, die trotz Ferien und Olma den Weg in die Grabenhalle gefunden haben.

Allein, die Gitarre zupfend, hat Laure Betris schon manches Lied geschrieben. Früher spielte sie in der Frauen-Grunge-Band Skirt. Seit einigen Jahren ist sie solo unter dem Namen Kassette unterwegs, und sie machte vor einer Weile schon einmal in der Grabenhalle halt. Mittlerweile ist aus ihrem introvertierten Singer-Songwriter-Ding eine lautstarke Rockband geworden. Zum Glück, denn die 32-Jährige kann mehr als die Gitarre streicheln und von der Liebe singen.

Zusammen mit dem Gitarristen Sacha Ruffieux und dem Schlagzeuger Nicolas Pittet entfacht sie bei ihrem Auftritt ein züngelndes Feuer, und schnell wähnt man sich nicht mehr in Nieselnebel-St. Gallen, sondern auf einer staubigen Landstrasse im amerikanischen Hinterland. «I don't wanna walk this earth alone», singt Laure Betris cool, und ihre zwei Mitmusiker folgen ihr gern. Zunächst schlurfen sie meist, und Nicolas Pittet gibt stampfend den Takt vor. Dann wüten sie oft zügellos, und Sacha Ruffieux zieht den Slide-Finger in schrille Höhen, rüttelt am Gitarrenhals oder setzt mit brachialen Riffs Akzente. Laure Betris schüttelt dazu ihren Zapfenlockenkopf und hackt in die Saiten.

Der Grunge lässt grüssen, der Stoner-Rock auch, und zu dritt fegen Kassette lustvoll das ganze Singer-Songwriter-Tum weg. Eine wuchtige, dreckige Performance. Roger Berhalter