KARRIERE: Vom Banker zum Clown

Der Liechtensteiner Thomas Beck verfolgte konsequent seinen Traum: als Clown auf der Bühne zu stehen. Nach einer Banklehre studierte er an der Scuola Dimitri. Jetzt bringt er die dritte Eigenproduktion auf die Bühne in Schaan.

Julia Nehmiz
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Schauspieler Thomas Beck im TAK Theater Liechtenstein. (Bild: Sabrina Stübi)

Schauspieler Thomas Beck im TAK Theater Liechtenstein. (Bild: Sabrina Stübi)

Julia Nehmiz

julia.nehmiz@tagblatt.ch

Jetzt also auch noch Yoga. Arme verrenken, Füsse verknoten, Gleichgewicht geht verloren, und von den vielen Wiederholungen gibt es Muskelkater. Humor ist, wenn es leicht aussieht – doch dahinter steckt viel Arbeit. Die beiden Liechtensteiner Schauspieler Thomas Beck und Nicolas Biedermann arbeiten seit fünf Wochen an ihrem neuen Zwei-Personen-Stück «Nichts zu danken». Es ist der letzte Teil ihrer Trilogie, die 2013 mit «Zum Ausgang bitte» begann und 2016 mit «Einen Moment bitte» fulminanten Theaterspass bescherte.

Die Bühnenfiguren Beck und Biedermann überlebten 2013 einen Flugzeugabsturz, flohen 2016 aus einem Endzeithotel ­beckettschen Ausmasses. Jetzt, 2018, finden sie sich in der Reha wieder. Slapstick-Theater nennen die beiden ihre Eigenproduktionen – doch es ist weit mehr als purer Klamauk, was Beck und Biedermann auf die Bühne bringen. Jedem Scherz wohnt eine poetische Tiefe inne, die staunen lässt und lange nachhallt.

Klassischer Weissclown und dummer August

Doch diese Tiefe muss man erst mal ausloten und erkunden. Auf der Probe im Theater am Kirchplatz in Schaan ringen die beiden Schauspieler mit Regieassistentin Anna Wössner um das richtige Timing. Welche Abfolge der Yogaübungen ist korrekt? Welche Figur führt sie wie aus? Und: Wann wird es lustig?

Den Text haben sich die beiden Schauspieler in Improvisationen erarbeitet. Das Gerüst des Stückes stand schon vorher fest: «In ‹Nichts zu danken› geht es um Hoffnung, wir thematisieren die Zukunft», sagt Beck. Der Kreis schliesse sich, ihr erstes Stück behandelte Abschied und somit Vergangenheit, das zweite Warten und Gegenwart. Jetzt also die Zukunft im dritten Teil; doch es wird nicht ihre letzte Zusammenarbeit sein, sagt Beck. Noch sei nichts Konkretes geplant, aber die von ihnen entwickelten Figuren – eine Art klassischer Weissclown und dummer August – würden sich sicher auf der Bühne wieder begegnen. Dass sie sich überhaupt begegnet sind, ist «ein Glücksfall», sagt Beck. Gefunden haben sich die beiden Liechtensteiner bei einer Produktion im «Schlösslekeller», Vaduz, 2012. «Wir haben gemerkt, dass wir denselben Humor haben, dass es einfach passt», sagt Thomas Beck. Aus der Idee einer Zusammenarbeit wurde bald ein Theaterabend. Dass ihr erstes gemeinsames Stück ein Publikumserfolg wurde, bestärkte sie.

Von Dimitri fasziniert und inspiriert

Thomas Beck sitzt im Theaterfoyer, in der Probenpause erzählt er mit grossem Ernst über die Arbeit, seinen Werdegang, erfüllte Träume und wachsende Widrigkeiten. Wie grandios komisch und zugleich berührend der 45-Jährige auf der Bühne sein kann, sieht man ihm hier nicht an. Er würde auch als kaufmännischer Angestellter durchgehen.

Beck lacht, er hat ja auch beides gelernt, und erzählt seine «Stammgeschichte»: Als Vierjähriger sah er Clown Dimitri im Zirkus Knie, und Klein-Thomas wusste von da an: Er wird Clown. Die Eltern hielten das zuerst für Kinderflausen, doch der Sohn hielt an seinem Berufswunsch fest. Nach Abschluss der Sek absolvierte er aber zuerst eine kaufmännische Lehre – für die Aufnahmeprüfung an der Scuola Dimitri war er noch zu jung, und die Eltern fanden, er solle erst mal was Sicheres lernen. Für Beck war das in Ordnung: «In den 1980er-Jahren war es in Liechtenstein gang und gäbe, eine kaufmännische Ausbildung bei der Bank zu machen.»

Nach Ausbildung und drei Berufsjahren bei der Bank wagte Thomas Beck die Aufnahmeprüfung an der Scuola Dimitri – und wurde prompt aufgenommen. Schon während der dreitägigen Prüfung hatte er das Gefühl, ­angekommen zu sein. Ein zweiter Traum erfüllte sich für ihn nach Abschluss der Theaterausbildung: Thomas Beck durfte unter Dimitris Regie im Zirkus Monti auftreten. Zwei Jahre reiste er mit dem Zirkus auf Tournee durch die Schweiz, «eine wunderbare Zeit».

Über eine Kollegin stiess er zum Salzburger Toihaus, einem freien Theater, wo er in einem Stück für Kleinkinder mitwirkte – und viel über die Wirkung des Schauspielers auf das Publikum lernte. In Salzburg gehörte er auch zu den Gründungsmitgliedern einer freien Truppe, mit der er bis heute Produktionen im öffentlichen Raum erarbeitet. 2011 zog es ihn nach Liechtenstein zurück, wo er bis heute lebt und auch oft arbeitet. Im Herbst wird er im «Schlösslekeller» Regie führen, eine Produktion als Schauspieler steht an, in Zürich steht er auf der Bühne des Theaters Rigiblick, in Salzburg wird ein neues Stück erarbeitet.

Er spürt die Grenzen zur Schweiz

Aber jetzt ist alle Kraft und Konzentration auf die Premiere seiner neuen Eigenproduktion gerichtet. Gespielt wird sie nur in Schaan. Er spüre oft die Grenzen, sagt Beck. Veranstalter ausserhalb Liechtensteins reagierten sehr zurückhaltend. Entweder bieten diese regional bekannten Künstlern eine Bühne, oder sie buchen die üblichen Verdächtigen, die überall auftreten.

Noch ein Grund mehr, zu Beck und Biedermann ins TAK nach Schaan zu fahren.

Hinweis

«Nichts zu danken»: Premiere 14.4., TAK, Schaan, weitere Vorstellungen am 18.4. und 8.5.