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KARRIERE: «Frauen, trödelt nicht herum»

Regula Bührer, zweifache Schweizer Werberin des Jahres, hat ein Buch für junge Berufsfrauen geschrieben. Sie rät ihnen zwischen 20 und 30 Jahren Gas zu geben, und öfters mal das Maul aufzumachen.
Katja Fischer De Santi
Regula Bührer Fecker: Ehrgeiz und die Lust, selber etwas zu schaffen, treiben sie an. (Bild: Ornella Cacace)

Regula Bührer Fecker: Ehrgeiz und die Lust, selber etwas zu schaffen, treiben sie an. (Bild: Ornella Cacace)

Interview: Katja Fischer De Santi

Regula Bührer Fecker, Ihr Buch ist entmutigend.

Warum, weil darin keine einfachen Rezepte stehen, wie man bequem Karriere machen kann?

Ja, Sie machen unmissverständlich klar, dass Frauen richtig viel arbeiten müssen, wollen sie es zu was bringen.

Weil es genau so ist. Ich habe noch keine Kaderfrau kennen gelernt, die einfach so die Karriereleiter hinauf gerutscht ist. Nur Frauen, die richtig Gas geben, fallen auf.

Ist es für junge Männer leichter, Karriere zu machen?

Leichter ist es für Männer nicht unbedingt, aber Männer haben mehr Zeit. Frauen müssen zwischen 20 und 30 Jahren ihre Karriere aufgleisen. Zumindest, wenn sie in Erwägung ziehen, Kinder zu bekommen.

Zuerst Karriere, dann Kinder. Viele junge Frauen studieren aber heute lange, zögern den Berufsstart hinaus.

Das sehe ich auch, und es macht mir Sorgen. Aus ihnen werden dann die viel zitierten Akademikerinnen, die ihr erstes Kind bekommen, kaum haben sie zu arbeiten begonnen. Mit kleinen Kindern fehlt aber die Energie, um durchzustarten.

Haben Sie die Hoffnung auf Gleichberechtigung aufge­geben?

Nein, wieso?

Weil Sie jungen Frauen klar machen, dass sie spätestens mit dem Kinderkriegen vom Karrierefeld gefegt werden.

So ist es leider ja auch. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Ich habe mein Buch für Frauen geschrieben, die jetzt jung sind. Ich habe deswegen nicht die Hoffnung aufgegeben, dass es in Sachen Elternurlaub und Teilzeitarbeit in 20 Jahren besser aussieht.

Sie sind nach der Matura direkt ins Berufsleben eingestiegen. Sollen sich Frauen das Studium sparen?

Nein, nur wenn man weiss, was man will, dann sollte man den schnellsten Weg dorthin wählen. Ich bin jeweils baff, wenn ich sehe, dass 25-jährige Studentinnen noch nie in ihrem Leben gearbeitet haben.

Nun ist es aber so, dass Fleiss allein Frauen nicht in Chefpositionen bringt.

Es fehlt an Selbstbewusstsein. Die jungen Frauen wissen viel, trauen sich aber nicht, das auch zu sagen. Sie wollen Karriere machen, aber nicht auffallen und schon gar nicht jemandem missfallen. Wer vorwärts kommen will, muss aber eine eigene Stimme haben, auch mal laut werden, auch mal Fehler machen.

Sie haben selbst eine Ausnahme-Karriere hingelegt, waren zweimal Werberin des Jahres, haben Sie sich je benachteiligt gefühlt?

Immer mal wieder, leider. In Form von doofen, despektierlichen Sprüchen. Etwa, wenn man mich als einzige Frau im Sitzungsraum bat, das Protokoll zu führen. Oder fragte, wo mein Chef bleibe, als ich längst Chefin war. Es hat aber nie den Level erreicht, dass ich mich hätte wehren müssen.

Was raten Sie jungen Frauen, die von ihren Chefs belästigt werden?

Das Wichtigste ist, sich über Sexismus auszutauschen, so wie es jetzt gerade überall passiert. Zu merken, das passiert nicht nur mir, es ist nicht mein Fehler, ist heilsam.

Und sonst, besser die Klappe halten, um die Karriere nicht zu gefährden?

Frauen müssen sich schon wehren, aber ohne gleich in den Kampfmodus zu gehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Humor beiden Seiten hilft, das Gesicht zu wahren.

Sie sassen in mehreren Verwaltungsräten, wie haben Sie es geschafft, sich dort durchzusetzen?

Indem ich beobachtet und nachgemacht habe. Das beginnt bei der gestelzten Ansprache: «Liebe Kolleginnen und Kollegen . . .», bis zu Phrasen, wie: «Das muss ins Protokoll». Und mit Hartnäckigkeit, auch das etwas, was vielen Frauen nicht besonders liegt.

Sie sind noch keine 40 Jahre alt, haben zwei kleine Kinder, eine eigene Werbeagentur. Wie viel arbeiten Sie, die früher 100-Stunden-Wochen schob, heute?

Ich habe meine Arbeitsstunden nie gezählt. Die Kinder sind aber jetzt gerade meine erste Priorität. Ich mache nur noch Projekte, die mich wirklich interessieren. Und ich bin immer zum Znacht zu Hause.

Regula Bührer Fecker #Frauenarbeit. Tipps und Tricks für junge Berufsfrauen, NZZ Libro 2017, 160 S., Fr. 30.–

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