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Kantonsrat kritisiert: Festspiele verschandeln den St.Galler Klosterplatz

Die Bauten für die St.Galler Festspiele würden Touristen abschrecken und den Klosterplatz verschandeln, schreibt SVP-Kantonsrat Erwin Böhi in einem politischen Vorstoss. Der Tourismusdirektor ist anderer Meinung.
Roger Berhalter
Vor historischer Kulisse: Die diesjährigen Festspiele vor dem St.Galler Dom. (Bild: Urs Bucher)

Vor historischer Kulisse: Die diesjährigen Festspiele vor dem St.Galler Dom. (Bild: Urs Bucher)

Jeden Sommer gehen auf dem Klosterplatz die St.Galler Festspiele über die Bühne. Dieses Jahr wurde schon zum 13. Mal eine Bühne samt Zuschauertribüne auf- und abgebaut sowie anschliessend der Rasen abgesperrt und erneuert. «Während rund zwei Monaten war der Klosterplatz für die Öffentlichkeit teilweise nicht zugänglich», schreibt SVP-Kantonsrat Erwin Böhi in einer Einfachen Anfrage.

Erwin Böhi, Kantonsrat SVP

Erwin Böhi, Kantonsrat SVP

Böhi kritisiert diese Festspiel-Logistik und betont deren negative Folgen für den Tourismus. Es sei einem nachhaltigen Tourismus abträglich, «wenn der Stiftsbezirk während der sommerlichen Hauptbesuchszeit durch Bauten für eine kommerzielle Veranstaltung verunstaltet wird». Viele auswärtige Besucher seien enttäuscht, wenn sie im Stiftsbezirk auf eine Stahlkonstruktion sowie «Plastikwände und kitschige Holzkulissen» stossen würden. «Ich habe nichts gegen die Festspiele», präzisiert Böhi auf Anfrage. Der Standort aber sei völlig unpassend, die Bühnenkonstruktion verschandele den Klosterplatz, und es gäbe bestimmt «geeignetere Standorte».

Vom Hochzeitsapéro bis zum Fotoshooting

Neben den Festspielen finden auf dem Klosterplatz viele weitere Veranstaltungen statt. Die Staatskanzlei ist dafür zuständig, sie zu bewilligen, basierend auf einer eigenen kantonalen Verordnung. «Wir haben sehr viele verschiedene Anfragen», sagt Erwin Schweizer von den Zentralen Diensten der Staatskanzlei. Er zählt einige aktuelle Beispiele auf: Das Kunstwerk «Das Buch» wurde vorübergehend auf dem Klosterplatz aufgestellt, am «Aufgetischt»-Festival balancierten Artisten auf dem Platz, das Armeespiel gab ein Konzert, das Kantonsgericht veranstaltete einen Tag der Offenen Tür, eine Automarke machte Werbefotos, es gab diverse Hochzeitsapéros, und auch für den Christbaum ist jeweils eine Bewilligung nötig.

Ein künstlerischer und ökonomischer Motor

Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee-Tourismus, zeigt sich über den neusten Vorstoss im Kantonsrat überrascht. Die Festspiele seien einem nachhaltigen Tourismus nicht abträglich, im Gegenteil: «Sie sind sowohl ein künstlerischer, als auch ökonomischer Motor für die Stadt.» Kirchhofer ist überzeugt, dass die Festspiele unterm Strich eine positive Wertschöpfung zur Folge hätten. «Wir wissen von keinen enttäuschten Stiftsbezirk-Besuchern.»

Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee-Tourismus

Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee-Tourismus

Der Tourismusdirektor sieht aber auch Verbesserungspotenzial. Einerseits könnte St.Gallen-Bodensee-Tourismus noch mehr tun, um die Festspiele über die Region hinaus bekannter zu machen und besser zu verkaufen. Anderseits gebe es noch Möglichkeiten, den «Fremdkörper Festspielbühne» anders zu inszenieren und optisch besser in die Umgebung einzufügen.

Ein Weihnachtsmarkt wäre zu geschäftig

Schon vor zehn Jahren wurde über die kommerzielle Nutzung des Klosterplatzes hitzig diskutiert, nachdem die Initianten des Weihnachtsmarktes eine Abfuhr erhalten hatten. Schon damals gab es eine Einfache Anfrage zum Thema: Albert Nufer (Grünliberale) fragte die Regierung, weshalb ein Weihnachtsmarkt nicht bewilligt werde, die Festspiele aber weiterhin stattfänden. Damals setzte sich die Regierung für die Festspiele ein. Die mit einem Weihnachtsmarkt verbundene «kommerzielle Geschäftigkeit vor den Kirchentüren» hingegen seien «mit der sakralen Tradition im Advent nicht vereinbar».

Bewilligungen: Was erlaubt ist, bestimmen viele

Will ein Veranstalter einen Anlass auf dem Klosterplatz durchführen, muss er sich bei der Staatskanzlei des Kantons melden. Diese ist zuständig für eine entsprechende Bewilligung, befindet darüber aber nicht alleine. Weil es rund um den Klosterplatz viele verschiedene Ansprüche gibt, reden bei dessen Nutzung auch viele verschiedene Stellen mit. Bei länger dauernden Events wie den Festspielen fällt die Regierung den abschliessenden Entscheid – nach Anhörung des Administrationsrats des katholischen Konfessionsteils, des Bischofs, des Kirchenverwaltungsrats der katholischen Kirchgemeinde und des Stadtrats. Bei Anlässen, die stunden- oder tageweise dauern, holt die Staatskanzlei die Meinung des Vereins Weltkulturerbe Stiftsbezirk ein. In diesem Verein sind alle Anspruchsgruppen rund um den Stiftsbezirk vertreten: Die Stadt, der Kanton, der katholische Konfessionsteil des Kantons, das Bistum sowie St.Gallen-Bodensee Tourismus. «So ist gewährleistet, dass alle Betroffenen eingebunden sind», sagt Erwin Schweizer von den Zentralen Diensten der Staatskanzlei. Gleichzeitig gebe es nach aussen nur eine Ansprechperson für die Veranstalter. «Dieses Vorgehen hat sich bewährt.»

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