Kanadas Provinz ist mörderisch

Am Fernsehen

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Eine genervte Coiffeuse mit elektronischer Fussfessel, ein geheimnisvoller Indianer mit einer toten Krähe auf dem Kopf und ein verliebter Metzger: Die kanadische Serie «Unerwünscht» könnte skurril sein – doch der Schein trügt. Der Zehnteiler, der von einer Rachegeschichte in der Waldeinöde Kanadas erzählt, von gewalttätigen Ehemännern und indigenen Stämmen, die um ihr Land betrogen wurden, ist mysteriös, blutig und spannend. Arte zeigt die Serie jeweils mit mehreren Episoden am Stück.

Schon der Name des Provinznestes ist eine Warnung: Das einsame, eigenartige Dorf in den Wäldern heisst Fatale-Station. Die Ankunft der Mittvierzigerin Sarah (Macha Limonchik) erregt Aufsehen; rasch ahnen die verschrobenen Bewohner, dass sie sich vor jemandem versteckt. Es ist aber nicht die Polizei, wie sie annehmen, sondern Sarahs gewalttätiger Mann. Die sanft wirkende Frau will sich im Ort niederlassen, doch dagegen hat die finstere Matriarchin Jean O’Gallagher (Micheline Lanctot) etwas. Sie herrscht rigoros über die Gemeinde, in der ihr so gut wie alles gehört. Doch Sarah lässt sich nicht abwimmeln. Um die trügerische Ruhe ist es geschehen.

Der frankokanadische Regisseur Rafael Ouellet baut in der ersten Folge von «Unerwünscht» einen Kosmos von Rätseln, Ahnungen und schaurigen Vorzeichen auf. In den weiteren Folgen entwickelt sich daraus eine handfeste weltliche Geschichte, in der dunkle Familiengeheimnisse und der Protest der amerikanischen Ureinwohner gegen die Missachtung ihrer Rechte eine Rolle spielen. Die Hauptfigur der Serie ist zwar Sarah, doch faszinierender ist ihre Gegenspielerin Jean: Die 70-jährige Micheline Lanctot hat eine Aura, der man sich so wenig entziehen kann wie die Bewohner von Fatale-Station.

Cornelia Wystrichowski

Unerwünscht. Jeweils donnerstags, ab 28.9., 20.15 Uhr, Arte