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Kafka überlebte

Lesbar Literatur

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Julia Kissina (Hrsg.) Revolution Noir. Autoren der russischen «Neuen Welle». Suhrkamp, 300 S., Fr. 34.50.

Wie hätte Franz Kafka gelebt, wäre er nicht so früh gestorben? Als alter Mann, verheiratet und mit Kind, hätte er sein Beamtenleben weitergeführt bis, na ja, auch hier die Irritation ins Leben eingefallen wäre. Waleri Nugatow schreibt in «Das Leben Franz Kafkas» eine unvergessliche Geschichte um den alten Frantisek, der sich selber beim Lesen aus seinem letzten, nie ­geschriebenen Roman zuschaut. Nugatow ist nur einer von mehreren Autoren, die Julia Kissina zu Wort kommen lässt. Diese junge Avantgarde vertritt eine neue Welle vor dem Hintergrund des Zerfalls der Sowjetunion, die nichts mehr gemein hat mit dem sowjetischen Realismus oder gar mit dem Klischee der «russischen Seele». Traum und Wahn, Wunder und Rätselhaftes verwandeln den Alltag. Vorbilder wie Nikolai Gogol und Daniil Charms sind erkennbar. Diese Geschichten sind paradox, erotisch, unheimlich. Die Herausgeberin Julia Kissina, selber Autorin von zwei bemerkenswerten Romanen, wurde in Kiew geboren, lebt in New York und Berlin. Ihre «Revolution Noir» zeigt, wie nah an Europa die russischen Autoren heute denken.

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Mathias Mehegoz Karpathia. Roman. Frankfurter Verlagsanstalt, 620 S., Fr. 38.-

Dracula ist nicht tot

Das Cover von «Karpathia» erinnert an Graf Dracula: Ein Schloss in den Karpaten, umflort von Nebel. Der 1968 geborene Franzose Mathias Mehegoz ist inspiriert vom Vampirmythos. Manch Ungutes geschah unter den un­garischen Herren zur Zeit der Habsburgermonarchie, als Siebenbürgen zu Österreich-Ungarn gehörte und die Rumänen von den ungarischen Herren als Leibeigene gehalten wurden. Menegoz, der ausführlich auf den Spuren seiner ungarischen Vorfahren recherchierte, erzählt seine Geschichte am Beispiel des Grafen Alexander Korvanyi, der nach der Heirat auf die geerbten Land­güter am Rande der Habsburgermonarchie zieht. Dort ist er unter den Rumänen wenig willkommen. Österreich-Ungarn hatte Probleme mit der ethnischen Vielfalt an seiner Peripherie. Der 600-seitige Roman, der in einigen Passagen kenntnisreich belehrend wirkt, entwickelt einen Sog hinein in eine Welt von gestern, die in manchen Passagen ungeheuer gegenwärtig wirkt.

Erika Achermann

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