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Käfigland – ein Schweizer Politthriller aus Wil

Danielle Baumgartner hat einen packenden, an politischen Entwicklungen der Schweiz orientierten Krimi geschrieben. Die Autorin lebt in Wil, ist Personalmanagerin und bekommt viel Lob.
Irene Widmer/sda
Danielle Baumgartner: Käfigland. Ein Schweizer Politthriller, Knapp, Olten 2016, 345 S., Fr. 29.80

Danielle Baumgartner: Käfigland. Ein Schweizer Politthriller, Knapp, Olten 2016, 345 S., Fr. 29.80

Der bisher wohl beste Schweizer Krimi des Jahres kommt aus einer unerwarteten Ecke: «Käfigland» der als Belletristikautorin weitgehend unbekannten Danielle Baumgartner beschreibt die Schweiz im Jahr 2021. Der Untertitel «Politthriller» verspricht nicht zu viel. «Politik ist langweilig? Das Werk von Danielle beweist das Gegenteil. Packend! Realistisch! Politisch! Und hochspannend bis zum Schluss», schwärmt laut Verlag der SVP-Nationalrat und Auns-Präsident Lukas Reimann von dem Buch. Baumgartner und Reimann wohnen beide in Wil.

Aber ein realistischer Krimi? Im Ernst? Weiss Herr Reimann mehr als wir? In «Käfigland» hat nämlich ein reicher Industrieller der Gattung «Die Schweiz den Schweizern» eine Geheimorganisation aufgebaut, deren Methoden dem KGB zur Ehre gereicht hätten. Dieser Heinrich Tüllinger hat in allen massgeblichen Behörden und Organisationen gesinnungstreue Gefolgsleute postiert, die nicht nur spionieren, sondern nach Belieben die Verwaltungsvorgänge manipulieren. Beispielsweise schönen sie offizielle Statistiken, damit die Regierung – kein Bundesrat mehr, sondern eine Rechtskoalition – gut dasteht.

Sieht so die Zukunft der politischen Schweiz aus?

Für die Überwachung von Entscheidungsträgern gibt es ebenso Geheimzellen wie für die Aufwiegelung der Bevölkerung. Eine umfangreiche Datenbank listet zudem «Verfehlungen» auf, von sexuellen Vorlieben bis zu Fahren im angetrunkenen Zustand – genug, um praktisch jede unliebsame öffentliche Person zu erpressen. Davon weiss die Protagonistin Patricia Niederbaum, Parteipräsidentin der Sozialdemokraten, zu Beginn freilich noch nichts. Ihre Aufgabe ist es, das erste Misstrauensvotum gegen eine Schweizer Regierung zu lancieren. Denn unter dem Ministerpräsidenten Sebastian Bracher ist innert drei Jahren so ziemlich alles durchgesetzt worden, was dem sozialen Gedanken widerspricht: Bei Ausschaffungen wird nicht lang gefackelt, Sozialleistungen wurden minimiert.

Die Regierung Bracher verschafft sich nach dem Misstrauensantrag etwas Luft, indem sie Neuwahlen in sechs Wochen ansetzt. Der Countdown läuft. Unter der Leitung der grauen Eminenz Heinrich Tüllinger wird die Linke Patricia Niederbaum systematisch diskreditiert. Aber unerwartet kommt ihr ein junger Mathematiker zu Hilfe, ein IT-Crack. Der Spiess kann umgedreht werden. Aber reicht es, um die Rechtskoalition zu entmachten?

Tüllinger kommt uns sehr bekannt vor

«Käfigland» liest sich, als hätte die Autorin nie etwas anderes gemacht als Politthriller zu verfassen. Ihre Studien in Betriebswirtschaft und Staatswissenschaft bilden ein solides Fundament, das aber der Verständlichkeit nie im Wege steht. Die Figuren sind lebensecht, keine ist rein weiss oder rein schwarz. Und im Plot ergibt sich eins aus dem andern, kein Faden bleibt unvernäht. Das Buch ist geprägt von einer unverknorzten Leichtigkeit, die man in der Schweizer Literatur allzu oft vermisst.

Baumgartner umschifft auch locker die Klippen des Schlüsselromans: Natürlich kommt uns Heinrich Tüllinger bekannt vor, aber letztlich bleibt er Fiktion. Der Roman gefällt nicht nur Lukas Reimann. Auch die ehemalige grüne Nationalrätin Cécile Bühlmann schreibt, der Roman zeige auf packende Art, «wie durchtriebene Politiker durch Manipulation und die systematische Überwachung und Erpressung Andersdenkender die Schweiz fast in den Abgrund stürzen.» Und der Autor Bänz Friedli lobt: «Mit präzisem Blick fabuliert sie ein wahres Buch über den Zustand dieser Gesellschaft.»

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