Interview
Kabarettistin Hazel Brugger: «Die Deutschen haben in mir eine Person mehr, mit der sie die Schweiz assoziieren»

Stand-up-Comedian Hazel Brugger, bekannt aus der «heute-show»
im ZDF, spricht über Weihnachten im Hotel, Tabuthemen auf der Bühne und die Ostschweizer.

Desirée Müller
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Hazel Brugger tourt ab Januar mit ihrem Comedyprogramm durch die Ostschweiz.

Hazel Brugger tourt ab Januar mit ihrem Comedyprogramm durch die Ostschweiz.

Urs Bucher

Sie geben angeblich nicht gerne Interviews, weil man Ihnen immer die gleichen Fragen stellt. Welche würden Sie denn gerne mal hören?

Hazel Brugger: Wie geht es dir Hazel? Das hat mich bisher noch kein Journalist gefragt.

Und, wie geht es Ihnen?

Gut, danke der Nachfrage. Ich bin nur etwas müde.

Vom Weihnachtsstress?

Nein, nein. Dieses Jahr feiere ich keine Weihnachten.

«Ich habe mir ein schönes Hotelzimmer gebucht und verbringe Heiligabend ganz gemütlich alleine. »

Klingt irgendwie traurig.

Nicht für mich. Manchmal brauchen wir Bruggers eine Auszeit voneinander. Wir lieben uns, aber irgendwann ist’s jeweils genug. Dazu haben wir diese Tage meinen Geburtstag und den meines Bruders zusammen gefeiert. Das reicht für eine Weile.

Ihr Vater ist Neuropsychologe. Hat er schon mal Ihr Gehirn untersucht?

Jesses, nein. Sollte er mich jemals fragen, ob er mich in eine Röhre stecken darf, um die Aktivität meines Humorzentrums zu testen, werde ich es ihm schön ausreden. Schlimmstenfalls entdeckt mein Vater noch einen Hirntumor bei mir. Ich denke, Humor kann man sowieso nicht messen. Entweder findet man etwas oder jemanden lustig, oder nicht.

Sie gehören in Deutschland laut dem «Forbes»-Magazin zu den 30 einflussreichsten Menschen unter 30. Wie beeinflussen Sie uns denn so?

Sie habe ich heute insofern beeinflusst, dass Sie sich an einem Dienstagabend in einer Hotellobby mit mir treffen und diese unsägliche Weihnachtsmusik ertragen. Aber generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Deutschen mit mir eine Person mehr haben, mit der sie die Schweiz assoziieren.

Finden Sie die Auszeichnung gerechtfertigt?

Eigentlich nicht. Es gibt viele Menschen, die viel mehr Einfluss haben. Einfach nicht auf eine so plakative Art und Weise wie ich. Es gibt sicher irgendeine Person, die etwas super Wichtiges erfunden hat, sie aber niemand kennt. Aber ich bin jetzt schon nicht wie Kim Kardashian, die einfach berühmt ist, weil sie berühmt ist. Ein bisschen was tu ich schon dafür.

Sie haben Ihr Studium abgebrochen. Haben Sie es je bereut und was meinten Ihre Eltern zu dem Entscheid?

Die 26-jährige Hazel Brugger ist seit 4 Jahren Vollzeit als Kabarettistin beschäftigt .

Die 26-jährige Hazel Brugger ist seit 4 Jahren Vollzeit als Kabarettistin beschäftigt .

Urs Bucher

Ich war schon 22, als ich mich entschieden habe, voll auf meine Karriere als Kabarettistin zu setzen. Keine 17 mehr. Dazu durfte ich schnell Erfolge feiern. Da wären sie schön blöd gewesen, wenn sie mir das hätten ausreden wollen. Ohnehin könnte ich immer noch studieren.

Sie lernen als Aussenreporterin der «heute-show» im ZDF viele Persönlichkeiten kennen. Mit welchem Prominenten würden Sie gerne Kaffeetrinken?

Mit dem amerikanischen Komiker Conan O’Brien. Wenn Sie mir ein Treffen mit ihm verschaffen, feiere ich nächstes Jahr Weihnachten mit Ihnen.

Sie werden in den Medien als «kaltblütige Satirikerin» und «böseste Frau der Schweiz» betitelt. Gibt es bei Ihnen ein Tabuthema auf der Bühne?

«Ich würde mich nie über Menschen lustig machen, die es nicht verdienen, respektive nichts falsch gemacht haben.»

Ok, gewisse deutsche Parteien, über die ich spreche, sind überzeugt, dass sie alles richtig machen. Aber allen recht machen, kann man es sowieso nie.

Sie haben 132'000 Follower auf Twitter. Sie folgen gerade mal 28 Personen. Gibt es so wenig spannende Menschen?

Es gibt sogar sehr, sehr viele interessante Menschen auf der Welt. Aber je mehr Menschen man auf Twitter folgt, desto mehr Zeit benötigt man auf der Plattform. Ich nutze die sozialen Medien als Produzentin, nicht als Konsumentin. Ausser Youtube, dort schaue ich mir gerne Kochvideos und Filmzusammen­fassungen an. Eine gute Art, um das Gehirn auszuschalten und trotzdem noch ein bisschen was mitzunehmen.

Ab dem 23. Januar touren Sie durch die Ostschweiz. Freuen Sie sich?

Sehr sogar! Ich finde vor allem St.Gallen eine unglaublich tolle Stadt. Nicht so versnobt wie Zürich, mit einer coolen alternativen Szene.

«Das Ostschweizer Publikum macht dazu immer schön mit. Nicht wie die Berner.»

Was ist mit den Bernern?

Am Ende des Programms kann mir das Publikum Fragen stellen. Beim Auftritt in Bern war es totenstill im Saal. Niemand hat was gesagt. Aber wissen Sie was? Am nächsten Tag haben sie mir ihre Fragen per E-Mail geschickt. (lacht). Da erwarte ich mehr Einsatz von den Ostschweizern.

Zur Person

Seit 2011 steht Hazel Brugger als Stand-up-Comedian und Moderatorin auf der Bühne und vor der Kamera. Ab Januar tourt sie mit ihrem Soloprogramm «Tropical» durch die Ostschweiz.

23.1. / 24.1 Wil
25.1. St. Gallen
19.2. Frauenfeld
20.2. Weinfelden
21.2. Herisau

www.hazelbrugger.com
www.dominoevents.ch

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