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KABARETT: Sgt. Pepper singt schweizerdeutsch

Vor 50 Jahren haben die Beatles mit dem Sgt.-Pepper-Album Musikgeschichte geschrieben. Nun gibt es eine herzerfrischende Bühnenfassung in Schweizer Mundart.
Markus Ganz

Es ist kühn, gar tollkühn, das Beatles-Album «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band» auf die Bühne zu bringen. Das legendäre Werk von 1967 entstand, nachdem die Beatles beschlossen hatten, keine Konzerte mehr zu geben. Es wurde nicht zuletzt zum wegweisenden Konzeptalbum, weil die Studiotechnik kreativ genutzt wurde, um «little movies in sound» zu schaffen (so ihr Produzent George Martin). Wie also soll man ein in langwieriger Detailarbeit entstandenes Album auf der Bühne umsetzen, von dem die Mehrheit des Publikums genau weiss, wie es tönen muss?

«Sgt. Pepper – ein Mundart-Abend» macht schnell klar, dass Roman Riklin und Daniel Schaub (Idee und Konzept) das Problem erkannt und eine bestechende Lösung gefunden haben: das Album muss markant anders interpretiert und in ein anderes Umfeld gestellt werden.

Das Album sprachlich und geografisch neu verortet

Die beiden Liedermacher, die man vom Kleinkunst-Trio Heinz de Specht her kennt, spielen die Songs zusammen mit Adrian Stern und Frölein Da Capo ohne psychedelischen Firlefanz, zuweilen fast schon kammermusikalisch reduziert, oft mit Instrumenten wie Cello, Ukulele und Flöte. Die schlichte und doch mitreissende Umsetzung beweist nicht zuletzt, dass diese Songs auch ohne die originalen Studioeffekte grossartig wirken und die Beatles damit keineswegs den Rock ’n’ Roll zerstört haben.

Wichtiger noch für das Gelingen des Abends ist, dass Riklin und Schaub das Album sprachlich und geografisch neu verortet haben. Sie haben die Texte mit viel Sprach- und Musikgefühl, aber auch mit Charme und Witz ins Schweizerdeutsche übertragen: Da fährt «Lucy mit dä Glitzer­schtei» mit dem 4er-Tram am Zürcher Central-Platz vorbei. Köstlich wird es oft dort, wo sie weitergehende Bezüge zur Schweiz geschaffen haben, etwa in «When I’m Sixty-Four» zum hiesigen Rentensystem. Am stärksten kommen der kabarettistische Ansatz und der Schweizer Bezug bei einigen ergänzenden Songs zum Ausdruck, welche die Musiker eigens für das Programm geschrieben haben. Da wird etwa die alte Glaubensfrage, ob man die Beatles oder die Rolling Stones verehrt, zum Lebensdilemma, ob man im Migros oder im Coop einkaufen soll.

Mit viel Freude bei der Sache

Zur Unterhaltung trägt auch François «FM» Mürner viel bei, der legendäre Radiomoderator, der via Videoeinspielungen als fantasiebegabter Zeitzeuge der Flower-Power-Jahre fungiert. Man spürt stets die Freude, welche die Protagonisten bei der Ausarbeitung des Stücks hatten – und auch bei der Liveumsetzung haben.

Markus Ganz

Mi, 1., bis Sa, 4.11., 20 Uhr, Kellerbühne St. Gallen

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