Junge Kreative im Vakuum

Heute wird das «Vakuum Magazin» lanciert. Joel Roth und Nico Kast wollen damit jungen Ostschweizer Illustratoren, Grafikern und Künstlern eine Plattform für die Präsentation ihrer Werke geben und sie besser untereinander vernetzen.

Christina Genova
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Nico Kast und Joel Roth freuen sich über das frischgedruckte «Vakuum Magazin». (Bild: Andrea Stalder)

Nico Kast und Joel Roth freuen sich über das frischgedruckte «Vakuum Magazin». (Bild: Andrea Stalder)

ST. GALLEN. Es geht um Sex. Mehr oder weniger explizit. Das kommt 19- bis 28jährigen Kreativen in den Sinn, wenn man sie um einen Beitrag zum Thema «Lust» bittet. «Wir haben zwar gedacht, dass sie das Thema etwas weiter fassen», sagt Joel Roth, der gemeinsam mit Nico Kast das «Vakuum Magazin» ins Leben gerufen hat. Acht junge Leute präsentieren darin ihre Arbeiten. Zum Konzept des Magazins gehört der Bezug zur Ostschweiz. Ausgewählt haben Joel Roth und Nico Kast Gestalter aus ihrem Bekanntenkreis. In Zukunft möchten die beiden aber den Kreis öffnen: «Alle, die Lust haben, dürfen mitmachen.» Die Vielfalt im Magazin ist gross: Der Grafiker Boris Stoll hat ein anthropomorphes Gebilde aus transformierten und ineinander gewundenen Geschlechtsteilen gestaltet.

Mindaugas Matulis, mit 19 Jahren der jüngste Gestalter, hat einen surrealen Darkroom gezeichnet, der Grafiker Luca van Grinsven vier neugierige Händchen. Pascal Sender, der an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert hat, steuert eine digitale Zeichnung bei. Vom Grafiker und Künstler Adrian Rast stammt eine rätselhafte Bildergeschichte, und Dario Forlin hat drei Nackedeis auf Liegebetten gezeichnet, die sich sinnlichen Genüssen hingeben. Von Hannah Raschle schliesslich stammen schwimmende Brüste.

Minimuseum aus Papier

Das «Vakuum Magazin» ist ein zweifarbiger Offsetdruck; es erscheint in einer limitierten Auflage von 250 Exemplaren. Es erstaunt, dass die «Digital Natives» Joel Roth und Nico Kast auf gedrucktes Papier setzen: «Online-Magazine gibt es so viele. Ein gedrucktes Produkt schien uns auch aus haptischen Gründen das beste Medium für unser Projekt», lautet Nico Kasts Begründung. Jedes einzelne «Vakuum Magazin» haben die beiden Herausgeber von Hand geschnitten und gefalzt. Mit ein paar geschickten Handgriffen lässt es sich sternförmig falten und ergibt aufgestellt ein Minimuseum mit sechs «Wänden».

Die Rückseite des Magazins ist ein Poster, gestaltet wurde es von Roman Karrer und Veronica L. Montaño. Die Luzernerin ist die einzige auswärtige Gestalterin. Joel Roth und Nico Kast, 24 und 26 Jahre alt, haben zusammen bereits andere Kunstprojekte organisiert. 2013 und 2014 bespielten sie in St. Gallen gemeinsam mit jungen Kunstschaffenden zwei Abbruchhäuser, den Unraum 52 und den Unraum 17. Mit drei anderen Gestaltern betreiben sie an der Teufenerstrasse das Atelier 3000. Joel Roth ist Grafiker und Illustrator, Nico Kast hat Animation studiert.

Kein Mut für Illustrationen

Joel Roth und Nico Kast haben das «Vakuum Magazin» auch aus der Not heraus lanciert: «Leider gibt es für unter Dreissigjährige nicht viele Möglichkeiten, auszustellen», sagt Joel Roth. Er beklagt, dass im Gegensatz zu anderen Städten Illustration im öffentlichen Raum kaum präsent sei. Dies habe zum einen damit zu tun, dass es in St. Gallen keine Kunsthochschule gebe. Zum andern herrsche bei vielen Auftraggebern die Devise: «Hauptsache schlicht».

Die beiden jungen Herausgeber haben seit letztem Oktober viel Zeit in ihr Projekt investiert. Dank der finanziellen Unterstützung der Fachstelle für Kultur der Stadt St. Gallen und des Amtes für Kultur des Kantons sind zumindest die Produktionskosten gedeckt. Alle weiteren Einnahmen gehen an die Künstler. Die Zukunft des Magazins sieht Joel Roth pragmatisch: «Wenn das Heft gut ankommt, gibt es ein zweites.»

Launch heute Freitag, 18 Uhr, Teufenerstrasse 65, St. Gallen. Magazin erhältlich bei Buchhandlung Comedia, St. Gallen oder über www.vakuummagazin.ch

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