Jung und kreativ im Kollektiv

Regina Grüter
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Bunt, erotisch, lustig: der animierte Kurzfilm «Ivan&Need» (Bild: PD)

Bunt, erotisch, lustig: der animierte Kurzfilm «Ivan&Need» (Bild: PD)

Filmpreis Die sexuelle Revolution ist noch nicht bei ihnen ange­kommen, bei diesen drei Dorf-­Frauen. Der Kampf fürs Frauenstimmrecht führt sie indes in die Stadt, wo sie zum ersten Mal einen Blick auf ihre Vagina werfen. Ivan schlüpft gleich ganz hinein in diese warmen und weichen Gefilde.

Der Spielfilm «Die göttliche Ordnung» und der kurze Animationsfilm «Ivan’s Need» haben also doch mehr gemein als ihre Chancen auf einen Schweizer Filmpreis, der morgen verliehen wird. Auffällig am Jubiläumsjahrgang ist die hohe Frauenbeteiligung, die auch schon an den diesjährigen Solothurner Filmtagen ein Thema war. Unter den zehn für den Prix de Soleure Nominierten waren sechs Regisseurinnen, gewonnen hat Petra Volpe mit «Die göttliche Ordnung». In ihrer Eröffnungsrede verwies Bundesrätin Simonetta Sommaruga auf den Umstand, dass Lohn- und Chancengleichheit auch in der Filmbranche keine Selbstverständlichkeit sind: Fast die Hälfte der Studierenden an den Filmschulen seinen Frauen, aber nicht einmal ein Viertel aller Subventionen gingen an Filme von Frauen. Dass die Tragikomödie gleich mit sieben Nominationen ins Rennen um den Schweizer Filmpreis geht, könnte man fast als Zeichen deuten.

Sinnbild ihrer Generation

«Ivan’s Need», eben mit einem Innerschweizer Filmpreis ausgezeichnet, ist neben «Hypertrain» von Fela Bellotto und Etienne Kompis und «Digital Immi­grants» von Norbert Kottmann und Dennis Stauffer in der Kategorie «Bester Abschlussfilm» nominiert. Die Macher des Luzerner Animationsfilms über den kindlichen Ivan, der sich in Brüsten so lang wie Rapunzels Haar vergräbt, beschreiben ihr Werk als bunt, erotisch und lustig. Und das ist er auch. Lustig und warm und liebevoll. Ob Frauen ein Thema anders angehen würden, haben wir sie gefragt und merken schnell, die jungen Filmemacher denken nicht in Geschlechterrollen und Geschlechterklischees. Sie hätten einfach versucht, Humor und Sexualität zusammenzubringen, meinen die Luzernerin Veronica L. Montaño (26) und Manuela Leuenberger (28) und wundern sich, dass ihnen diese Frage schon so oft gestellt wurde. Lukas Suter (31), der Mann im Dreiergespann, ergänzt: «Es gibt Leute, die meinen, hinter dem Film stecke eine Frau, andere ­sehen dahinter einen Mann.»

Wie es sich im Internet anfühlt

Wie «Ivan’s Need» entstand «Hypertrain» als Abschlussarbeit des Animationsfilmstudiengangs an der Hochschule Luzern – Design & Kunst. Der Film beschreibe auf poetisch-metaphorische Art, wie es sich für jemanden ihrer Generation anfühle, durchs Internet zu surfen, sagt die 27-jährige Aargauerin Fela Bellotto. Die Hauptfigur Vini springt darin auf verschiedene Züge auf und ab und bleibt auch mal sitzen. Begegnet einer Katze und sich selbst in klein auf dem Tier, das sich wie ein Akkordeon strecken und zusammenziehen kann und dabei selbst zum Fortbewegungsmittel wird. Gemeinsam überwinden sie Zeit und Raum.

Die Filme zeugen vom Selbstbewusstsein einer jungen Generation von Filmemachern, die im Kollektiv arbeiten und wo allfällige Unterschiede zwischen Frau und Mann nicht zu Differenzen führen, sondern kreativ genutzt werden.

Regina Grüter

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@tagblatt.ch