Jung, blutig und für immer: Das Festival Jungspund kommt wieder nach St. Gallen

Zwei Jahre nach dem erfolgreichen Start gibt es Ende Februar die zweite Auflage des Kinder- und Jugendtheaterfestivals Jungspund in der Lokremise und im Figurentheater St.Gallen.

Bettina Kugler
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Ein Freudensprung für junge Zuschauer: Henne Ida vom Theater Bagat Chur – eines von elf Stücken des Festivals.

Ein Freudensprung für junge Zuschauer: Henne Ida vom Theater Bagat Chur – eines von elf Stücken des Festivals.

Bild: Nelly Rodriguez/PD

Das Theater verjüngt sich: Gerade erst hat Prima, das internationale Festival für die Jüngsten, in sechs Deutschschweizer Städten das Bühnenlicht gelöscht, da kündigt sich bereits Jungspund an. Für Prima war es eine Premiere; Jungspund hat schon ein wenig Lebenserfahrung. Nach dem Einstand 2018 lockt das zehntägige Festival nun zum zweiten Mal junge Zuschauer in die Lokremise und ins Figurentheater St.Gallen: Kinder ab fünf, Jugendliche und alle, die jung bleiben wollen. «Forever» wird es denn auch zum Auftakt heissen: Im Tanzstück der Baslerin Tabea Martin geht es um Leben und Tod, Unsterblichkeit und Vergänglichkeit. Ab acht Jahren ist das Stück, es verspricht Witz und Poesie, aber auch Blut: Lebenssaft, ohne den Theater blass und fad wäre.

«Zur Eröffnung braucht es ein Spektakel, ein grösser besetztes Stück», sagt Festivalleiterin Gabi Bernetta. Sie freut sich, dass es aus der Sparte Tanz kommt – auf Formenvielfalt legt das Festival Wert. Gabi Bernetta kennt aber auch die Vorbehalte. «Was, da wird nicht gesprochen? Das ist nichts für uns…», so reagieren Schulen oft, wenn sie die Produktionen des Festivals vorstellt. Solche Ängste will Jungspund dem Publikum nehmen, mit dem Programm möglichst in die Breite gehen.

Stücke für alle, Plattform für die Kindertheaterszene

Gelungen ist das schon 2018: Da war das Stück «Hocus Pocus» der Compagnie Philippe Saire zu sehen – und stiess auf Begeisterung. Seither ist «Hocus Pocus» äusserst gefragt: Bis 2021 sind Gastspiele der Produktion bereits gebucht. Überhaupt war das Festival aus dem Stand ein Erfolg. Mit etwa 2500 Besuchern erreichte es eine Auslastung von rund 80 Prozent. Jungspund ist aber mehr als eine Art Theatertreffen für U20-Stücke. Der Wunsch nach einer gemeinsamen Plattform war in der Szene schon länger vorhanden – umso mehr, als sich in den letzten Jahren viele Häuser aus dem Bereich Kinder- und Jugendtheater zurückgezogen haben. Jungspund soll zeigen, wie bunt und qualitativ hochstehend Theater für Junge ist, gerade auch in der freien Szene. Darüber hinaus versteht sich das Festival als Forum zur Vernetzung.

Die Resonanz ist auf beiden Seiten gross. Viele Vorstellungen sind bereits gut gebucht, die Schulen ziehen mit, zu einigen Stücken gibt es vor der Vorstellung Einblicke in die Inszenierung. Sowohl für das Hauptprogramm als auch für das nicht kuratierte «Schaufenster», bei dem kurze Ausschnitte aus aktuellen Arbeiten gezeigt werden können, haben sich viele professionelle Ensembles beworben.

Drei Stücke feiern Premiere

Jungspund fokussiert auf die Schweizer Szene, erhofft sich jedoch internationale Ausstrahlung. Nachwuchsförderung ist Teil des Konzepts, aber auch etablierte Truppen wie das Junge Theater Basel und das Bieler Theater La Grenouille sind vertreten. Rund 45 Produktionen hat die Programmgruppe um Gabi Bernetta vorab visioniert und davon acht ausgewählt. Zudem werden drei Stücke am Festival Premiere feiern: Neben «Heureka! Wer hat’s erfunden», mit dem sich das Zürcher Theater Kolypan vorstellt, sind es zwei Produktionen aus St.Gallen. Das Figurentheater bringt «An der Arche um Acht» auf die Bühne, das Theater St.Gallen «Traum einer Sommernacht», frei nach Shakespeare (ab 14).

«Es ist keineswegs selbstverständlich, dass wir zehn Tage lang auf dem Höhepunkt der Spielzeit sowohl die Lokremise als auch das Figurentheater zur Verfügung haben», sagt Gabi Bernetta. Da reizt Jungspund das Spiel gerne aus. Wer mag, kann mitschreiben an der Festivalzeitung. Es gibt Raum für Begegnung, Diskussionen und Konzerte der Jungspundbänd. Nicht zu vergessen: den Scham-o-Mat, eine Kabine für Peinliches, aufgestellt vom Freien Musiktheater Zürich. Darin kann man vertraulich deponieren, was das Ego plagt – und einen Beitrag leisten zum daraus entstehenden Monolog «Schäm dich!». Mit dem Festival muss das dort Gebeichtete selbstverständlich nichts zu tun haben.

27.2.–7.3., Lokremise/Figurentheater St.Gallen. Programm, Tickets und weitere Informationen: jungspund.ch