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JUGENDWETTBEWERB: Klassik light ist nicht ihr Ding

Das Kammerorchester St. Gallen tritt am Wochenende in drei Konzerten mit jungen Solistinnen auf. Sophie Bright, Raffaela Fürer und Minna Schmid überzeugten im Herbst die Jury – und spielen nun erstmals zusammen mit einem Orchester.
Bettina Kugler
Zu Hause ist sie in Romanshorn, mit den Swing Kids hat sie die Welt bereist: Sophie Bright, Jahrgang 2004. (Bild: Andrea Stalder)

Zu Hause ist sie in Romanshorn, mit den Swing Kids hat sie die Welt bereist: Sophie Bright, Jahrgang 2004. (Bild: Andrea Stalder)

Bettina Kugler

bettina.kugler@tagblatt.ch

Keine Spur nervös wirkt Raffaela während der Probe im Musikzentrum der Klubschule, der ersten gemeinsam mit dem Orchester. Eine Stunde lang feilt Dirigent Mathias Kleiböhmer vor allem mit seinen Streichern: an der Klangbalance, der Lautstärke, am Duktus des heiteren Rondo-Satzes aus dem Harfenkonzert von Carl Ditters von Dittersdorf, ursprünglich für Cembalo als Soloinstrument komponiert – doch in der Bearbeitung für Harfe mindestens ebenso schön.

Freudig erzählend soll der Satz daherkommen: schliesslich wird er das Programm eröffnen. Locker aus dem Handgelenk möchte Kleiböhmer die Bratschen hören, «wie nach einem Wellnesswochenende». Aber «Wirbelsäule» soll es auch haben; mit solchen Bildern im Kopf musiziert es sich leichter. Raffaela Fürer, 16, ist gut vorbereitet auf ihren Solopart – was nicht be­deutet, dass sie locker zur Probe gekommen wäre. Wenn man es nicht merkt: umso besser. «Ich war schon einen Monat im voraus nervös», sagt sie.

Vorspiele sind sie gewohnt

Seit acht Jahren spielt die Schülerin aus Gossau Harfe; begonnen hat sie als Drittklässlerin, später erfolgreich am Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb teilgenommen. Dort wurde sie letztes Jahr auch auf den Jugendwett­bewerb des Kammerorchesters St. Gallen aufmerksam; sie bewarb sich für das Vorspiel im Herbst. Aus rund zwei Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmern wählte die vierköpfige Jury sie, die Geigerin Minna Schmid und die Posaunistin Sophie Bright aus. Dabei zählte nicht nur das technische Können, sondern auch die Ausstrahlung. «Da gibt es enorme Unterschiede», sagt Dirigent Mathias Kleiböhmer. «Man merkt es schon daran, wie jemand die Tür öffnet und hereinkommt. Manche stellen sich vor, geben jedem Jurymitglied die Hand, andere lassen sich von den Eltern das Notenpult aufstellen.» Wie unter Berufsmusikern gibt es Nachwuchstalente, die das Rampenlicht brauchen für Höchstleistungen – und andere, bei denen man im Konzert ein wenig abziehen muss. Raffaela hat Erfahrung mit der Situation, über Musikwettbewerbe hinaus. Sie singt im Jugendchor der Domsingschule und im Kinderchor des Theaters St. Gallen. Auditions hat sie schon etliche mitgemacht, Auftritte hatte sie reichlich. Doch als Solistin mit einem Orchester – das ist eine Premiere für sie. Die Probe jedenfalls läuft vielversprechend, auch in der zweiten Stunde.

Sophie spielt «verdammt schnell» und ausdauernd

Nach einem ersten Durchgang gibt es von den Orchestermusikern erst einmal Applaus für Posaunistin Sophie, 13. Sie ist mit Jazz aufgewachsen, war schon mit Dai Kimoto und den Swing Kids auf Tournee, und nicht nur in der Ostschweiz. Aber sie kann auch Klassik. Für den Jugendwettbewerb hat sie das Concertino für Posaune und Streichorchester op.45 des Schweden Lars-Erik Larsson ausgewählt; ein Stück, das sie fasziniert, weil jeder Satz, jedes Thema so anders im Charakter ist. Ihr Posaunenlehrer Fredi Sonderegger hat sie darauf gebracht – er ist auch zur Probe mitgekommen, er macht sich Notizen, die Partitur auf den Knien. Anders als Raffaela, die für ihren Satz mit dem Metronom geübt hat, kann sich Sophie mehr Freiheiten nehmen. Und sie legt ein rasantes Tempo hin. Kleiböhmer will sie nicht überstrapazieren. «Du musst sagen, was Du von der Kondition her schaffst.» Doch Sophie geht nicht so schnell die Luft aus.

Bereits zum zweiten Mal hat das Kammerorchester St. Gallen den Jugendwettbewerb ausgeschrieben. Ziel ist, jungen Talenten eine Plattform zu bieten, mit unverwässert klassischem Repertoire. «Wir machen bewusst nicht Popclassics, sondern in aller Ernsthaftigkeit klassische Musik. Unter Gleichaltrigen stossen die Jugendlichen damit oft auf wenig Verständnis», sagt Mathias Kleiböhmer. Die Profimusiker und Laien im Kammerorchester jedoch stecken sie spielend an.

Konzerte: 24.2., 19 Uhr, evang. Kirche Rehetobel, 25.2., 17 Uhr, Pfalzkeller St. Gallen.

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