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JUDAS: Macht erst der Verrat die Erlösung möglich?

Lot Vekemans Monolog über ein Moment des Christentums wird auf der Konstanzer Bühne zur Arbeit.
Brigitte Elsner-Heller
Ein Klotz auf der Bühne in Konstanz im Theaterstück «Judas»: Grabstein und Klagemauer zugleich. (Bild: Bjorn Jansen)

Ein Klotz auf der Bühne in Konstanz im Theaterstück «Judas»: Grabstein und Klagemauer zugleich. (Bild: Bjorn Jansen)

Der Name, der achtzig Minuten im Raum steht, wird erst am Schluss ausgesprochen: «Ich heisse Judas. Mein Name ist Judas Iskariot.» Auf der Bühne des Konstanzer Theaters ist bei «Judas» von Lot Vekemans einiges anders als sonst. Für den Monolog des Mannes, der der Bibel zufolge Jesus verraten hat, bleibt dem Schauspieler Axel Julius Fündeling als Judas viel realer Raum für die Darstellung seelischer Enge: Erst in einigem Abstand ist der Cellist Stefan Baumann zugegen, um musikalisch die Verfassung des «Verräters» zu akzentuieren; das Parkett bleibt indes komplett leer, die Zuschauer sitzen wie Richter im Abstand auf dem Rang.

So weit, so gut, wäre da nicht die deutschsprachige Erstaufführung von 2012 an den Münchner Kammerspielen, bei der das Parkett leer blieb und der Judas-Darsteller vor geschlossenem Eisernen Vorhang spielte, Musikeinspielungen inklusive. Aha. Nur, dass die Münchner es mit einem nackten, weil verletzlichen Judas zu tun bekamen, was für Konstanz dann wohl doch als etwas zu gewagt angesehen wurde. Eiserner Vorhang, das ging aber noch.

Enge auf der Bühne

In Konstanz also Enge auf dem Rang, Leere auf der Bühne, die mit einem Klotz ausgestattet ist, der Grabstein und Klagemauer sein könnte, sowie Theaternebel. Das Publikum ist durch die gedimmte Beleuchtung des Ranges als Gegenüber dieses Protagonisten präsent, der Jesus zwar verraten hat, das «Kreuziget ihn!» aber doch der Masse zuschreibt. Lot Vekemans hat Judas, der unabdingbarer Teil der Erlösungsgeschichte des Christentums ist, eine Stimme verliehen, hat über den Mythos und die Umstände von Erlösung nachgedacht: «Ich bin gestorben, in der Schlinge an einem toten Baum / Ich bin gestorben und habe so alle Schuld auf mich genommen / Alle Schuld / Die der Hohepriester / Der Römer / Des Volkes / Von jedem, der ihn nicht retten wollte».

Selbst gewähltes Fegefeuer

«Alles wird von selbst klar werden», äussert anfangs der Verräter, der erst nach dem selbst gewählten Fegefeuer seinen Namen als Ausdruck des Menschseins wieder ausspricht. Axel Julius Fündeling, der sich dafür eingesetzt hat, den Monolog auf die Konstanzer Bühne zu bringen, tritt als fahle Gestalt auf, die das Irdische hinter sich gelassen hat.

Der weisse Block mag ein Grabstein sein, den dieser erklimmt, umstürzt, der ihn fast erdrückt – Sinnbild der Schuld. Für einen Schauspieler ist es eine ungeheure Aufgabe, diesen Monolog über die Frist eines Theaterabends hinweg spannungsreich zu halten, zumal der Text der Autorin ohne Pathos auskommt, sondern vergleichsweise klar und schnörkellos ist. Exegese gesellt sich zu einer sehr heutigen Sichtweise, beispielsweise indem gesagt wird, dass Erinnerung und das, was wir als Realität ansehen, Produkte des Gehirns sind.

Suche nach starkem Führer

Und der Messias, der «Meister»? Nicht nur Judas hat viel von ihm erwartet, mehr als von den vielen anderen, die unter der Römerherrschaft als Messias aufgetreten sind. Und da geht es nicht mehr nur um moralische Leitlinien, sondern auch um einen starken Führer, auf den das Volk vertrauen kann, will. Nicht nur Axel Julius Fündeling hatte sich viel vorgenommen. Noch reduzierter, noch mehr auf den Text fokussiert, wäre «Judas» womöglich eindringlicher. Denn der Text erzählt das Christentum anders und hinterfragt dabei manches, was als Glaubensgewissheit in der Regel nicht (mehr) hinterfragt wird.

Brigitte Elsner-Heller

Bis 26.12. theaterkonstanz.de

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