Jubiläum beginnt nachdenklich

Die 50. Solothurner Filmtage haben am Donnerstagabend mit dem feinsinnigen Familiendrama «Unter der Haut» von Claudia Lorenz und der Eröffnungsrede von Bundesrat Alain Berset begonnen.

Andreas Stock, Solothurn
Merken
Drucken
Teilen

Die Filmtage feiern Geburtstag. Doch die Eröffnung mit Reden von Bundesrat Alain Berset und Solothurn-Direktorin Seraina Rohrer waren neben Freude über den 50. Geburtstag der Werkschau durchaus von Nachdenklichkeit geprägt. Alain Berset erinnerte mit Blick auf das Attentat in Paris, dass die Meinungsfreiheit und die künstlerische Freiheit hochgehalten werden müssen. Für ihn ist das Kino in einer Zeit schneller Veränderungen ein Ort des Innehaltens und der Reflexion. Filme seien ein «Leitmedium der direkten Demokratie». Die Filme, die im Laufe der vergangenen 50 Jahre in Solothurn gezeigt worden sind, seien ein «faszinierendes Abbild unserer jüngeren Geschichte». Wer die Geschichte der Filmtage kenne, verstehe auch die Schweiz. Das sei ein «grosser Verdienst der Solothurner Filmtage.»

Fragen stellen

Seraina Rohrer erinnerte an die Anfänge, als die Männer «genug hatten von patriotischen Heimatfilmen» und erzählte, dass es für die Frauen 1966 ein «Damenprogramm» mit Ausflug auf den Hausberg Weissenstein gegeben habe. Dort hätten «die Frauen den Weitblick geübt, während die Männer wichtige Fragen stellten». Und Fragen zu stellen, die Schweiz zu hinterfragen, sei die Rolle des Schweizer Films. «Doch nicht nur die Kultur lebt von Fragen, sondern auch die Demokratie», meinte Rohrer.

Début mit Ursprung Solothurn

Im Anschluss an die Ansprachen im Beisein zahlreicher Vertreter aus Kultur und Politik war mit «Unter der Haut» der erste Kandidat für den «Prix de Soleure» zu sehen. Das eindrückliche Familiendrama stammt von der jungen Claudia Lorenz und ist ihr Langspielfilmdébut. Ursina Lardi und Dominique Jann spielen ein Ehepaar von drei Kindern. Der Vater entdeckt seine homosexuelle Neigung und stürzt damit seine Frau und die Kinder in eine Krise.

Schön nicht nur, dass der Erstling einer Frau die Jubiläums-Ausgabe eröffnete, sondern dass das feinsinnig entwickelte Kammerspiel seinen Ursprung in Solothurn hatte: Hier sind sich die Regisseurin und ihre Produzentin Elena Pedrazzoli vor sechs Jahren erstmals begegnet.