Jószef Lendvay spielt teuflisch gut

Das Sinfoniekonzert in der St. Galler Tonhalle kombiniert Virtuoses und Unbekanntes. Mascagni, Paganini und Strauss führen gen Süden.

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Der Teufelsgeiger kommt einem schon in den Sinn. Auch wenn dieser Jószef Lendvay mit seiner gedrungenen Gestalt äusserlich nicht viel gemein hat mit Niccolò Paganini, dessen Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 D-Dur er an diesem Donnerstagabend spielt. Das Publikum reagiert entfesselt auf sein Spiel, das keinerlei Schwierigkeiten zu kennen scheint, das federleicht ist und hochvirtuos, und erhebt sich zu einer Standing Ovation. Und Lendvay revanchiert sich mit einer noch verrückteren Zugabe.

Was dieser Paganini einst war, und warum ihn im frühen 19. Jahrhundert alle Welt angebetet hat, das spürt man deutlich. Lendvays Ton ist hell und leuchtend, seine Interpretation des aufregend schönen Werks strahlt Tatkraft und Energie aus. So wird er dem «Schwung der Phantasie» gerecht, den ein Zeitgenosse in diesem Konzert erkannt hat.

Das Sinfonieorchester St. Gallen kann in einem derartigen Strudel des Virtuosentums nur Begleitung sein. Doch seine Stunde schlägt noch im Konzert, das im kalten Februar einen Vorgeschmack sommerlicher Hitze zu vermitteln vermag. Petro Rizzo, in St. Gallen durch seine Operndirigate von «Rigoletto» bis «Macbeth» bekannt, stellt gleich zu Beginn mit Pietro Mascagnis Intermezzo aus der Oper «Isa­beau» einen mächtigen Brocken in den Raum. Glocken erklingen, das Schlagzeug ist mehrfach besetzt, und das Orchester tritt in grosser Besetzung an zu einem eindrucksvollen Klanggemälde.

Richard Strauss freut sich

Nach der Pause erklingt das Werk eines 22-Jährigen, das schon sein Genie erkennen lässt. «Aus Italien» hat Richard Strauss eine Sinfonie genannt, die aus dem Gewohnten ausbricht – zur Freude des Komponisten selbst. «Mein Stolz war ungeheuer», zitiert ihn das Programmheft. Und weiter: «Das erste Werk, das auf die Opposition des grossen Haufens gestossen ist; da muss es nicht unbedeutend sein!» Unbedeutend ist es in der Tat nicht, mit seinen ruhigen Stimmungen, mit Naturpoesie und geheimnisvollen Stimmungen, die sich abwechseln mit gewaltigen Eruptionen des Klangs. Mit einem Spass zum Schluss. Denn Strauss verwebt da neapolitanische Volkslieder in einem turbulenten Orchestersatz und erweist sich schon mal als Meister der Orchestrierung am Werk. Die Musiker sind ganz bei der Sache, souverän leitet Pietro Rizzo sie durch das unbekannte Werk.

Rolf App

rolf.app

@tagblatt.ch