JOSEF HADER: Der schmale Raum für den Witz

Der österreichische Kabarettist und Schauspieler hat mit «Wilde Maus» seine erste Regiearbeit realisiert. Im St. Galler Kinok hat Hader seinen Film vorgestellt – und Zeit für ein Gespräch.

Andreas Stock
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Josef Hader in der Lokremise St. Gallen: Das Breitbildformat von Filmen mag er seit seiner Jugend. (Bild: Benjamin Manser)

Josef Hader in der Lokremise St. Gallen: Das Breitbildformat von Filmen mag er seit seiner Jugend. (Bild: Benjamin Manser)

Andreas Stock

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@tagblatt.ch

Josef Hader ist nicht nur Hauptdarsteller und Drehbuchautor von «Wilde Maus», sondern erstmals auch Regisseur. Die skurrile Tragikomödie dreht sich um einen egozentrischen Musikkritiker, der entlassen wird und darauf einen kindischen Rachefeldzug beginnt.

Josef Hader, als Kabarettist können Sie auf das Publikum reagieren, vielleicht gar etwas am Programm ändern. Gibt es Dinge, die Sie an Ihrem Film gerne ändern würden?

Ja, sicher. Das kann man nicht vermeiden. Bei manchen Szenen hätte ich noch etwas weitergehen, etwas Extremeres wagen können. Oder dann wünschte ich mir, ich hätte noch zwei Szenen mehr mit bestimmten Figuren.

Es gibt einige Nebenfiguren.

Ja, das tu ich mir nächstes Mal nicht mehr an. Dann beschränke ich mich auf eine Geschichte, wenige Schauspieler, kurze Handlungszeit. Ich hatte viele Motive und Figuren, womöglich war das aus der Befürchtung, sonst nicht genug in der Hand zu haben.

Der Witz und absurde Humor entsteht in «Wilde Maus» oft aus dramatischen oder tragischen Situationen heraus. Wie viel Drama verträgt eine Komödie?

Das kommt auf die Geschichte an. Ich bin auf dem Weg, das Drama grösser und die Komödie leiser zu machen, weil es mir spannender scheint. Als Zuschauer faszinieren mich jene Filmdramen, die den Witz nur leise einsetzen. Die «Wilde Maus» ist eher noch lustig, aber die Geschichte bestimmt das Mass.

Und diesmal stimmte das komödiantische Mass?

Es kann nicht allzu dramatisch werden in einer Geschichte um unentschlossene Mittelständler, weil die ihre eigenen Gefühle ja zelebrieren. So wie auch der selbstmitleidige Georg seinen Selbstmordversuch eher zelebriert und nicht ganz ernst meint.

Ihre Figur, den Musikkritiker Georg, darf man ja nicht so ernst nehmen in seiner Rachelust. Doch er geht ziemlich weit für eine Komödie.

Das ist aber so etwas, bei dem ich gerne noch weiter gegangen wäre. Als Zuschauer funktioniert bei mir der Witz stärker, je rarer er als Gewürz eingesetzt wird. Am lautesten lachen kann ich, wenn der Raum für den Witz nur noch sehr schmal ist. Den Witz aus einer noch grösseren Ausweglosigkeit zu ziehen, darin kann man nur besser werden.

Georg ist egozentrisch und etwas lächerlich. Die Anteilnahme des Zuschauers funktioniert vor allem, weil Sie ihn spielen, oder nicht?

Als ich entschied, Regie zu führen, überlegte ich mir, wer diese Rolle spielen könnte. Ich bin kein selbstbewusster Mensch, aber ich weiss, dass mir das Publikum relativ weit folgt. Ich darf das nicht missbrauchen. Doch die Unsicherheit, ob sie mit einem anderen Darsteller mitgehen, war grösser als jene, mir neben der Regie noch die Rolle zuzumuten.

Woran liegt es, dass man Ihnen kaum böse sein kann?

Es muss etwas sein, was ich selber bei anderen Schauspielern kenne. Die haben so einen Trotz, bei dem ich sie umarmen möchte. Casey Affleck in «Manchester by the Sea» ist aktuell so eine Figur. Eine frühe Jugenderfahrung war für mich Gene Hackmann in «French Connection». Dieser zornige Polizist mit seinen dunklen Teddybäraugen, den man in den Arm nehmen möchte. Diese wütenden Männer rühren mich, und irgendwie versuche ich wohl, auch so zu spielen.

Sie haben sich gleich ans Cinemascope-Format gewagt. Was hat Sie am breiten Bild gereizt?

Vor allem eine kindliche Begeisterung für Cinemascope. Als ich ein Kind war, wurden diese Filme immer erst nach 22 Uhr im Fernsehen gesendet, mit den schwarzen Balken oben und unten. Das war für mich immer ein Zeichen dafür, dass jetzt die richtig spannenden Filme zu sehen sind. Als Kabarettist arbeite ich ja sehr minimalistisch, und am Cinemascope-Format gefällt mir die Beschränkung des Blickfelds, denn eigentlich ist es ja ein Schlitz.

Sie hatten jetzt viele Filmarbeiten. Wie geht es weiter?

Ich mache eine Pause, dann möchte ich viel schreiben. Am liebsten würde ich gleichzeitig an einem Kabarettprogramm und einem Drehbuch arbeiten – also eine ruhige Zeit, auf die ich mich freue.

«Wilde Maus» läuft ab 9. März in den Kinos