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Jonas Lüscher flüchtete aus der Philosophie in die Literatur

An drei Abenden erläutert der Schweizer Schriftsteller Jonas Lüscher in der Hauptpost St. Gallen sein Schreiben. Er sieht sich als engagierter Teil einer narrativen Gesellschaft, die erzählend den komplexen sozialen Fragen näherkomme als die Wissenschaft.
Hansruedi Kugler
Der Schriftsteller Jonas Lüscher im Treppenhaus der Hauptpost St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Der Schriftsteller Jonas Lüscher im Treppenhaus der Hauptpost St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Ein Philosoph will Jonas Lüscher nicht mehr sein – zumindest kein akademischer. Dass er nun eine Poetikvorlesung hält, darüber schmunzelt er ein wenig. Aber die Ideengeschichte bis in die Antike zurück ist ihm wichtig. Mehr noch: Der philosophische Kampf um die Vorherrschaft des Allgemeinen oder des Einzelnen habe ihn und sein Schreiben geprägt, sagt Lüscher. Nach der ersten Vorlesung ist schon klar geworden: Man wird die Gelehrtensatire «Kraft», mit der Jonas Lüscher 2017 den Schweizer Buchpreis gewonnen hat, nach den drei Abenden tiefer verstehen. Der überhebliche Rhetorikprofessor Kraft, in lebenspraktischen Dingen unfähig bis lächerlich, verband im Roman das Akademische mit dem Alltag und den europäischen Skeptizismus mit dem Machbarkeitswahn des Silicon Valley.

Statt Doktorarbeit einen Roman geschrieben

Akademisch beschlagen ist auch Jonas Lüscher, skeptisch gegenüber technologischen Fortschrittsverheissungen und mehr interessiert am tragischen Chaos des Einzelnen als an abstrakter Ideenwelt. In seiner Doktorarbeit wollte er ein Plädoyer für eine erzählende Gesellschaft formulieren, brach aber ab und schrieb stattdessen den Roman «Kraft.» Nun hält er eine dreiteilige Poetikvorlesung: «Sich ins Erzählen flüchten.»

Ideengeschichte bis zu den griechischen Philosophen

Der erste Abend war der geistesgeschichtlichen Begründung gewidmet. Von den griechischen Philosophen bis zu Darwin stelle sich die Machtfrage: Wer bestimmt, was die ewig gültigen Ideen sind, nach denen sich der Einzelne zu richten habe? Die Meinung, man könne das eine, ewige Gute finden, sei eine Illusion, meint Lüscher: «Was an Hoffnung bleibt, ist, durch Bücher in Kontakt mit anderen zu treten.» Wenn unterschiedliche Ideale existieren, habe man so die Chance, «etwas von den Wünschen, Hoffnungen und Ängsten zu erfahren». Hier sei die narrative Gesellschaft am Werk, für die er plädiere.

Erzählungen beschreiben besser als Computersimulationen

Er sei überzeugt, dass sich unsere Gesellschaft bei der Beschreibung von komplexen Problemen mit sozialer Dimension vermehrt auf Erzählungen statt auf Computersimulationen verlassen sollte. Und erwähnt die Finanzkrise, von der seine Novelle «Frühling der Barbaren» handelte. Von da ist es nur ein Schritt zum politisch engagierten Autor, der Lüscher auch ist. Ausführen wird er es in Teil 2 und 3 der Poetikvorlesung.


Hinweis Teil 2: Do, 14.3, Teil 3: Do, 21.3, je 18.15 Uhr, Raum für Literatur, Hauptpost St. Gallen

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