John Irving und der Mann ohne Hand

Wegen massiver Rückenschmerzen bin ich vor einigen Jahren in die Rehabilitationsklinik Valens eingewiesen worden. Drei Wochen habe ich dort in wundervoller Abgeschiedenheit verbracht, bin jeden Tag zur Therapie und viel gewandert.

Rolf App
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book (Bild: Rolf App)

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Wegen massiver Rückenschmerzen bin ich vor einigen Jahren in die Rehabilitationsklinik Valens eingewiesen worden. Drei Wochen habe ich dort in wundervoller Abgeschiedenheit verbracht, bin jeden Tag zur Therapie und viel gewandert. Und während sich mein Zimmergenosse gegen Abend mit grösseren Mengen Rasierwasser fein machte für den Fernsehabend im Gemeinschaftszimmer, entdeckte ich auf einem meiner Streifzüge durch das grosse Gebäude die Bibliothek.

John Irving hatte ich bis dahin nur dem Namen nach gekannt. Jetzt aber entdeckte ich «Die vierte Hand», seinen zehnten Roman, und konnte mich fortan nur noch schwer davon trennen, um meinen Pflichten als Patient nachzukommen. Immer wieder suchte ich mir eine stille Ecke, schaute hinaus in die verschneite Berglandschaft, und tauchte ein in die ebenso kuriose wie zutiefst menschliche Geschichte des amerikanischen Fernsehreporters Patrick Wallingford, dem bei einem Filmauftrag vor laufender Kamera ein Löwe die Hand abbeisst.

Das Tier macht Wallingford landesweit berühmt, und eigentlich hat Wallingford sich schon längst mit seinem Armstumpf abgefunden, als er einen Chirurgen kennenlernt, der zum ersten Mal eine Hand transplantieren will. Auch ein Spender findet sich, der bei einem Autounfall stirbt.

Doch dessen Witwe hat einen Wunsch, der Patrick Wallingfords Leben weit mehr prägen wird als seine wiedergewonnene Hand. Das Leben hilft ihm über die Verletzung hinweg.

John Irving: Die vierte Hand, Diogenes