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Von der Intendantin zur Jodel-Dozentin: Nadja Räss gibt an der Hochschule Luzern Jodelunterricht

Sängerin Nadja Räss gibt neu ihr Jodelwissen an der Hochschule Luzern weiter: Die künftigen Studenten der Einsiedlerin mit Appenzeller Wurzeln werden sich intensiv mit den Wurzeln der Volksmusik auseinandersetzen.
Interview: Bruno Scheible und Desirée Müller
Nadja Räss: Jodlerin mit Appenzeller Wurzeln. (Bild Mareycke Frehner)

Nadja Räss: Jodlerin mit Appenzeller Wurzeln. (Bild Mareycke Frehner)

Das Leben von Nadja Räss dreht sich um Musik. Genauer gesagt um den schnellen Wechsel zwischen der Brust- und Kopfstimme. Oder ein­facher ausgedrückt: das Jodeln. Die Einsiedlerin mit Appenzeller Wurzeln steht seit ihrem zwölften Lebensjahr regelmässig als Sängerin im Rampenlicht.

Die letzten sechs Jahre war Nadja Räss Intendantin der Klangwelt Toggenburg. Dass ihr bevorstehender Jobwechsel so grosse Aufmerksamkeit erlangt, ist aber auch für sie eine Überraschung. Die Nachricht ist aber nicht ohne: Erstmals in der Schweiz kann an einer Hoch­schule das Hauptfach Jodeln belegt werden. An der Luzerner Hochschule wird Nadja Räss das Hauptfach Jodeln unterrichten und ist gleichzeitig die Verantwortliche für den ganzen Fachbereich Volksmusik. Sie selbst besitzt ein abgeschlossenes Gesangs-Studium an der Hochschule Musik und Theater in Zürich und ist somit topqualifiziert für ihre neue Aufgabe in Luzern.

Das Toggenburg verlässt Nadja Räss mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ihr grosser Lichtblick: wieder mehr Zeit zum Musikmachen zu haben. Nadja Räss war aber in den letzten Jahren alles an­dere als untätig: Letzten Sommer brachte sie gemeinsam mit Markus Flückiger die CD «Sälbander» heraus. Dazu ­verfasste sie unter anderem Jodel-­Literatur für Kinder. Aktuell hat sie aber das Klangfestival ­Naturstimmen im Kopf.

Das Klangfestival ist in vollem Gange. Was macht es dieses Jahr besonders?

Nadja Räss: Es ist das letzte Mal, dass ich für das Programm verantwortlich bin und ich freue mich auf viele bekannte und auch neue berührende Stimmen. Sicherlich geniesse ich auch jeden einzelnen Moment.

Wie kommen Sie an die Sängerinnen und Sänger aus Hawaii, Vietnam oder Polen heran?

Es besteht eine sehr grosse Community, von der ich profitieren kann. Jeder kennt wieder jemand anderen und so komme ich an die verschiedensten Menschen heran. Die Singszene ist eine riesige Familie.

Heute haben Sie Ihren grossen Auftritt.

Genau, da freue ich mich sehr darauf. Am Klangfestival Naturstimmen 2016 habe ich Outi Pulkkinen aus Finnland und Mariana Sadovska aus der Ukraine kennen gelernt. Wir haben uns stimmlich und menschlich gleich gefunden. Für dieses Festival haben wir noch drei weitere Sängerinnen eingeladen. Und so treten wir heute gemeinsam mit Anita Daulne (Kongo), Leena Willemark (Schweden) und Tamar Buadze (Georgien) auf. Natürlich fehlt auch der einheimische Touch nicht, nämlich der Jodelclub Säntisgruess. Das Spezielle am Konzert: Wir hatten nur drei Tage Zeit zum gemeinsamen Üben.

Sie verlassen die Klangwelt Toggenburg und somit das Klangfestival. Was hat Sie dazu veranlasst?

Ich hatte schon seit längerem das Bedürfnis, wieder mehr zu singen. So habe ich eine Entscheidung getroffen und diese meinen Arbeitskollegen mitgeteilt. Zur gleichen Zeit kam das Thema Jodeln an der Hochschule ­Luzern auf und die Leitung für den Bereich Volksmusik wurde an mich herangetragen. Alles in allem also eine glückliche Fügung.

Dann kann man jetzt den Bachelor oder gar den Master im Jodeln abschliessen?

Für Aussenstehende hört sich das vielleicht etwas komisch an. Es kamen auch Stimmen auf, dass Jodeln nun «verakademisiert» wird. Doch es gibt genügend erfolgreiche, bewährte ­Beispiele aus dem Ausland, wo man Volksmusik schon lange studieren kann. In Finnland kann zum Beispiel schon seit Jahren Volksmusik studiert werden.

Wie muss man sich ein Jodel-Studium vorstellen?

Die Studenten werden sich unter anderem mit den Wurzeln der Volksmusik auseinandersetzen. Der Unterricht ist mit jeder Studentin und jedem Studenten individuell. Das reizt mich so an der neuen Aufgabe.

Mit wie vielen Studentinnen und Studenten rechnen Sie?

Sechs Studenten waren an der Aufnahmeprüfung. Es gibt Jodeln aber auch als Nebenfach. Die genaue Zahl der angenommenen Studenten kenne ich noch nicht.

Kann eigentlich jede und jeder jodeln lernen?

Wer eine Stimme hat, kann grund­sätzlich jodeln. Die Stimme ist dabei unser Instrument. Alle Menschen haben eine Kopf- und eine Brust­stimme. Es ist alles eine Frage der Technik. Zu Beginn mache ich Entspannungsübungen. Dann werden die beiden Stimmregister trainiert. Und als Königsdisziplin kommt das Hin- und Herwechseln der beiden Register. Wenn ich mit jemandem wöchentlich ein halbes Jahr lang übe, sollte diese Person jodeln können.

Wie sieht es eigentlich privat bei Ihnen aus? Wir haben lange gegoogelt – blieben aber erfolglos.

Und das ist genau richtig so. Privates sollte privat bleiben. Aber ich kann nur so viel sagen: Es geht mir wunderbar.

Das Klangfestival Naturstimmen in Alt St.Johann läuft noch bis zum Montag, 21.Mai. Morgen Freitag findet in der reformierten Kirche ab 11 Uhr ein Schnupperkurs mit Tamar Buadze aus Georgien statt. Heute, am Samstag und am Montag werden dazu Führungen in der Klangschmiede angeboten. Ein Klang­begleiter führt die Besucher dabei durch die Schmiede zum mächtigen Wasserrad und dann durch das geschichtsträchtige Haus. Das ganze Programm des Klang­festivals Naturstimmen unter: www.klangwelt.ch

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