Jodeln, Musik und Sägespäne

Zum vierten Mal findet in der letzten Maiwoche auf Schloss Werdenberg ein Festival für Alte Musik, Neue Musik und audiovisuelle Kunst statt. Dieses Jahr geht es an der Schlossmediale um Orte und Menschen am Rand – zum Beispiel um Flüchtlinge.

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Auf der Suche nach der Magie: Werner und Ute Mahler. (Bild: pd)

Auf der Suche nach der Magie: Werner und Ute Mahler. (Bild: pd)

WERDENBERG. Das Hang ist ein seltsames Instrument. Es sieht aus wie eine Untertasse aus Metall, hat auf der oberen Seite mehrere Einbuchtungen – und wenn der Drummer Marco Sele vom Klanglabor Liechtenstein darauf spielt, erzeugt es wunderbar sphärische Klänge. Man kann dieses Instrument nicht lernen, es gibt auch keine Noten. Und wenn man eines davon haben will, muss man bei den Erfindern des Instruments anklopfen – und dann Geduld haben. Sele selber hat zwei Jahre warten müssen.

Nach der Sanierung

Jetzt spielt er im Anschluss an die Medienkonferenz zur diesjährigen Schlossmediale auf Schloss Werdenberg. Dessen Sanierung ist abgeschlossen, und im Hof steht ein helles, aus Holz konstruiertes Bistro für die Gäste bereit. Kurt Scheidegger ist zufrieden. Der Geschäftsführer des Vereins Schloss Werdenberg hat aufreibende Jahre hinter sich. Und zufrieden wirkt auch Mirella Weingarten, die künstlerische Leiterin dieses internationalen Festivals für Alte Musik, Neue Musik und audiovisuelle Kunst, das vom 22. bis 31. Mai stattfinden wird.

Junge Flüchtlinge in Athen

Zum vierten Mal hat sie ein Programm entworfen; nach «Das ewig Weibliche» im letzten und «Auge um Auge» im vorletzten Jahr geht es 2015 um «Randerscheinung». Die Ostschweiz liegt am Rand der Schweiz, eine ausgesprochene Randlage hat das mächtige Schloss. Und es gibt Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Zum Beispiel die Flüchtlinge.

Eines der interessantesten Projekte ist ihnen gewidmet. Daniel Wetzel von der Theatergruppe Rimini Protokoll knüpft an ein Stück des Komponisten John Cage an und setzt es mit fünfzehn Jungen um, die nach Athen geflüchtet sind und jetzt dort festsitzen. Und weil sie nicht in die Schweiz kommen dürfen, werden sie ihre Vorstellungen ans Publikum weitergeben.

Eine besondere Geschichte hat auch Helmut Oehring, der Komponist, der diesmal im Fokus steht und von dem mehrere Werke uraufgeführt werden. Als Kind gehörloser Eltern zur Welt gekommen, hat es einige Zeit gedauert, bis seine Umgebung realisiert hat, dass er hört. Noch heute denkt er beim Komponieren oft in Gebärdensprache, in seinen Werken überschreitet er gerne Grenzen zur Poesie, zur Alten und Neuen Musik, zur audiovisuellen Kunst.

Ein Spektakel in Feldkirch

Helmut Oehring ist eine geradezu ideale Künstlerpersönlichkeit für dieses Festival, das auch diesmal am zweiten Wochenende in die Ferne schweift. Es geht ins Montforthaus nach Feldkirch, wo unter anderem die Jodlerin Nadja Räss, der Schwyzerörgeler Markus Flückiger und zwei leibhaftige Schwinger warten. Angekündigt ist ein musikalisches Sägespänespektakel.

So bietet jeder Tag seine Überraschungen. Mal steht eine Mini-Opera an («Play4You»), mal eine «Stimm- und Bewegungsreise zu den Texten von Stefan Zweig», mal spielt das Klanglabor Liechtenstein, mal taucht das «Blind Summit Theatre» um Mark Down mit seiner kuriosen Kartonpuppe Moses auf. Down hat die letzten beiden Jahre an den Bregenzer Festspielen jene Puppen dirigiert, die Mozarts «Zauberflöte» ihren märchenhaften Glanz verliehen haben. In Werdenberg nun bietet der humorvolle Engländer auch zwei Puppenspiel-Workshops an («Selber Moses»), einen für Profis, einen für Kinder.

Am Rand der Kindheit

Parallel zu diesen Veranstaltungen finden zahlreiche Ausstellungen statt. Einen Schwerpunkt bildet unter ihnen «Monalisen der Vorstädte», eine Serie von Bildern junger Frauen aus fünf Städten, die das Fotografenpaar Ute und Werner Mahler realisiert hat und in denen es die Magie des Überganges von der Kindheit zum Erwachsenen-Alltag einzufangen sucht.

www.schlossmediale.ch

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