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Interview

Jetzt sagt sein Heimatkanton: Danke!

Er ist einer der gefragtesten und erfolgreichsten Regisseure: der gebürtige Kreuzlinger Jossi Wieler. Nun wird er mit dem Thurgauer Kulturpreis ausgezeichnet und spricht über diese späte Ehrung, seinen Sehnsuchtsort und Teamarbeit.
Julia Nehmiz
Jossi Wieler erhält den Thurgauer Kulturpreis 2019. (Bild: PD)

Jossi Wieler erhält den Thurgauer Kulturpreis 2019. (Bild: PD)

Er sei ein Seebub, sagt Jossi Wieler über sich. Der 67-Jährige ist in Kreuzlingen geboren und aufgewachsen. Als Schauspiel- und Opernregisseur arbeitet er an den grossen Theatern weltweit, war von 2011 bis 2018 Intendant der Staatsoper Stuttgart, erhielt zahlreiche Preise für seine Inszenierungen. Trotzdem ist der Bodensee sein Sehnsuchtsort. Er freue sich, dass er von seiner alten Heimat geehrt werde, sagt Wieler am Telefon. Er lebt in Berlin und hat sich den Nachmittag frei gehalten, um Fragen zum Thurgauer Kulturpreis zu beantworten, höflich und zuvorkommend.

Herzlichen Glückwunsch zum Thurgauer Kulturpreis. Wie fühlt sich das an, vom Heimatkanton ausgezeichnet zu werden?

Jossi Wieler: Ich freue mich wirklich sehr darüber! Es ist eine besondere Ehre. Ich lebe ja schon lange nicht mehr im Kanton, es ist etwas Kostbares, diese Verbundenheit zu spüren. Ich fühle mich geehrt.

Ist der Thurgau nicht ein bisschen spät dran mit der Auszeichnung? Vom Land Baden-Württemberg erhielten Sie 2015 den Kulturpreis und 2016 den Verdienstorden.

Das empfinde ich nicht so. Man muss das nicht so kritisch sehen, wie Sie das formulieren. In der Satzung des Thurgauer Kulturpreises heisst es, dass eine Person ausgezeichnet wird, die das kulturelle Leben im Kanton besonders bereichert. Das habe ich eigentlich nicht in all den Jahren. Ich bin dort aufgewachsen, aber nach der Matura habe ich nie mehr dort gelebt. Ich arbeite grösstenteils in Deutschland. Aber meine Verbindung zum Thurgau ist immer geblieben. Wer mich für den Preis vorgeschlagen hat, weiss ich nicht.

Wie haben Sie davon erfahren?

Regierungsrätin Monika Knill hat mich angerufen. Ich war gerade in Strassburg, auf dem Weg zur «Freischütz»-Probe. Es hat geschüttet, aber der Anruf war dann das Gegenteil von Im-Regen-stehen-gelassen-Werden. (lacht)

In einem Interview sagten Sie einmal, Sie tragen den Bodensee in sich, er gebe Ihnen innere Ruhe. Ist das so?

Ich glaube, das geht allen Seebuben so. Wenn man am Bodensee aufgewachsen ist, trägt man den See in sich, Luft, Wind, alles, was man erlebt hat in der Kindheit und Jugend. Meine Familie, meine Vorfahren sind alle aus der Region Untersee und Oberrhein, ich spüre das irgendwie in mir.

Was löst der Gedanke an den Bodensee aus?

Er hat eine fast meditative Wirkung. Ich arbeite ja an vielen Orten in der Welt. Wenn ich nachts nicht schlafen kann, stelle ich mir vor, wie ich vom Arenenberg auf den Untersee schaue. Das hat etwas Beruhigendes. Dort waren wir damals oft wandern.

Wie sind Sie zum Theater gekommen? Wurde das Interesse durch das Theater Konstanz geweckt?

Als Kind habe ich das Weihnachtsmärchen in Konstanz gesehen, aber ich war damals dem Theater nicht sehr nahe. Das kam erst später.

Wie denn?

Nach der Matura an der Kantonsschule Frauenfeld ging ich wie meine älteren Geschwister zum Studium nach Israel. Ich wollte Sozialarbeit und Psychologie studieren. Im Vorbereitungsjahr kam ich mit Kommilitonen zusammen, die mit Theater zu tun hatten. Da merkte ich, dem will ich nachgehen. Das Theater hat mich erst relativ spät gepackt, da war ich 22.

Warum sind Sie nach dem Studium nach Deutschland gegangen?

In den 1970ern ging das deutschsprachige Theater völlig neue Wege, die öffentlich finanzierten Häuser wagten Experimente. Das war spannend! Ich hatte damals viel darüber gelesen und dachte, da muss ich hin.

Sie haben eine steile Karriere hingelegt, bis zum Intendanten der Staatsoper Stuttgart. Warum gaben Sie das auf?

Die Arbeit hat mich erfüllt, es waren schöne und in jeder Hinsicht gute Jahre. Aber ich war 25 Jahre in Stuttgart, sieben als Intendant, davor als Regisseur. Irgendwann braucht ein Haus neuen Wind, einen neuen Blick. Man sollte nicht warten, bis man selber zum Inventar gehört.

Man würde gerne mal eine Arbeit von Ihnen hier sehen.

In nächster Zeit ist nichts in der Schweiz geplant. Es gab immer wieder Anfragen aus der Region, aber nie so, dass es für mich gestimmt hätte.

Warum?

Theater hat immer in Verbindung mit Menschen zu tun. Unsere Kunst ist eine kollektive, über die Jahre ist eine Theaterfamilie gewachsen. Ich fühle mich den Intendanten, Schauspielerinnen und Schauspielern, Sängerinnen und Sängern verbunden, mit denen ich über Jahre zusammengearbeitet habe.

Was machen Sie mit den 20'000 Franken Preisgeld?

Muss ich das schon verraten?

Wenn Sie es schon wissen?

Wenn man mit so einem Preis geehrt wird, dann fällt der auch anderen zu, die über die Jahre mit mir gearbeitet haben. Deswegen wird erst mal gefeiert.

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