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Jenseits von Hogwarts

Showdown auf Raten: «Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1» zeigt den Anfang vom Ende der Bestseller-Serie – in epischer Breite und mit mehr Pfadfinderromantik als Action. Das kann man langweilig finden. Oder als subtile Annäherung an die Muggelwelt begrüssen.
Bettina Kugler
Harry in Aktion – fast wie James Bond – auf der Flucht vor den Bösewichten dieser und jener Welt. (Bild: Warner)

Harry in Aktion – fast wie James Bond – auf der Flucht vor den Bösewichten dieser und jener Welt. (Bild: Warner)

Die Sicherheitsvorkehrungen im Zürcher Kino Metropol nehmen Teile des Films vorweg. Man glaubt sich vor den Toren des Zaubereiministeriums in Zeiten des Kriegs gegen die Todesser. Jeder hier ist namentlich registriert, händigt am Eingang ohne Murren Laptop und Mobiltelefon aus, die dann von Securityleuten in numerierte Plastikbeutel verschweisst werden; im Halbdunkel folgt dann noch eine Taschendurchleuchtung.

Eine fast kinoreife Geheimdienstkomödie bei der Vorbesichtigung. Ein paar wenige Tage noch soll «Harry Potter und die Heiligtümer des Todes» Verschlusssache bleiben, bevor er morgen startet – gerade als ob die Heiligtümer, die ihrem Besitzer Macht über Leben und Tod verleihen, im Saal unbewacht herumlägen.

Es sieht nicht gut aus

Um das offene Geheimnis gleich zu verraten: Am Ende sehen wir den Dunklen Lord (Ralph Fiennes) am Grab Albus Dumbledores nach dem Elderstab grapschen.

Es sieht nicht gut aus für Harry, Hermine und Ron, die zeitgleich an einem einsamen Strand den verblichenen Hauselfen Dobby begraben, nach Menschen-, also Muggelart übrigens. Dennoch wird die Fangemeinde der Zauberlehrlinge nach 146 Minuten das Kino in der Zuversicht verlassen, dass alles noch eine Wendung zum Guten nehmen wird.

Schliesslich baut der Film felsenfest auf das detailreiche Vorwissen der Leserinnen und Leser. «Was vorher geschah» kann unmöglich noch einmal im Zeitraffer rekapituliert werden, sonst brauchte Regisseur Daniel Yates mindestens drei Stunden für den ersten vom letzten Teil.

In der Welt der Rowling'schen Zauberer ist Yates ein alter Hase. Zweimal bereits hatte er die Ehre, den von Band zu Band immer verstiegeneren Geheimnissen rund um das magische Internat Hogwarts auf den Grund zu gehen und die verschlungene Story auf die Kinoleinwand zu bannen.

Diesmal nun hat er, anders als in den vorausgehenden Filmen «Harry Potter und der Orden des Phönix» und «Harry Potter und der Halbblutprinz», wesentlich mehr Zeit – und füllt sie nicht etwa mit der doppelten Portion an Spezialeffekten und Action. Stattdessen vermittelt der Film in aller Ruhe, in der Einsamkeit grossartiger Landschaftsaufnahmen eine Ahnung der Ausweglosigkeit, in der sich Harry und seine Freunde Ron und Hermine befinden.

Denn Hogwarts ist weit. Harry wird polizeilich gesucht und macht sich, nach einem ebenso spannenden wie hochkomischen Angriff des Feindes gleich zu Beginn, auf eine abenteuerliche Suche nach den so genannten «Horkruxen»: jenen magischen Gegenständen, die Lord Voldemorts Schlagkraft und Unsterblichkeit sichern.

Die Irrwege durch Wald und Gebirge, mal nur mit Hermine, mal wieder zu dritt und versöhnt, nehmen geradezu odysseehafte Züge an; «sterbenslangweilig» fanden das manche Kritiker nach

der Premiere in London vorige Woche, andere wiederum waren sich einig darin, dass Folge sieben/eins das bislang «dunkelste», am meisten Angst einflössende ist. Vielleicht gerade, weil nicht ständig eine schnelle Lösung aus dem Hut gezaubert wird und die Stille und Weite der Schauplätze übermächtig wird.

Als stünde die Zeit still

Erfrischend setzt der Film dazwischen auf die bewährten Aufheller: verblüffende Zaubertechniken wie der «Vielsaft-Trank»,

der in den ersten Minuten die Kämpfer des Phönix-Ordens in sieben Harrys verwandelt; ein traumhaft schwebendes weisses Festzelt für die Hochzeit von Bill Weasley und Fleur Delacour; kleine Anflüge von menschlich-allzumenschlichen Regungen bei Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint. Wesentlich facettenreicher als in den bisherigen Filmen agieren die drei und beweisen, dass psychologische Vertiefung die sachkundige Handhabung eines Zauberstabs übersteigt.

Trotz Überlänge muss Yates manches knapper abhandeln, als ihm wohl lieb ist – dafür findet er für die Binnengeschichte, das «Märchen von den drei Brüdern» aus dem Buch von Beedle dem Barden, eine reizvoll nostalgische Übersetzung. Er lässt sie nicht einfach mündlich erzählen, sondern spielt morbides Schattentheater dazu. Angsteinflössend? Ja, durchaus, mit überraschend altmodischen Mitteln. Als stünde noch einmal die Zeit still, in dieser Welt und der anderen.

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