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Da, wo es in Luzern am langweiligsten ist

Zwischen dem Areal Eichhof im Südwesten Luzerns und der Technischen Hochschule Horw erstreckt sich ein Gebiet, das kaum jemand als schmuck bezeichnen würde. Ein Spaziergang durch die Agglomeration Luzerns.
Stefan Welzel
Luftaufnahme von Kriens Süd mit dem Mattenhof, dem Schweighof und dem Nidfeld. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 29. Juli 2018))

Luftaufnahme von Kriens Süd mit dem Mattenhof, dem Schweighof und dem Nidfeld. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 29. Juli 2018))

Zwischen dem Areal Eichhof im Süd­westen Luzerns und der Technischen Hochschule in Horw steckt inmitten zahlreicher Autohäuser, Drive-in-Restaurants und Gewerbebauten mehr Leben, als man beim Durchfahren vermuten würde. Eine Asphalt-Wanderung entlang der Arsenal- und der Nidfeldstrasse, durch das aufstrebende Quartier Kriens Mattenhof bis nach Horw erlaubt einen Blick in den Agglomerations-Alltag jenseits der Touristenpfade.

Der unkonventionelle Spaziergang beginnt an der Ecke Eichwaldstrasse/Arsenalstrasse. Unweit von hier endet die Gemeinde Luzern, und es erstreckt sich eine Siedlung, die weder zentral ist noch die typische Vorstadt-Idylle repräsentiert. Die rund vier Kilometer bis zum Technikum Horw markieren eine urbane Nische, in der viele Menschen arbeiten, aber kaum wohnen oder ihre Freizeit verbringen. Im Café Tacuba an der Eichwaldstrasse 10 ist dennoch erstaunlich viel los – die junge Barista Lea Eugster schaut zufrieden auf die kleine Terrasse mit rund einem Dutzend Gäste. «Eigentlich bin ich bisher nur in diese Ecke der Stadt gekommen, wenn ich mal ins Strassenverkehrsamt musste», so die Studentin. Wie ihr ergeht es wohl vielen Luzernern. Aber das Quartier befindet sich im sanften Aufbruch. Unweit von hier konnte man zum Beispiel in der «Kulturbrache» jüngst die Fussball-Weltmeisterschaft unter freiem Himmel schauen. Und dank des Velowegs Freigleis rückt die Gegend deutlich näher ans Zentrum heran. «Das ist definitiv ein Vorteil. Mit dem Velo ist man schnell hier», sagt Eugster, bevor bereits der nächste Kunde das Lokal betritt. Die Nachbarschaft scheint das erweiterte Gastronomieangebot dankend in Anspruch zu nehmen.

Sommerserie: Asphalt-Spaziergänge

Sommer, Sonne, Badestrand – wie langweilig! In unserer Sommerreihe «Asphalt-Spaziergänge» folgen unsere Autoren entgegen dem Trend, der ins Grüne geht, den Asphaltstrassen unserer Region und fördern Überraschendes zu Tage. Nächste Episode: Andrea Portmann sinniert über Flecken auf dem Asphalt. (jst)

Architektonisch belanglose Bürohäuser

Es geht weiter in Richtung Kulturzentrum Südpol – vorbei an Autohäusern, Tankstellen, Autobahnzufahrten und architektonisch belanglosen Bürohäusern. Irgendwo in einer Parkplatznische stehen zwei etwas heruntergekommene Segeljachten auf dem Trockenen – der See ist weit weg. Auf einer Kuppe, wo die Arsenal- in die Nidfeldstrasse mündet, eröffnet sich der Blick in Richtung Kriens Mattenhof, wo in der Ferne die Grossbaustelle zu sehen ist. Dort soll im Zuge der Planung Luzern Süd ein neues urbanes Zentrum entstehen. Davor reihen sich aber weiter Garagen und schmucklose Gewerbeimmobilien aneinander. In einer befindet sich die grösste Boulder-Halle der Innerschweiz.

Das Kletterparadies erreicht man über eine Passerelle. Im gleichen Gebäude sind auch Büros der Sozialdienste Kriens, ein Fitnesscenter und ein Logistikzentrum der Post untergebracht – ein wilder Mix. Eliane Müller verdient sich im City Boulder an Kasse und Bar ihr Politikwissenschaftsstudium. An diesem heissen Sommernachmittag verliert sich genau ein Kletterer in die grosse, lichtdurchflutete Halle. «Es ist schon ziemlich grau hier in der Gegend», sagt Müller. «Aber wenigstens ist der Blick auf den Pilatus wirklich grossartig», ergänzt die 29-Jährige mit einem zynischen Lachen. Aber wer weiss, vielleicht kommt mit der neuen Überbauung im Mattenhof tatsächlich mehr Leben ins Quartier? Schaden könne das nicht.

Eine Gegend im Umbruch: Kriens Süd mit dem Mattenhof, dem Schweighof und dem Nidfeld. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 29. Juli 2018))
Quartierbelebend: der Veloweg Freigleis. (Bild: Stefan Welzel (Luzern, 19. Juli 2018))
Filialleiterin Marlis Schwarz mit Tochter. (Bild: Stefan Welzel (Luzern, 19. Juli 2018))
Ein etwas ungewöhnlicher Stadtrundgang führt an die abgelegeneren Flecken der Stadt. (Bild: Stefan Welzel (Luzern, 19. Juli 2018)).
Spaziergang durch die Industrie. (Bild: Stefan Welzel (Luzern, 19. Juli 2018))
Isoliert: Der Campus der Hochschule für Technik und Architektur in Horw. (Bild: Stefan Welzel (Luzern, 19. Juli 2018))
Bei der Sommerhitze wie ausgestorben: die leere City Boulder-Halle. (Bild: Stefan Welzel (Luzern, 19. Juli 2018))
7 Bilder

Jenseits ausgetretener Touristenpfade

Mehr als nur eine Tankstelle

Ähnlich sehen das Marlis Schwarz, Filialleiterin der Migrolino-Tankstelle, und Christian Schnyder, einer ihrer Stammkunden, nur einige hundert Meter weiter in Richtung Horw. Gegenüber der Tankstelle werden die neuen Wohn- und Bürohäuser hochgezogen. Die Migros-Filiale, ein Drive-in-Restaurant einer Fast-Food-Kette sowie die nahe S-Bahn-Station Mattenhof machen die Umgebung zu einer Art Begegnungszone. Schwarz arbeitet seit 22 Jahren im Nidfeld und kennt sich bestens aus. «Früher war hier praktisch gar nichts. Inzwischen ist das Quartier kaum wiederzuerkennen», sagt Schwarz. Allerdings könne man nicht sagen, dass das, was man gebaut habe, ästhetisch gelungen sei.

Die Migrolino-Filiale ist mehr als eine Tankstelle – und Schwarz mehr als eine Geschäftsleiterin. Sie kennt viele Kunden, die hier nicht nur zum Einkaufen, sondern auch auf einen Kaffee und einen Schwatz vorbeikommen. Es wird gescherzt und gelacht. Man wähnt sich in einem Dorfladen. Dazu passt, dass die Tochter von Schwarz ebenso hier arbeitet – die Tankstelle ähnelt einem Familienbetrieb und vermittelt menschliche Wärme zwischen all den farblosen Betonbauten. Trotzdem meint die Chefin: «Schön ist es hier nicht.» Kunde Schnyder widerspricht: «Ich lebe seit 18 Jahren hier und finde es genial», kontert er. Dank S-Bahn und verbesserter Velo-Verbindung sei er schnell überall. Und hinter dem nahen Hotel Ibis und dem Disco-Club Avalon verändert sich der Charakter des Quartiers schnell. Rund um das Schulhaus Kuonimatt zwängt sich zwischen die Gewerbegebiete eine kleine, etwas ältere Gartenstadtsiedlung. «Manchmal verirren sich auch Touristen auf die Wiesen in der Gegend und picknicken», sagt Anwohner Schnyder.

Auf die Auswirkung der neuen Mattenhof-Überbauung auf das soziale Leben im Quartier sind Schwarz und Schnyder beide gespannt. «Bis dahin leben wir nicht schlecht von den vielen Bauarbeitern. Die trinken uns hier das ganze Sortiment leer», so Schwarz.

Nur wenige hundert Meter nördlich der Kuonimatt-Gartenstadt verläuft die A2 und der Zubringer zum Pilatusmarkt. Der Spaziergang entlang der Ringstrasse ist alles andere als ein Vergnügen. Daran kann auch die nach wie vor schöne Sicht auf den Luzerner Hausberg nichts ändern. Dahinter beginnt die Gemeinde Horw, und bald betritt man das Areal der Hochschule für Technik und Architektur. Dort herrscht Sommerpause.

Dünnes Gastro-Angebot für Architekturstudenten

Nur wenige Studenten und Mitarbeiter verlieren sich auf dem Gelände des Technikums. Marvin King, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Architekt, ist einer von ihnen. Seit acht Jahren arbeitet er hier. Die Gegend kennt der in Zürich wohnhafte King kaum. Aufgrund eines dünnen gastronomischen Angebots in der Nähe komme er selten raus. Man verpflege sich in der Kantine und bleibe so fast immer auf dem Hochschulgelände. Der diesbezüglich reichhaltigere und auch schönere Teil Horws erstreckt sich zweifelsohne jenseits der Zentralbahn-Gleise. «Aber das Gute an der Lage ist, dass man schnell am See ist», meint King. Das kann man unterschreiben.

Nach diesen vier Kilometern zwischen dem Café Tacuba und dem Technikum tut ein Sprung ins kühle Nass in der Horwer Winkel-Badi nicht nur dem überhitzten Körper, sondern dank Sicht auf See und Berge auch dem verwöhnten Stadtluzerner Auge gut.

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