Jekyll & Hyde in Fernost

Lesbar Japan

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Shusaku Endo: Skandal.

Septime, 299 S., Fr. 34.–.

Immer wieder thematisiert Japans Literatur die krasse Diskrepanz zwischen brav-bürgerlicher Oberfläche und triebhaften, obsessiven Abgründen darunter. So auch der Roman «Skandal», der bereits 1982 erschien und jetzt auch auf Deutsch vorliegt. Autor ist Shusaku Endo. Ihn kennt man dank dem Roman «Schweigen», der von den Christenverfolgungen im Japan des 16. Jahrhunderts erzählt und von Martin Scorsese letztes Jahr verfilmt wurde.

«Skandal» handelt vom alternden Schriftsteller Suguro, der mit der Behauptung einer Frau konfrontiert wird, sie kenne ihn aus dem Rotlichtmilieu. Als ein Reporter die Sache aufgreifen will, droht Suguro ein Skandal, der seine Existenz bedroht. Noch schlimmer aber ist, dass es offenbar einen lüsternen und bösen Doppelgänger von ihm gibt. Suguro gerät in eine Welt von Gewalt, die man anderen, aber auch sich selber zufügt.

Am Ende muss er erkennen, dass der Doppelgänger er selber ist, was den Leser nicht wirklich überrascht. Seine Gespaltenheit aber zwischen (christlicher) Tugend und sadistischer Perversion wird auf eine dunkel-faszinierende Art geschildert. Ein wichtiger Nebenaspekt ist aber auch das Älterwerden, mit dem Suguro seine verständliche Mühe hat und das berührend gezeigt wird.

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OJT Solutions: Toyotas Geheimrezepte. CETPM, 174 S., Fr. 48.–.

Mitarbeiter klug fördern

Toyota gehört bekanntlich zu den erfolgreichsten Firmen der Welt. Gemäss Selbstverständnis liegt dies auch an einer Betriebskultur, welche die Fähigkeiten der Mitarbeitenden optimal entwickelt. Vieles läuft auf Stärkung der Eigenverantwortlichkeit heraus. Und darauf, nicht nur Ergebnisse zu beachten. Denn diese sind oft weniger wertvoll als Lerneffekte, die mithelfen, Prozesse zu optimieren und zum Beispiel nicht nur vordergründige, sondern echte Fehlerursachen zu erkennen.

Zu weiteren Tipps gehören etwa: Führungskräfte sollen sich nicht unentbehrlich machen, sondern delegieren, Leute nachziehen und sich so selber «multiplizieren». Nicht nur gute Mitarbeiter sind zu fördern, sondern auch die schwächeren und vorab die «schwierigen». Alle sollen ermutigt werden, mitzudenken, Vorschläge zu machen, auch mal zu widersprechen. Und: Kommunikation muss am Morgen stattfinden, weil dies die Motivation für den ganzen Tag beeinflusst.

Arno Renggli