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Für diesen Verlag aus Mörschwil schreiben nur Kinder

Das Ehepaar Tiziana und Sascha Gloor aus Mörschwil hat einen eigenen Kinder- und Jugendbuchverlag gegründet. Der Clou: Die Autoren sind höchstens 16 Jahre alt.
Laura Widmer
Familie Gloor: Mutter Tiziana, Leandra, Sascha und Selina. (Bild: Hanspeter Schiess)

Familie Gloor: Mutter Tiziana, Leandra, Sascha und Selina. (Bild: Hanspeter Schiess)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Mit elf Jahren schrieb Leandra Gloor ihr erstes Buch. «Kira – Das Geheimnis der magischen Halskette» ist eine Erfolgsgeschichte, über 3000 Exemplare gingen über den Ladentisch. Das schmale Mädchen mit den langen braunen Haaren wird zu Lesungen eingeladen, spricht vor Schulklassen und wurde vom Schweizer Fernsehen porträtiert. Der Erstling der 12-Jährigen wurde noch im Eigenverlag publiziert, mehrere Tausend Franken steckten die ­Eltern ins Projekt der Tochter.

Nun denken die Eltern ­Sascha und Tiziana Gloor einen Schritt weiter: Der Erfolg ermutigte sie, den Kinder- und Jugendbuchverlag (Kiju-Verlag) zu gründen. Dieser richtet sich an Kinder und ­Jugendliche unter 16 Jahren. Sie sollen Geschichten schreiben und diese über eine Lehrperson oder die Homepage einreichen können. Der Folgeroman von ­Leandra wurde in diesem Jahr beim Kiju-Verlag veröffentlicht und ist im Handel erhältlich. Auch ihre zehnjährige Schwester Selina gehört zum kleinen Kreis der Autorinnen. Noch hat der neu gegründete Verlag erst fünf ­Bücher im Angebot: Drei Abenteuerromane und zwei Sammelbände mit Krimis, die in Zusammenarbeit mit Schulklassen entstanden. Sogar der achtjährige Florian hat bereits eine Geschichte von fast sechs Seiten verfasst. Nur Joshua, der Älteste, hat andere Interessen.

Das Alter gegen unten ist offen

Die Philosophie des Kiju-Verlags ist einfach: Jeder soll sich entfalten können und die Möglichkeit haben, ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen: «Auch Kinder sollen publizieren können», sagt Sascha Gloor. Der 44-Jährige ­leitet zwei Lehrmittelverlage in Deutschland und der Schweiz und ist Autor mehrerer Lehrmittel, die 39-jährige Tiziana Gloor ist Primarlehrerin. Neben den Inhabern gehören auch der pensionierte Publizist und Lehrer Reto Schaub sowie Marketingfachfrau Bettina Graber zum Team.

Lehrerinnen und Lehrer nehmen eine Schlüsselfunktion im Buchprojekt des Kiju-Verlags ein. Sie können Manuskripte der Schüler weiterleiten oder mit ihren Schülern Schreibprojekte durchführen. Auch diese werden auf Wunsch vom Verlag organisiert. «Die Schreibkompetenz von Kindern und Jugendlichen ist in den vergangenen Jahren schlechter geworden», sagt Sascha Gloor. Er ist sich sicher, dass er mit dieser Meinung nicht alleine dasteht, und hofft auf einen Gegentrend: «Es soll wieder cool sein, zu lesen.» Der Verlag sucht deshalb den Kontakt zu Lehrpersonen aus der ganzen Deutschschweiz. In einer grossen Briefaktion hat die Familie Gloor Lehrer, Schulpräsidenten und Firmen angeschrieben und für ihr Projekt geworben.

Bücher von Kindern für Kinder seien nicht nur für Jungautoren selbst eine Freude. «Kinder profitieren von dieser Art der ­Jugendliteratur», ist Gloor überzeugt. Es fördere das Interesse an der Literatur und die Lesekompetenz und ermuntere Gleichaltrige, ihre Ideen zu verwirklichen. Jede Geschichte wird, einmal eingereicht, von einem pädagogischen Fachteam beurteilt. Ausschlaggebend sei nicht die korrekte Orthografie. «Gefragt sind gute Einfälle.»

Ein klassisches Autorenhonorar bekommen die Kinder und Jugendlichen nicht. Stattdessen sollen ihnen Erlebnisse in Form von Restaurantbesuchen oder Ferien in der Schweiz mit der ganzen Familie ermöglicht werden. Pro Jahr rechnet Sascha Gloor mit rund 200 eingereichten Manuskripten. Doch was passiert mit Kindern, deren Buch nicht zur Publikation ausgewählt wird? «Wir wollen niemanden enttäuschen», sagt Gloor. Keine Absage werde ohne Begründung verschickt, und jedes Kind soll ein Geschenk erhalten.

Die Anwerbung der Jung­autoren ist das eine. Eine Herausforderung für den noch jungen Verlag sind die Überarbeitungen durch ein professionelles Lektorat. Anders als bei gestandenen Schriftstellern, bei denen bis zu 150 Stunden aufgewendet werden, rechnet der Kiju-Verlag bei den jugendlichen Autoren mit 500 bis 600 Stunden. Es ist eine Zusammenarbeit, kein aufgezwängtes Korsett, betont Sascha Gloor. Rechtschreibung und Logik müssen stimmen, «aber wenn es um den Inhalt geht, reden wir nur mit dem Kind».

Zwölf Bücher im Jahr sind geplant

Der Verlag plant die Veröffent­lichung von maximal zwölf Büchern im Jahr, mit einer Auflage bis 3000 Stück. Mehr sei nicht machbar, ohne an Qualität zu verlieren. Ein Crowdfunding im Internet führte nicht zum erwünschten Erfolg. Stattdessen hat der Kiju-Verlag nun andere Modelle erarbeitet, um Sponsoren und Gönner anzuwerben. Eine Möglichkeit sind Patenschaften von Schulklassen, die dafür jährlich eine Auswahl an Büchern erhalten.

Beide Töchter der Familie Gloor schreiben gerne, Druck gibt es in der Familie aber nicht. Stattdessen zeichnet der Vater das Bild zweier strebsamer Mädchen mit Fantasie, die, statt fern- zusehen, lieber eine Stunde im Zimmer sitzen und ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Diesen Ehrgeiz und Einfallsreichtum traut er auch anderen Kindern zu.

www.kiju-verlag.ch

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