Je älter, desto heiterer

Fred Kurer St. Galler Lyriker Herr Kurer, zweimal lesen Sie (mit Regine Weingart und Arnim Halter) diese Woche unter dem Motto «Von Dublin bis Odessa» im Parfin de Siècle Ihre eigenen Texte.

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Fred Kurer St. Galler Lyriker

Herr Kurer, zweimal lesen Sie (mit Regine Weingart und Arnim Halter) diese Woche unter dem Motto «Von Dublin bis Odessa» im

Parfin de Siècle Ihre eigenen Texte.

Schreiben und Reisen hängen bei mir seit jeher eng zusammen. Für die Lesung wurde ich vom Parfin de Siècle angefragt. Mit dem Titel sind zwei wichtige Orte genannt: In Irland habe ich vier Monate verbracht, und auch nach Odessa zieht es mich immer wieder.

Was zieht Sie an Odessa an?

Es ist die spezielle Atmosphäre dort. Man sieht sehr viele schöne Menschen. Odessa ist aber auch die Stadt mit der höchsten Aids-Rate im Osten. Hier steht übrigens ein Opernhaus, das haargenau dem in Wien gleicht.

Reisen in den Osten prägen

Ihr Leben seit langem.

Ja, ich suche immer wieder nach Osten zu kommen. Mich zieht es dorthin. Auch entlegenere Destinationen, beispielsweise auf dem Balkan, probiere ich mit Bahn und Bus zu erreichen. Reisen ist Abenteuer, und die Langsamkeit des Reisens kommt durchaus auch der Entstehungsweise meiner Lyrik entgegen, welche ich von diesen Reisen mitbringe.

Sie haben bisher acht Lyrikbände veröffentlicht. Was dürfen wir in Zukunft aus Ihrer Feder erwarten?

Lyrik schreibe ich natürlich weiterhin. Im Moment sitze ich an einem Theatertext. Es ist ein Kammerstück, das im weitesten Sinne die Themen jung und alt, gesund und krank behandeln wird.

Sie werden 75 Jahre alt. Wie hat sich Ihre Lyrik in all den Jahren literarischen Schaffens verändert?

Als junger Mensch habe ich keck und unbekümmert geschrieben. Heute ist meine Lyrik bedächtiger, und ich bin kritischer. Je älter ich werde, desto heiterer werden meine Gedichte aber auch. Da spielt deutlich die englische Tradition herein, in der gute heitere Lyrik als wert- und gehaltvoll angesehen wird. Anders als in der deutschen Lyrik, wo allzu Heiteres eher misstrauisch beäugt wird.

Bei Ihren Lesungen spielt auch die Musik immer eine wichtige Rolle.

Meine Lyrik selbst hat etwas Musikalisches. Ich habe Lesungen mit Peter Waters, Lucas Niggli oder Urs C. Eigenmann gestaltet. Im Parfin de Siècle wird Mako Yamazaki am Klavier sitzen. Musik ist aber nie nur Dekoration, sondern soll sich mit den Texten zu etwas Gemeinsamem verbinden.

Hat Lyrik Zukunft?

Sagen wir es so: Lyrik hat immer einen kleinen Platz in der Literatur eingenommen. Das Bedürfnis Lyrik zu schreiben ist aber nach wie vor gross. Ich sitze derzeit in der Jury eines Lyrik-Wettbewerbs und muss mich durch zwei Kilo Lyrik lesen! Ich würde es auf folgende Formel bringen: Das Bedürfnis Lyrik zu schreiben ist viel grösser als das Lyrik zu lesen. Aber das war schon immer so.

Interview: Martin Preisser

Lesungen mit Texten und Gedichten von Fred Kurer (am Klavier: Mako Yamazaki-Boetschi): Mi, 16., und Fr, 18. 2., Parfin de Siècle (Mühlensteg 3, St. Gallen), jeweils 20 Uhr; Infos und Karten: www.parfindesiecle.ch

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