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Interview

BAP in Lichtensteig: «Janz janz höösch!»

«Niedeckens BAP», das Urgestein des Deutschrocks, spielt an den Jazztagen Lichtensteig. Bandleader Wolfgang Niedecken gibt Auskunft.
Sascha Erni
Wolfgang Niedecken mag keine zusammengebauten, als Hit geplante Songs. Bild: Tina Niedecken

Wolfgang Niedecken mag keine zusammengebauten, als Hit geplante Songs. Bild: Tina Niedecken

Wo sind Sie gerade?

Wolfgang Niedecken: Daheim in Köln. Denn wir spielen zurzeit hauptsächlich freitags, samstags, sonntags. Open-Air-Geschichten haben keinen Sinn unter der Woche, die Leute müssen ja arbeiten.

Sie sind die letzten vierzig Jahre mit BAP viel herumgekommen und in Südamerika und China aufgetreten. Hat es Sie je gereizt, woanders als in Köln zu leben?

Oh ja, ich bin viel gereist, mir fehlt eigentlich nur noch Australien, sonst habe ich alles gesehen. Aber Köln ist ein wunderbarer Heimathafen. Von hier breche ich gerne auf, aber man kommt auch immer wieder gerne hierher zurück. Es lässt sich hier aushalten.

Kennen Sie denn das Toggenburg? Sie sind ja schon einige Male im Kanton St.Gallen aufgetreten.

Nein, ich kenne die Gegend nicht wirklich. In Sargans sind wir einmal aufgetreten, aber noch nie im Toggenburg. Wir haben aber oft in der Schweiz gespielt, auch in der Stadt St.Gallen. Es ist für uns oft ein Sahnehäubchen auf der Tour. Der Freizeitwert in der Schweiz ist grossartig, und im Sommer in der Schweiz zu spielen macht Spass. Vor den Jazztagen treten wir am «Heitere Festival» in Zofingen auf, dann bleiben wir gleich im Land. Mal gucken, was wir so machen, vielleicht legen wir uns in einen schönen See.

Sie stehen aktuell mit vielen Musikern auf der Bühne. Wie kam das?

Ja, dieses Mal sind wir zu neunt. Ich hatte in New Orleans mit verschiedenen US-Musikern Songs für ein Solo-Album aufgenommen, mir war dann klar: Ich will ein paar der Songs auch mit BAP spielen, live. Es stellte sich dann die Frage, wie wir die Bläser-Sätze auf die Bühne bringen sollen. Klar, man könnte das auch mit dem Synthesizer simulieren. Aber auf Bühnen wird schon genug gefakt. Also kommen die Jungs mit auf Tour. Die Bläser werden wohl auf Dauer bei uns bleiben und mit BAP auch das nächste Album produzieren. Wir sind wunderbar zusammengewachsen.

Wann können wir denn mit dem nächsten Album nach «Live & Deutlich» rechnen?

Das Album ist in Vorarbeit. Wir haben viel interessantes Material, aber wir lassen uns Zeit dabei. Wir fangen immer relativ früh mit neuen Platten an. Das Album wird wohl 2020 erscheinen. Die nächste Tour ist für 2021 geplant, wir haben also keinen Termindruck. Wir wollen uns wirklich Zeit dafür lassen, das janz janz höösch angehen.

Höösch?

Mit zwei Ö. (lacht) Gemütlich, ohne Zeitdruck, sorgfältig. Vielleicht das schönste Wort im Kölsch.

Wir hier sagen «süüferli» dazu.

Das ist auch ein schönes Wort. (lacht)

Wie entstehen denn neue Lieder typischerweise? Ist das ein Gruppen-Effort?

In diesem neuen Album steckt eine grosse Vorleistung von Ulle (Gitarrist Ulrich Rode, d. Red.), er hat mir die Stücke schon in vorarrangierter Form auf CD gegeben, ich musste sie nur noch betexten. Da liess ich mir Zeit dafür. Seit 40 Jahren nehmen wir mit BAP Songs auf, man will sich ja nicht wiederholen, und man muss auch etwas zu sagen haben. Und nicht kommerziell denken: «Das kommt sicher gut an», und die Songs dann künstlich auf Massengeschmack konstruieren. Auf ein solches Album habe ich keine Lust.

Wie gingen Sie weiter vor?

Ich habe mir Ulles Arrangements angehört und liess das organisch wachsen. Manchmal blieb bei mir ein Ohrwurm hängen. Dann gehe ich damit durch meinen Alltag, und manchmal kommt dann spontan die erste Liedzeile. Texte und Musik gehen an die anderen Musiker, sie können ihre Ideen auch einbringen. Wenn man das schön ­höösch macht, kommt etwas dabei raus, wo auch alle dahinterstehen können.

Was macht diesen BAP-Sound aus?

Wir haben unsere Wurzeln eindeutig in den 60ern. Beatles, Rolling Stones, The Kinks... Hätte es die nicht gegeben, wäre ich wohl nie Musiker geworden. Und diese Wurzeln höre ich bei uns immer noch raus. Als das in den Sechzigern mit den ganzen Bands losging, haben wir instinktiv gespürt, das ist unsere Musik, das können uns die Erwachsenen nicht mehr wegnehmen. Jetzt bin ich 68 und selbst erwachsen geworden. (lacht) Aber in meinem Kopf bin ich noch lange keine 68.

Zur Person

Wolfgang Niedecken ist 1951 in Köln geboren, er wuchs dort auf  – und lebt als einziges BAP-Mitglied noch immer dort. Er gründete zusammen mit Hans Heres 1976 die Kölschrock-Band als Wolfgang Niedeckens BAP, 1981 gelang ihm mit «Verdamp lang her» auch der internationale Durchbruch. Wenn er nicht auf der Bühne steht oder im Studio sitzt, liest Niedecken viel: «Ich bin ein Zeitungsjunkie, ich lese tatsächlich noch täglich Zeitungen und nicht im Internet. Da bin ich Oldschool-mässig unterwegs.» (ser)

Jazztage Lichtensteig

Vom 9. bis 11. August finden zum 31. Mal die Jazztage Lichtensteig statt. Während Niedeckens BAP am Freitagabend den Headliner gibt, übernimmt dies am Samstag Lo&Leduc. Insgesamt treten 27 Formationen auf den fünf Bühnen in der historischen Altstadt auf, inklusive Jam Session im Café Huber sowie Matinee im Postzelt, welche am Sonntagmorgen die Jazztage abschliesst. Tickets sind noch ausreichend vorhanden. (ser)

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