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Stotter-Jazz mit Headbang-Effekt — mit der herkömmlichen Musik hat das nur noch wenig zu tun

Shabaka Hutchings präsentiert mit The Comet Is Coming am Festival Jazznojazz Zürich den Sound der Stunde. Er greift auf spirituellen Jazz zurück und beamt ihn in die Gegenwart.
Stefan Künzli
Shabaka Hutchings mit The Comet Is Coming. (Bild: Jazznojazz)

Shabaka Hutchings mit The Comet Is Coming. (Bild: Jazznojazz)

Wie klingt Jazz, wenn man den in die Jahre gekommenen Stil ins Hier und Jetzt übersetzt? Was bedeutet Jazz heute oder wie klingt Jazz, wenn er erst heute entstehen würde? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich derzeit die brodelnde Londoner Jazzszene, von der sich einige Exponenten am Festival Jazznojazz in Zürich vorstellen konnten. Einer der Aufsehenerregendsten ist sicher der 35-jährige Tenorsaxofonist Shabaka Hutchings, eine extravagante Leitfigur in London.

Der klassisch ausgebildete Musiker mit Wurzeln auf Barbados trat in Zürich mit seinem elektrischen Trio The Comet Is Coming auf. Dabei greift King Shabaka, wie er sich in dieser Band nennt, auf den spirituellen Jazz von John und Alice Coltrane, Pharoah Sanders sowie dem ­Hohenpriester des Afro-Futurismus, Sun Ra, zurück und beamt ihn mit dem Keyboarder Dan Leavers (hier Danalogue) und Schlagzeuger Maxwell Hallet (Betamax) in die Gegenwart. Kennengelernt hat er die beiden Musiker im Hardcore-SynthieDuo Soccer 96.

In The Comet Is Coming wird alles zusammengefügt: Über einfachen Harmonien, brachialen Rock-Rhythmen, digitalen Sounds und ultratiefen Synthiebässen spielt King Shabaka ein hymnisches, ekstatisches Horn mit viel Obertönen, wie wir es vor allem von Pharoah Sanders kennen.

Musik zielt direkt auf den Dancefloor

Doch sein Tenorsaxofon ist an diesem Abend vor allem auch ein Perkussionsinstrument. Er spielt schnelle repetitive Stakato-Muster, die mit Effektgeräten und Zirkularatmung eine tranceartige Wirkung entfachen. Dabei entwickelt sich eine laute, technoide Art Stotter-Jazz mit Headbang-Effekt.

Mit herkömmlichem Jazz hat das freilich nur noch wenig zu tun. Vielmehr ist The Comet Is Coming eine muskulöse, intensive hochenergetische Musik, die sich auf die Traditionen des Jazz bezieht, aber genauso gut an ein Techno- und Electronica-Festival passen würde.

Dafür verzichtet das Trio in Zürich glücklicherweise auf den ­etwas wirren geistigen Überbau mit esoterisch anmutendendem Manifest. Es bleibt die Musik, die mit ihrem körperlichen und euphorischen Sound direkt auf den Dancefloor zielt und uns daran erinnert, dass Jazz auch mal Tanzmusik war. The Comet Is Coming spielen vielleicht die Musik der Stunde.

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