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JAZZ: Zurück aus dem römischen Untergrund

Dank des Atelierstipendiums des Kantons St. Gallen verbrachte der St. Galler Jazzpianist Josquin Rosset drei Monate in Rom. Drei Musiker, die er in der dortigen Jazzszene kennen lernte, hat er jetzt nach St. Gallen eingeladen.
Der St. Galler Jazzpianist Josquin Rosset am heimischen Flügel. (Bild: Urs Bucher)

Der St. Galler Jazzpianist Josquin Rosset am heimischen Flügel. (Bild: Urs Bucher)

Als einen der «attraktivsten Exportartikel der Schweizer Jazzszene» bezeichnete der Deutschlandfunk anlässlich eines Auftritts letzten September in der Beethovenhalle in Bonn das St. Galler Trio Rosset-Meyer-Geiger. Vielleicht könnte der Mitschnitt dieses Konzerts die vierte CD des Trios werden, nach dem wunderbar vielfältigen, sensiblen Album «Drü» von 2016.

Josquin Rosset, der Pianist des Trios, das die Schweizer Jazzszene mit seinen warmen, innovativen Klängen bereichert, weilte von März bis Mai 2017 in Rom. In der kantonalen Atelierwohnung im Stadtteil San Lorenzo. Er hat ein E-Piano nach Rom gezügelt und die Stadt mit dem Velo erkundet. Mit dabei waren seine Frau und die damals zweieinhalbjährige Tochter Lina.

Der Pianist, der in seinen Aufnahmen mit einem singenden, weichen Klavierklang überzeugt, ist in Rom auf eine lebendige, reiche Jazzszene gestossen. «Jazz findet in Rom im Untergrund statt, in Kellern und grossen Räumen von besetzten Häusern», erzählt er. Viel Musik werde in Kollektiven organisiert, und viele Jazzer lebten finanziell an der ganz unteren Grenze.

Rosset, der sich in letzter Zeit mehr für die freie Musik interessiert und die gängigen Jazzstandards hinter sich lässt, ist in Rom auf eine «erstaunlich traditionelle Szene» gestossen. Das hat ihn überrascht. «Das hängt auch damit zusammen, dass es in Rom schwierig ist, als Jazzmusiker Geld zu verdienen. Und wenn man einen der begehrten Jobs in einer der Jazzbars für Touristen ergattern hat, dann sind die perfekten traditionellen Standards gefragt, nicht freie Experimente.»

Jeden Montag Musik für vier Euro

Josquin Rosset hat viel skizziert während seines Atelieraufenthalts, der vom Kanton St. Gallen organisiert und von einer privaten Stiftung mitfinanziert wird. Neun neue Stücke sind entstanden. Ein Stück hat er für das San Lorenzo Jazz Orchestra arrangiert, ein elfköpfiges Ensemble. Jeden Montag spielt dieses für ganze vier Euro in einem besetzten Haus. Am letzten römischen Abend war hier auch Josquin Rosset mit von der Partie.

«Ich bin kein Mensch, der sofort Türen einrennt», sagt der 35-Jährige, der neben seinem Klavierspiel dem Beruf des Elektroingenieurs nachgeht. «Aber die Kontakte, die ich in Rom knüpfen konnte, waren einfach cool.» Zu diesen Kontakten gehört auch das Jacopo Ferrazza Trio, mit dem Rosset morgen im Kult-Bau auftritt. «Die drei sind alle unter dreissig und verströmen beim Spiel eine ganz spezielle Energie.» Mit diesem Auftritt hat der St. Galler Pianist eines seiner Ziele erreicht, das er sich für das Rom-Stipendium gesteckt hat: italienische Musiker nach St. Gallen zu holen.

Ein Stipendium des Kantons – das ist nicht einfach Ferienmachen auf Staatskosten, sondern die wichtige Möglichkeit eines kreativen Freiraums für jeden Kulturschaffenden, der solch einen Atelieraufenthalt bekommt.

Für Josquin Rosset war Rom sehr anregend. Und wenn er von einer speziellen Veranstaltung erzählt, einer Art Impro-Ring, spürt man die Begeisterung darüber, was er in der Ewigen Stadt alles an Jazz entdeckt hat: «Im Impro-Ring wird man eingeladen, ein Set von zwanzig Minuten Länge zu spielen, Bedingung: Es dürfen keine Jazzstandards darunter sein. Für mich ein geniales Erlebnis, diese spezielle Art der musikalischen Gesprächskultur zu erleben und hier mitzumachen.»

Martin Preisser

martin.preisser@tagblatt.ch

Josquin Rosset, Michael Neff, Jonas Knecht und das Jacopo Ferrazza Trio: 23.2., 20 Uhr, Kult-Bau (Konkordiastr. 27), St. Gallen; das römische Trio spielt zusätzlich: Mo, 26.2., 20 Uhr, Bistro Einstein, St. Gallen

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