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Jauchzen über Theaterbizeps

Intermezzo
Hansruedi Kugler

Bravorufe und Standing Ovations sind üblicherweise das Begeisterungsmaximum des hiesigen Theaterpublikums. Ausser im Saal sitzen mehrere Schulklassen! Ja, dann ist der Rest des Publikums schon im Foyer nervös und einige vorsorglich genervt. Man hört das Getuschel: «Die kommen doch nicht freiwillig, quatschen und kichern während der Aufführung und tippen dazu auch noch ihre Livekommentare ins Handy.» Oh weh, der sublime Kunstgenuss scheint akut bedroht! Manchmal ärgert man sich tatsächlich. Aber ich schmunzle jeweils – und stelle mir in diesen Momenten das grölende Publikum in Shakespeares Globe Theatre vor: Da wurde jede Szene lautstark kommentiert, im Stehplatzparkett Picknick abgehalten, bei Missfallen flogen die Essensreste auf die Bühne.

Und nun dies: Da übertreffen die Jugendlichen das Begeisterungsmaximum im Theater St. Gallen. Stand doch der schweissnasse Tänzer Alberto Terribile mit nacktem Oberkörper nach der ohnehin wunderbaren «Schlafes Bruder»-Aufführung für den Schlussapplaus auf der Bühne, und wurde empfangen mit herrlich ungestümem Teenagerkreischen. Verständlich, denn der junge Mann hat sämtliche Qualitäten eines Mädchenschwarms: mit seinem südländischen Teint, den rabenschwarzen Haaren und vor allem mit seinem muskulösen Körper. Und dann heisst er auch noch Terribile, also der «Schreckliche» – das muss ja Atemnot und Gänsehaut geben! Hätte das Theater St. Gallen ein leicht frivoles Jugendmagazin à la «Bravo», es müsste den jungen Mann als Poster-Boy zum Rausnehmen ins Magazin hieven – für die unzähligen Mädchenzimmer, als Wandschmuck und Ersatz für Justin Bieber. Gerne mehr solcher ungestümer, direkter Publikumsreaktionen! Ein paar Buhs und ein paar Jauchzer tun dem Theater und seinem Publikum gut.

Hansruedi Kugler

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