James Salter, der vergessene Held

So bekannt wie Philip Roth oder John Updike war er nie. Jetzt ist der bei der Kritik hoch angesehene James Salter nur wenige Tage nach seinem 90. Geburtstag gestorben.

Christina Horsten, dpa
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James Salter (Bild: ap/Ed Betz)

James Salter (Bild: ap/Ed Betz)

Wenn es nach der «New York Times» geht, hat James Salter alles erreicht. «Sein Ruf ist ihm sicher», schrieb die Zeitung 2013 kurz nach dem Erscheinen seines Romans «Alles, was ist» und lobte den Autor in den «Mount Rushmore für Schriftsteller» in Anlehnung an das monumentale Präsidentendenkmal.

«Die Pferde durchgegangen»

Solche Anerkennung war dem nüchternen Salter fremd. «Dieses Mount-Rushmore-Ding. Da sind wohl ein bisschen die Pferde mit der <New York Times> durchgegangen», sagte er. «Das ist aufgeblasen.»

Vor rund einer Woche hatte Salter in seinem Häuschen nahe New York noch seinen 90. Geburtstag gefeiert, mit einem von seiner Frau gekochten Essen und einer Feier mit 22 Gästen. Er habe immer leben wollen, bis er 92 sei, hatte er einmal gesagt – aber dieser Wunsch sollte ihm verwehrt bleiben. Am Freitag starb der Autor ganz plötzlich während eines Termins bei seinem Physiotherapeuten.

«Ich bin, was ich bin»

Die Kritiken waren mit den Jahren immer besser geworden. «Er kann, wenn er will, mit einem Satz dein Herz brechen», schrieb die «Washington Post» einmal. «Alles, was ist», die Geschichte eines Kriegsveteranen und Lektors, dessen Leben aus den Fugen gerät, wurde geradezu frenetisch gefeiert. Sein eigenes Leben erinnerte ein wenig an das des «Alles, was ist»-Protagonisten Philip Bowman. Auch er war beim Militär und wechselte dann in die Literaturwelt, allerdings als Schriftsteller. Mit seinen ersten Romanen «Ein Spiel und ein Zeitvertreib», «In der Wand» und «Lichtjahre» feierte er in den 50er-, 60er- und 70er- Jahren grosse Erfolge und schrieb ausserdem erfolgreich, wenn auch ungern, Drehbücher für Hollywood.

Trotz allen Lobs hat es Salter nie in die allererste Reihe der US-Schriftsteller geschafft. Der britische «Guardian» bezeichnete Salter als den «vergessenen Helden der US-Literatur». Damit habe er sich abgefunden, sagte Salter. «Ich bin, was ich bin.»