Ist das Kunst oder kann das weg? In Konstanz entscheiden Galerie-Besucher über Top oder Flop

In der Rathaus-Galerie Konstanz kann das Publikum aussortierte Kunstwerke bewerten. Die Organisatorin Eli Brüning sagt, wie sie auf diese aussergewöhnliche Idee gekommen ist und warum es 20 Jahre dauerte, bis diese Ausstellung zustande kam. 

Interview: Marion Loher
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Eli Brüning, Konstanzer Künstlerin und Organisatorin der Ausstellung «Top oder Flop». (Bild: PD)

Eli Brüning, Konstanzer Künstlerin und Organisatorin der Ausstellung «Top oder Flop». (Bild: PD)

Die Ausstellung «Top oder Flop» zeigt Werke, die aus Sicht der Künstlerinnen und Künstler nicht gelungen sind. Kann eine solche Ausstellung überhaupt ein Erfolg werden?

Eli Brüning: Aber sicher, schliesslich sind nebst den Werken, welche die Kunstschaffenden als nicht gelungen bezeichnen, auch solche zu sehen, die gelungen sind. Ausserdem haben die Besucherinnen und Besucher noch ein Wörtchen mitzureden.

Inwiefern?

Jeder Künstler, jede Künstlerin zeigt zwei Werke. Das eine ist gelungen, das andere nicht. Die Besucher können die Werke im Laufe der Ausstellung mit einem Daumen hoch oder einem Daumen runter bewerten, was allerdings nicht unbedingt mit der Meinung des Künstlers übereinstimmen muss. Die Bewertungen werden dann zusammengezählt und an der Finissage präsentiert. Vielleicht wird mancher Flop so zum Top.

Wie sind Sie auf diese aussergewöhnliche Idee gekommen?

Immer wieder finden Künstler mit ihren Werken keinen Platz in Ausstellungen. Für sie ist dies dann ziemlich enttäuschend. Vor knapp 20 Jahren habe ich mit meinen Papierarbeiten an einer Ausstellung des Kunstvereins Konstanz teilgenommen. Damals meinte ein Künstler, dessen Werke aussortiert wurden, dass man denen jetzt eigentlich eine eigene Ausstellung widmen sollte. Das fand ich auch – und die Idee war geboren.

Weshalb dauerte es so lange, bis Sie die Idee umsetzen konnten?

Ich musste bei den Künstlerinnen und Künstlern sehr viel Überzeugungsarbeit leisten. Zu Beginn stiess ich vorwiegend auf taube Ohren, kein Künstler wollte seine abgewiesenen oder nicht gelungenen Arbeiten einer Öffentlichkeit zeigen.

Wo landen solche aussortierten Werke normalerweise?

Meistens kommen sie in den Keller, verstauben unter dem Bett, werden sofort zerstört oder einfach übermalt.

Wie konnten Sie die Künstler für Ihre Ausstellung gewinnen?

Ich habe ihnen gesagt, dass es für die Öffentlichkeit durchaus interessant sein kann, einmal Werke zu sehen, die sie eigentlich nicht zu Gesicht bekommen sollte. Selbstverständlich erfordert dies viel Mut von den Künstlern, das ist mir bewusst. Die Ausstellung hat aber auch Potenzial für Überraschendes, weil das Publikum am Schluss mitentscheidet.

Wie viele Künstlerinnen und Künstler machen mit?

Von den insgesamt 40 angefragten Kunstschaffenden haben 18 zugesagt. Sie kommen sowohl aus Deutschland als auch aus der Schweiz. Gezeigt werden unterschiedliche Werke, hauptsächlich aber Bilder, Skulpturen und Fotografien.

Organisiert wird die Ausstellung vom Künstlerzirkel «Die Eule, Baden-Thurgau», den Sie vor 22 Jahren gegründet haben. Welche Ziele verfolgt der Zirkel?

Der Künstlerzirkel ist kein Verein, sondern eine Gruppierung. Sie ist offen für alle, die Interesse und Freude an Kunst und Kultur haben. Wir treffen uns jeden letzten Freitag im Monat, um über Kunst, Kultur und andere Themen zu reden sowie gemeinsame Ausstellungen zu realisieren. Jede Ausstellung bekommt ein bestimmtes Motto, das jeder Künstler in seinen Werken dann umsetzen muss. Seit Beginn des Künstlerzirkels haben wir schon viele verschiedene Ausstellungen gemeinsam durchgeführt.

Das Publikum kann bei «Top oder Flop» Bilder bewerten. Wie interaktiv muss heute eine Ausstellung sein, um Erfolg zu haben?

Das Interesse für die Kunst kann eher geweckt werden, wenn der Besucher in die Ausstellung mit einbezogen wird. Es genügt heute nicht mehr, einfach Bilder aufzuhängen oder Skulpturen aufzustellen. Das ist zu steril, der Besucher will etwas erleben. Daran muss sich aber noch so manch Kunstschaffender gewöhnen.

Fr, 30.8., 19 Uhr: Vernissage
Mo–Fr 8–17 Uhr
Di, 24.9., 19 Uhr: Finissage