ISKIN: Tätowierte Fernbedienung

Finger, Knöchel und Muttermale werden zu Steuerelementen: Forscher haben ultradünne, elektronische Tattoos zur Bedienung von mobilen Endgeräten entwickelt.

Martin Vieweg
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Bereits 2015 haben deutsche Entwickler um Jürgen Steimle von der Universität des Saarlandes gezeigt, dass sich die menschliche Haut als Eingabefläche für mobile Geräte eignet: Gemeinsam mit US-Forschern hatten sie aus flexiblem Silikon und leitfähigen Elektrosensoren das System iSkin entwickelt: berührungsempfindliche Sticker für die Haut. Das Konzept eignet sich jedoch nur für bestimmte Körperstellen, da es eine relativ ebene Fläche erfordert. Zudem sind die Sticker vergleichsweise gross.

«Wir wollten nun Körperstellen nutzbar machen, an denen zuvor keine Interaktion möglich war», erläutert Martin Weigel. Dieses Ziel stellte eine grosse Herausforderung dar: «Es ist sehr kompliziert, Elektronik präzise auf der Haut zu platzieren und dann noch so, dass sie sich an Knochenstrukturen wie die Fingerknöchel oder Mikrostrukturen wie Falten anpasst», so der Informatiker.

iSkin zu Skin-Marks weiterentwickelt

Doch offenbar ist ihnen das Vorhaben geglückt: Gemeinsam mit Alex Olwal vom US-Konzern Google fanden Weigel und seine Kollegen die richtige Kombination von leitfähiger Tinte und Druckverfahren, um die Leiterbahnen und Elektroden so kompakt und so dünn wie möglich auf ein Tattoo-Papier zu drucken. Schliesslich konnten die Forscher das Tattoo dünner als ein Haar herstellen und damit ermöglichen, dass es sich über die Fingerknöchel legt und Falten erfasst. Gleichzeitig ist es aber auch so flexibel, dass es Stauchung und Streckung mitmacht.

Skin-Marks nannten die Forscher ihre neue Entwicklung. Die E-Tattoos werden unter Verwendung von Wasser auf die Haut übertragen – nach wenigen Tagen lösen sie sich wieder ab. Im Labor benötigen die Wissenschafter 30 bis 60 Minuten, um ein solches Tattoo zu drucken. «Das geht aber auch noch schneller. Wir sind davon überzeugt, dass in Zukunft jeder sein eigenes E-Tattoo in weniger als einer Minute auf einem handelsüblichen Drucker anfertigen kann», erklärt Jürgen Steimle.

Der besondere Vorteil des Skin-Marks-Systems ist die Vertrautheit der Nutzer mit ihrem eigenen Körper: «Wenn du den ersten Fingerknöchel deiner linken Hand drücken musst, weisst du ganz intuitiv, wo sich dieser befindet», erklärt Weigel. Bei Tests des Systems klebten die Forscher auf die Innenseite des Zeigefingers von Probanden ein E-Tattoo, das über ein leitendes Kupferklebeband mit einem Minicomputer verbunden war. War der Finger ausgestreckt, konnte der Träger mit einem anderen Finger über das Tattoo streichen, um einen Musikspieler zu bedienen. Drückte der Nutzer auf eines der drei Segmente des Tattoos, konnte er das aktuelle Lied stoppen. Sogar Muttermale eignen sich als Sensorfläche.

Martin Vieweg

wissenschaft.de