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Irritierende Lebensmomente

Die St. Galler Künstlerin Beatrice Dörig zeigt in der Galerie der Klubschule Migros mit «Innerhalb meiner Zeit» Arbeiten der letzten beiden Jahre. Gesellschaftliche wie private Themen geraten hierbei zu einem überpersönlichen Bilderkosmos.
Martin Preisser
Beatrice Dörig vor ihrer Arbeit «Raubtier in der Stadt. Ein Kojote wandert durch den Griffith Park, L. A.» (Öl auf Leinen). (Bild: Ralph Ribi)

Beatrice Dörig vor ihrer Arbeit «Raubtier in der Stadt. Ein Kojote wandert durch den Griffith Park, L. A.» (Öl auf Leinen). (Bild: Ralph Ribi)

Viele Bilder präsentieren sich in Beatrice Dörigs Ausstellung als Bild-Paare. Fast alttestamentarisch strecken sich die Körper gen Himmel, als der Armeehelikopter abfliegt, die Menschen fliehen vor den Fluten im Panjab. Daneben stürmen, teilweise mit panischem Ausdruck, Mädchen zu einer Castingshow. Beide Themen haben nichts miteinander zu tun, und doch spürt man beim längeren Hinschauen geheimnisvolle Parallelen, so, als ob sich unter den Pinselstrichen der Künstlerin die Motive annäherten. «In meinen Arbeiten reflektiere ich mein Verhältnis zur Zeit, in die ich hineingeboren wurde», sagt Beatrice Dörig, die 2011 einen Werkbeitrag der Stadt für ihr Projekt «Innerhalb meiner Zeit» erhielt.

In der Notschlafstelle

Das Ergebnis hängt jetzt in dieser Ausstellung. Ein anderes Bilderpaar zeigt Männer beim Tischfussball, direkt und mit ihren vollen Emotionen eingefangen. Erst der Bildtitel verrät: Es ist eine Notschlafstelle an Weihnachten. Und die Bildlegende des Pressebildes, das Beatrice Dörig in Kunst umgewandelt hat, dient auch gleich als Titel des Gemäldes: «Der Stolz nimmt nur langsam ab.»

Daneben hängt ein Bild mit zwei Kindern beim Auspacken der Weihnachtsgeschenke. Eines ist Beatrice Dörig. Fröhlich wirkt die Szene nicht. Privates wie Gesellschaftliches – die Künstlerin malt Erinnerungsbilder oder Bilder aus Medien und gibt ihnen nicht selten eine leicht irritierende, beunruhigende Note. Kinder am Meer auf dem einen, Arbeiter beim Dekontaminieren am Meer auf dem andern: Unschuld neben der Härte des Lebens. Sie bannt spezielle Momente auf ihre Ölbilder, die, persönlich ausgewählt, doch eine überpersönliche Sprache sprechen und zusammen einen stimmigen Kosmos aktuellen Lebensgefühls ergeben. Die Künstlerin lädt subtil ein zum Eintauchen in Bildwelten, die auf den ersten Blick dokumentarisch sind, aber sofort eigene Erinnerungen und Emotionen hervorrufen. Die Momentaufnahmen unserer und von Dörigs Welt entwickeln sich zu bisweilen auch intensiven Anregern, die den Augenblick des Bildes zu neuen Geschichten erweitern können.

Unter der Autobahn

Idylle herrscht hier nie vor, oder nur ganz an der Oberfläche. Das Picknick unter einer chinesischen Autobahnbrücke oder das familiäre Osteressen in der Schweiz rücken da auch mit seltsamer Zwangsläufigkeit zusammen.

Einen besonders interessanten bildnerischen Ausdruck findet Beatrice Dörig in Bildern, die – fast filmisch gedacht – Momente gleich einem Blick aus dem Zugfenster verschwommen, also als kurzen Zeitstrahl vorüberziehen lassen. Hier scheinen sich wie symbolisch verschiedene Wirklichkeitsebenen, das Gesehene, das Gefühlte, das Erinnerte zu überlagern. Beatrice Dörig sagt, es gehe ihr um den Menschen und seinen Umgang mit der schleichenden Veränderung der Natur, im Alltag und durch Katastrophen. Dieses Thema löst die Künstlerin sehr gekonnt ein.

Bis 21. Oktober. Galerie Klubschule Migros (Bahnhof St. Gallen, 1. OG); Mo–Fr 8–22 Uhr, Sa + So 9–16 Uhr

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