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Interview

Intendant Michael Haefliger nach dem Aus des Luzerner Oster- und Pianofestivals: «Ich verspreche mir sogar mehr Festival»

Luzern verliert mit dem Oster- und dem Piano-Festival zwei Festivals mit treuen Besuchergruppen. Aufgewertet werden soll dafür – auch mit Wochenenden im Frühling und Herbst – der international ausgerichtete Sommer.
Urs Mattenberger
Erklären den lange diskutierten Entscheid: Hubert Achermann, Stiftungsratspräsident Lucerne Festival (links), Intendant Michael Haefliger. (Bild: Roger Grütter, Luzern, 7. Mai 2019)

Erklären den lange diskutierten Entscheid: Hubert Achermann, Stiftungsratspräsident Lucerne Festival (links), Intendant Michael Haefliger. (Bild: Roger Grütter, Luzern, 7. Mai 2019)

Lucerne Festival gab am Dienstag bekannt, dass es sich stärker auf das interna­tional erfolgreiche Sommer-Festival ­fokussieren will und deshalb das Oster- und Piano-Festival einstellt.

Intendant Michael Haefliger und Stiftungsrats­präsident Hubert Achermann begründen den lange und intensiv diskutierten Entscheid.

Dass Lucerne Festival seine beiden Nebenfestivals einstellt, wirkt wie eine Sparübung. Hat die viel befürchtete Festival-Krise jetzt auch Luzern erreicht?

Michael Haefliger: Nein. Im Gegenteil, das letzte Osterfestival war auch publikumsmässig ein grosser Erfolg – für uns, die wussten, dass es das letzte sein würde, war das ein schöner Abschluss. Ostern und Piano erreichten zwar nie ganz die Auslastung des Sommers, sie blieb aber mit geringen Schwankungen auf hohem Niveau stabil.

Hubert Achermann: In der Wirtschaft würde man in einem solchen Fall von Allokation sprechen: Die Ressourcen werden jenem Bereich zugeordnet, der am effizientesten ist. Und das ist im Fall von Lucerne Festival eindeutig der Sommer. Natürlich werden wir versuchen, diesem bisherige Sponsorenbeiträge an Piano und Ostern zuzuführen.

Aber wie effizient ist es, Festivals einzustellen, die beim Publikum doch Erfolg haben?

Haefliger: Seit der Eröffnung des KKL hat sich das Umfeld stark geändert. Mit dem Piano-Festival und der Verlagerung eines Teils des Osterfestivals ins neue KKL leistete Lucerne Festival einen Beitrag an dessen Auslastung. Inzwischen haben die Veranstaltungen in einem Mass zugenommen, das man nicht erwarten konnte – von den Obrasso-Konzerten bis zum grossen Erfolg des Luzerner Sinfonieorchesters. Damit machen Kurzfestivals während der Saison kaum noch Sinn. Ich glaube sowieso, dass dieses Format ausgedient hat, bei dem man ein Festivalfieber eine Woche lang aufbaut – und dann ist schon wieder Schluss.

Achermann: Der Hauptgrund ist, wie gesagt der, dass wir unsere Energien auf den Sommer konzentrieren wollen. Mit den internationalen Spitzenorchestern, dem Lucerne Festival Orchestra und der Academy sowie neuen Formaten prägt er viel durchschlagender den internationalen Ruf des Festivals. Das bestätigen auch Umfragen bei Publikum und bei den Sponsoren. Für sie alle ist Lucerne Festival vor allem der Sommer.

Auch deshalb, weil Ansätze, Ostern und Piano mit neuen Formaten und Inhalten aufzuwerten, jeweils im Sand verliefen. Wieso wurde der Piano-Tastentag nie zum reichhaltigen Erlebnistag wie im Sommer?

Haefliger: Wir haben solche Transfers versucht. Aber Formate, die im vierwöchigen Festivalsog bestens funktionieren, zeigten an Ostern oder am Piano nicht dieselbe Anziehungskraft. Das gilt auch für die Moderne. Wir haben es etwa an Ostern mit einer Rihm-Uraufführung oder einem Messiaen-Programm in der Franziskanerkirche versucht. Aber dafür bringt das Publikum an einem einwöchigen Osterfestival nicht dieselbe Neugier wie im Sommer mit.

Achermann: Dass sich an Ostern und am Piano weniger bewegt hat als im Sommer, hing auch mit unseren beschränkten Personal-Ressourcen zusammen. Im Sommer haben wir ja in den letzten zwanzig Jahren fast ständig Neuerungen eingeführt – vom Festival-Orchester bis zu den 40min-Gratisveranstaltungen. Damit absorbiert die Planung des Sommers immer mehr Energie. Weil auch diese Ressource beschränkt ist, waren die Nebenfestivals nicht mit demselben Elan zu bewältigen.

Als Ersatz für die gestrichenen Festivals führt Lucerne Festival zwei Wochenenden im Frühling und Herbst durch. Wie viel Sommer-Elan ist da drin?

Achermann: Auf jeden Fall werden diese Wochenenden mehr als ein paar Standardkonzerte bieten. Schon deshalb, weil da die Festival-Academy und -Alumni, die im Sommer viele Sonderprojekte ermöglichen, eng in die Planung einbezogen werden – wie später auch Mitglieder des Festival-Orchesters.

Haefliger: Ich kann mir vorstellen, dass da sogar thematische Projekte möglich sind, wie man sie jetzt vielleicht an Ostern erwartete. Das Oster- und das Piano-Festival empfand ich auch als eine Art Korsett mit der Beschränkung auf Klavierrezitals, die man auch im Sommer bringen kann, und mit den Erwartungen an ein geistliches Festival, was bei uns immer zu langen Diskussion geführt hat. Insofern erhoffe ich mir von den Wochenenden auch mehr Freiheit und Inspiration – kurz: sogar mehr Festival.

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