Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Intelligent einschläfernd

Elastische Beats und warmherzige Gitarren – die Berner Band Schöftland macht keinen Sound für Mallorca.
Albert Kuhn
Spielt gerne melancholische Lieder: Die Berner Band Schöftland. (Bild: pd/Mark Nolan)

Spielt gerne melancholische Lieder: Die Berner Band Schöftland. (Bild: pd/Mark Nolan)

Warum soll sich eine Berner Band nicht Schöftland nennen? Vielleicht hatten sie da mal einen Platten? Jedenfalls schafft es mit diesem Album ein Dorf ohne globale Ausstrahlung auf unsere mentale Landkarte. Wenn das die Alemannen gewusst hätten, die sich im 7. Jahrhundert an der Suhre tummelten! Zuerst konnten sie den Dorfnamen nicht richtig buchstabieren: Schofftellan, Schoflach, Schopflanc, Scheftlan, Schöfftland und Schöftland wurde es genannt. Schliesslich – und hier kommen die Berner ins Spiel – wurde der Aargau 1415 von den Eidgenossen erobert. Und 1528 wurde Schöftland zwangsreformiert. Und nochmal 575 Jahre später gibt's die westliche Popmusik.

Klingt wie untergehende Galaxie

Ein elastischer Beat, eine warmherzige Gitarre, ein Bass und eine intime, etwas schleppende Stimme bilden ein melancholisches Ensemble: «Wenn es läuft», der erste Song. Der Sänger beobachtet Kleinigkeiten, sieht Dinge, die laufen, und welche, die's nicht tun. Die Musik wird leiser, eine Gitarre meldet sich an, fängt an zu brummen, wird gleissend schärfer, es klingt brausend nach Galaxienuntergang, dann bricht das Getöse ab. Und ist wieder in den milden Gefilden desselben Songs.

Die Band schiebt einige Rocker ein, aber die allgemeine Atmosphäre ist gedämpft, wattiert, fast andächtig. Würde plötzlich ein Partykracher vom Stapel gelassen, würde das Publikum schreiend in die Wälder rennen. Schöftland können sicher sein, dass sie nie auf Mallorca oder Ibiza gespielt werden. Die Band wurde 2005 gegründet, 2007 erschien «Nur Touristen», ihre erste EP. Dann packten sie ihren Karsumpel und dampften als «Citynightline-Tournée» nach Hamburg. Auf dem Heimweg spielten sie – nicht faul – in zwölf Kneipen und Kaschemmen.

Es gibt ein zartes Problem mit Schöftland: Floh, der Sänger, singt und intoniert fast identisch wie Sven Regener von Element of Crime aus Berlin. Ginge das nicht anders? Deutsch singen ist cool, aber deutsch und ganz ähnlich intonieren wie jemand anders – da versetzt man sich selbst in die zweite Reihe. Was uns Schöftland vorstellen, ist Melancholie, Jahrgang 1985 – das Gründungsjahr von Element of Crime. Wenn sich Schöftland aus der Regener'schen Komfortzone etwas entfernen könnten?

Hochadel eilt zu Hilfe

Die meisten Verse auf dem Album starten flott und fleissig – schlafen aber auf dem Sofa ein. Dies aber hochintelligent: «Hinter jedem Berg / stehen wieder neue. Und zuoberst auf der Liste steht die Reue. Dass man nicht alles kann und noch so vieles wär und auch nicht dann und wann, auch nicht, wenn man schneller wär.» Und in «Jetzt Muss Es Einfach Schnell Gehn» hat der Sänger eine eigene Form gefunden. Mit Hilfe des deutschen Hochadels in Form von Sängerkollege Gysbert von Knyphausen. Kein Witz.

Schöftland: Schöftland. Chop Records **** Live: Plattentaufe am Sa, 3.11., im El Lokal in Zürich

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.