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INSZENIERUNG: Auf den Hund gekommen

Im Schauspielhaus Zürich zeigt der aus Lettland stammende Starregisseur Alvis Hermanis die Bühnenfassung des Romans "Das hündische Herz".
Brigitte Schmid-Gugler
Assistenzarzt (Körber) und Magd (Flück) halten den enthemmten Lumpikow in Schach. (Bild: Tanja Dorendorf)

Assistenzarzt (Körber) und Magd (Flück) halten den enthemmten Lumpikow in Schach. (Bild: Tanja Dorendorf)

Brigitte Schmid-Gugler

Der Romanstoff des russischen Arztes und Schriftstellers Michail Bulgakow spielt zu Stalins Zeiten und bildet gleichzeitig eine fast prophetische Vorahnung ab der realen Gegenwart. Es wird gezüchtet, geklont, trans- und implantiert, gentechnisch experimentiert.

Ein angesehener Arzt, Spezialist im Dauer-Straff- und Steifsektor, ist im Begriff, seinen letzten Traum zu verwirklichen. Er will einen «neuen Menschen» kreieren und verpflanzt Hoden und Hirnanhangdrüse eines Verstorbenen in einen Strassenköter. Der Hund verwandelt sich in eine Art Zwitterwesen und mutiert zum ungehobelten Flegel. Der Roman aus dem Jahr 1925 wurde sofort verboten, das Werk konfisziert. Der Lyriker und Übersetzer Alexander Nitzberg legte vor vier Jahren eine neue deutschsprachige Übersetzung vor.

Ein Ensemble der unaufgeregten Sorte

An diese hält sich Alvis Hermanis bei seiner Inszenierung «Hundeherz»; zuletzt war der Regisseur vor einem Jahr mit «Madame de Sade» zu Gast am Schauspielhaus Zürich. Der Mann liebt es, in Abgründe zu schauen. Doch ist er einer dieser Virtuosen im Sprechtheater, die dazu nur die Andeutung benötigen und verzichten auf Haudegengeschwurbel. Die Bühne – auch sie ist von Hermanis entworfen – besteht aus Elementen, die, zusammengefügt oder auseinandergeschoben, Warte-, Sprech- und Esszimmer, Salon, Operationssaal und Vestibül ergeben.

Professor Filippowitsch – in der Person des grossartigen Schauspielers Robert Hunger-Bühler – ist ein grauhaarig-zerzauster Anhänger des Zarenreichs, der weder mit dem Proletariat noch mit der neuen kommunistischen Hausverwaltung zugange kommt. Ihm zur Seite der auftoupierte Assistent Doktor Bormenthal (Claudius Körber), ein drahtiger Weisskittel mit Hang zum Übereifer. Darja (Vera Flück) als üppig gebaute Magd dient an beiden Tischen. Am einen wird Fleisch verzehrt. Am andern welches seziert. Das bizarre Prozedere findet unter luftigen weissen Tüchern fast geräuschlos statt und gleicht einer märchenhaften Pantomime.

Der "neue Mensch" wird zum Monster

Im Halbdunkel protokolliert Bormenthal, wie sich aus dem Hund Lumpi das Wesen Lumpikow schält: Fritz Fenne – begeisterter Applaus für ihn – ist ein affiges Monster, hündisch hechelnd, tierisch fressend, menschlich geifernd. Es bespringt die Magd und pinkelt ans Tischbein. Es kennt nicht den Wortschatz eines gebildeten Menschen, sondern den eines Unterhundproleten. Ein Albtraum für den Magier Filippowitsch. In vier Akten reiht Alvis Hermanis die Komödie auf die Schnur seiner Übertragungskette, filtert aus dem Roman die sprachliche Essenz für die holzschnittartigen Bilder. Das sinfonische, chorische und solistisch eingespielte Opern- und Liedrepertoire hebt das Stück in eine moralinfreie Leichtigkeit.

Weitere Vorstellungen bis 3. April im Schauspielhaus Zürich

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