INNOVATION: Ein Leuchtkleid für die Dietrich

Marlene Dietrich träumte von einem Kleid, das leuchtet, und war damit ihrer Zeit voraus. 25 Jahre nach ihrem Tod hat St.Galler Technologie diesen Traum für eine Arte-Dokumentation jetzt wahr gemacht.

Anina Frischknecht
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Marlene konnte davon nur träumen: Zu ihrem 25. Todestag wurde das Kleid zum Leuchten gebracht. (Bild: PD)

Marlene konnte davon nur träumen: Zu ihrem 25. Todestag wurde das Kleid zum Leuchten gebracht. (Bild: PD)

Anina Frischknecht

anina.frischknecht@tagblatt.ch

Singen konnte Marlene Dietrich eigentlich nicht. Und das wusste sie selber nur zu gut. «Die Kleider müssen es rausreissen», schrieb sie ihrem Chefdesigner Jean Louis und schilderte ihm dann das Kleid, das er als nächstes für sie entwerfen soll. «Ich will ein Kleid, das leuchtet. Dann kann ich nach Belieben erstrahlen und das Publikum verblüffen.» Das war 1958. Die 52-jährige Filmdiva war sich gewohnt, zu bekommen, was sie wollte. Aber ein Kleid, das leuchtet, blieb damals auch für die Dietrich unmöglich.

25 Jahre nach ihrem Tod lassen nun Lisa Lang und Anja Dragan, zwei junge Modemacherinnen aus Berlin, Marlenes ehrgeizigen Traum vom elektrischen Blumenkleid wahr werden.

Licht im Stoff

Lang und Dragan haben sich auf Electrocouture spezialisiert. Ihr junges Mode-Start-Up verbindet Technik und Fashion und designt mit Material, von dem Marlene Dietrich vor sechzig Jahren nur träumen konnte: leuchtendem, blinkendem Stoff.

Für eine Dokumentation des Fernsehsenders Arte anlässlich Marlene Dietrichs 25. Todestag am Samstag, arbeiteten Lang und Dragan und ein Team von zehn Fashiondesignern drei Wochen lang unermüdlich an Dietrichs Traumkleid. Die vielen Briefe, Skizzen und Schaltkreispläne, die ihnen aus dem persönlichen Fundus Dietrichs zur Verfügung standen, zeigen: Die Filmdiva wusste schon vor sechzig Jahren genau, wie ihr Leuchtkleid auszusehen hatte: Es sollte transparent sein und rosa Blumenranken sollten sich dicht um ihren Körper winden. Es sollten Hunderte Kristalle glitzern. Und es sollte leuchten. Die vielen Kabel wollte Dietrich in den Ranken versteckt haben. Und auf der Bühne wünschte sie einen Kontaktpunkt, auf den sie treten könnte, um den Stromkreis zu schliessen. Wie so oft, war Marlene Dietrich ihrer Zeit viel zu weit voraus. Erst vor ungefähr fünf Jahren gelang nämlich die erste Verbindung von Licht und Textil, in Form eines leitfähigen Stoffs. Verantwortlich für diese High-Tech-Errungenschaft ist das St. Galler Stickereiunternehmen Forster Rohner. Bis lang die einzige Firma weltweit, die Stoff leuchten lassen kann.

St. Galler Firma lässt Marlenes Kleid leuchten

Die beiden Modemacherinnen Lang und Dragan nutzten den innovativen Stromkreisstoff von Forster Rohner schon zuvor. Für die Realisierung von «Marlenes letztem Kleid» sind sie aber nochmals in die Ostschweiz gereist. «Für Marlenes Kleid haben wir kleine Stromkreise ins Textil gestickt. Darin integriert sind LED-Lichtchen, die, versteckt unter speziell dafür angefertigten Swarowski-Kristallen, funkeln und leuchten», sagt Jan Zimmerman Leiter von Forster Rohner Textile Innovations. Ein Mini-Computer, am Rücken getragen, ergänzt den Stromkreis. Intelligente Sensoren lassen die Lichter, wenn gewünscht, auch noch im Takt der Musik erblinken.

Ab morgen reist Marlene Dietrichs leuchtendes Traumrobe in verschiedenen Ausstellungen um die Welt. Und bald soll das leuchtende Blumenkleid auch als Ready-to-wear-Version zu erwerben sein.

So, 7.5., 11.10 Uhr, auf Arte, www.elektrocouture.com