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Indonesiens Vergangenheit auf der Buchmesse

Indonesien, diesjähriger Ehrengast der Frankfurter Buchmesse vom 13. bis 18. Oktober, stellt in der kommenden Woche sein Programm vor. Ein Thema wird die dunkle Vergangenheit des Landes sein, die nach dem Putsch von 1965 Hunderttausenden das Leben kostete.
Thomas Maier/dpa

Indonesien, diesjähriger Ehrengast der Frankfurter Buchmesse vom 13. bis 18. Oktober, stellt in der kommenden Woche sein Programm vor. Ein Thema wird die dunkle Vergangenheit des Landes sein, die nach dem Putsch von 1965 Hunderttausenden das Leben kostete.

Es sind mehrere Bücher von Frauen, die auf der Kulturbühne dem eigenen Land den Spiegel vorhalten. «Die Massaker von 1965 gehören zu den grössten politischen Genoziden im 20. Jahrhundert», sagt die Schriftstellerin Laksmi Pamuntjak in Jakarta. Bis heute wird in Schulbüchern erklärt, das Militär sei mit seinem blutigen Putsch nur einem Staatsstreich der Kommunisten zuvorgekommen.

«Alle Farben Rot»

In ihrem im September bei Ullstein erscheinenden Roman «Alle Farben Rot» widmet sich die 43 Jahre alte Pamuntjak den Folgen von 1965 in einem grossen Epos. Eine Frau sucht Jahrzehnte später nach ihrem Geliebten, der 1965 auf die berüchtigte Gefangenen-Insel Buru verschleppt wurde. In Indonesien ist das vor drei Jahren veröffentlichte Buch ein Bestseller geworden. Das Interesse am Thema ist da, zumindest in der oberen Mittelschicht und intellektuellen Kreisen. Doch die Regierung ist noch lange nicht so weit. Auch weil in Ministerien, Wirtschaft und Medien noch viele Leute sitzen, die damals selbst an den Säuberungen beteiligt waren. Und in den Dörfern wohnen die Opfer weiter neben den Tätern.

Filme gegen das Vergessen

Das hat der US-Dokumentarfilmer Joshua Oppenheimer im preisgekrönten «Act of Killing» (2012) und danach in «Look of Silence» thematisiert, den in den vergangenen Monaten in Indonesien in kulturellen Vorführungen mehrere hunderttausend Menschen gesehen haben. In kommerziellen Kinos dürfen beide Filme nicht gezeigt werden.

«Wir wollen das Thema vergessen, aber nicht lösen», sagt der Filmemacher Alex Sihar, Generalsekretär eines grossen Kulturzentrums in Jakarta. Goenawan Mohamad, Galionsfigur der indonesischen Literatenszene und Organisator des Auftritts in Frankfurt, ist da weniger pessimistisch. «Das Tabu ist längst nicht mehr so stark wie es war», sagt der 73-Jährige, der selbst unter dem Diktator Suharto zeitweise inhaftiert war. Die Autoren dürften aber das Thema nicht der Regierung überlassen. (sda)

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